Schwierigkeiten mit Familienfeiern/-treffen oder Besuchen

  • Hi zusammen,

    ich habe mich relativ neu hier angemeldet und bin 21 Jahre alt, undiagnostiziert.

    Die letzten Tage habe ich ein Thema was mich nicht mehr los lässt. Meinem Opa geht es momentan nicht so gut und ich wollte die Zeit die man gemeinsam noch hat nutzen. Also habe ich mir dieses Wochenende eingeplant, gemeinsam mit meinem Freund zu ihnen zu fahren. Die Fahrt kostet mich schon sehr viel Kraft, 5 h nach der Arbeit.

    Nun ist das so, dass mir aufgefallen ist, dass ich noch nie ganz allein bei meinen Großeltern war. Früher waren mein Bruder und ich häufig in den Sommerferien "alleine" da und das war kein Problem. Mittlerweile zerbreche ich mir jedoch den Kopf, da mir aufgefallen ist wie ich meine Mutter und meinen Bruder in den letzten Jahren als Stütze genommen habe, bspw. in Smalltalk Situationen. Man konnte sich immer etwas zurücklehnen, meine Mutter hat die Abläufe geplant und ich musste nur "mitlaufen". Nun bin ich sehr verunsichert. Was wenn es unangenehm wird? Wir nichts zum reden haben? Meine Großeltern sind alt, dass heißt wir werden auch nicht groß was unternehmen (was für mich völlig perfekt ist, ich mir jedoch Gedanken mache wie man die Zeit gemeinsam verbringt).

    Wichtig zu erwähnen: meine Großeltern wissen nichts über meine aktuellen Probleme.

    Ich fühle mich verantwortlich, dass das Wochenende perfekt wird und fühle mich auch gleichzeitig schlecht, diese negativen Gefühle zu haben, da ich sie ja wieder sehen will! Mir wird bei dem Gedanken ans Wochenende mittlerweile etwas schlecht...

    Eigentlich will ich es einfach nur genießen.

    Kann das jemand nachvollziehen?

  • Falls ihr das früher gemacht habt und der Großvater noch fit genug ist, kannst du Spielkarten oder ein Brettspiel mitnehmen und ihr seid ein bisschen beschäftigt.

  • Hi,

    wenn ich bei meinen Großeltern bin, frage ich manchmal, ob ich mir die alten Bilder aus dem Krieg anschauen darf. Dabei fallen mir dann automatisch Fragen ein. Mit meinem Opa habe ich immer Schach gespielt, der ist aber mittlerweile leider verstorben. Ich bin allerdings meistens nicht alleine bei meinen Großeltern, sondern zusammen mit meinen Eltern.

    Ich kann es eigentlich schon nachvollziehen. Meine Mutter wollte gestern, dass ich meine Oma anrufe, aber ich wollte nicht, weil ich Telefonieren hasse. Ich schiebe das Telefonat auch schon die ganze Zeit vor mir her.

    Gesprächsführung übe ich momentan mit meiner Therapeutin. Beim Smalltalk geht es unter anderem darum, zu „erfühlen“, wie es dem anderen gerade geht. Mir wurde das mit einer Analogie erklärt: Katzen schnurren, um sich mitzuteilen, und wir Menschen führen gewissermaßen Smalltalk. Man versucht, ein gemeinsames Gesprächsthema zu finden und sich dabei auf die Stimmung des Gegenübers einzulassen. Wichtig dabei ist auch, nicht nur mit Ja oder Nein zu antworten, sondern selbst Rückfragen zu stellen.

    Wenn andere dabei sind, verlasse ich mich eigentlich darauf, dass sie die Gesprächsführung übernehmen. Dann kann ich mich etwas zurückziehen.

    Vielleicht gibt es ja ein gemeinsames Gesprächsthema, über das ihr reden könnt? Deine Großeltern haben sicherlich viel erlebt und viel zu erzählen, und du könntest dazu Fragen stellen. Mir fällt Kommunikation außerdem leichter, wenn das Gespräch selbst nicht so sehr im Vordergrund steht. Ich spiele zum Beispiel gerne Karten, und meine Oma mag Spiele auch sehr gerne. Vielleicht könntet ihr auch einfach etwas zusammen spielen.


    Falls ihr das früher gemacht habt und der Großvater noch fit genug ist, kannst du Spielkarten oder ein Brettspiel mitnehmen und ihr seid ein bisschen beschäftigt.


    Das habe ich mit meinem Großeltern auch immer gerne gemacht. 😊

    Edited once, last by SecretDream: Ein Beitrag von SecretDream mit diesem Beitrag zusammengefügt. (August 13, 2026 at 10:27 AM).

  • Dann ist das halt so.

    Ich finde sowas aber leider unerträglich und Stille sehr unangenehm. Ich fühle mich in der Verantwortung, dass mir unbedingt was einfallen muss, wodurch mein Kopf aber erst recht leer ist.

    Falls ihr das früher gemacht habt und der Großvater noch fit genug ist, kannst du Spielkarten oder ein Brettspiel mitnehmen und ihr seid ein bisschen beschäftigt.

    Danke dir. Ja das haben wir auch immer gerne gemacht und war auch mein erster Gedanke. Jedoch habe ich gleichzeitig die Befürchtung, dass auch da die Motivation abgenommen hat. Aber ich werde es versuchen.

    SecretDream

    Danke für deine ausführliche Antwort. Gemeinsam Bilder anzuschauen ist eine gute Idee!

    Ich hasse es auch zu telefonieren und muss ebenfalls heute nochmal anrufen um bescheid zu sagen, dass der Plan steht. Jedoch ist mir jetzt schon unwohl bei dem Gedanken.

    Danke auch für die Tipps bezüglich des Smalltalks, das ist bei mir auch eine große Baustelle und je mehr ich mich anstrenge, desto schlimmer wirds. Mein Kopf hat dann oft eine Art Blackout.

    Edited 3 times, last by lavendel (August 13, 2026 at 12:22 PM).

  • Deine Großeltern haben sicherlich viel erlebt und viel zu erzählen, und du könntest dazu Fragen stellen.

    Meine Oma habe ich immer gerne über ihr Leben gefragt, zur Zeit ihrer Kindheit war das Leben noch ganz anders als jetzt. Vielleicht kannst du dir vorher schon Fragen überlegen, damit du nicht nachdenken musst. Was war das schönste Erlebnis für deinen Opa? Was hat er früher gerne gemacht?

  • Ich hasse es auch zu telefonieren und muss ebenfalls heute nochmal anrufen um bescheid zu sagen, dass der Plan steht. Jedoch ist mir jetzt schon unwohl bei dem Gedanken.

    Meine Mutter hat mir heute und gestern auch schon mehrmals gesagt, dass ich jetzt mal meine Oma anrufen soll. Also ich muss da heute auch noch durch und wünsche dir viel Erfolg!

    Für mich ist es ja irgendwie noch schlimmer am Telefon als in Person. Ich finde in Person kann man noch irgendwie das Gespräch auf die Umgebung lenken, aber am Telefon ist man der Situation völlig ausgesetzt.

  • Und wenn es ganz arg wird, haben sie keine Lieblingssendungen die sie gerne sehen möchtet. Ihr könnt ja auch gemeinsam etwas anschauen. Alte Leute die ich kannte, hatten auch ihre Routinen und waren häufig sehr glücklich, wenn sie denen nachgehen können. Manchmal ist es auch gut, einfach zusammen zu sitzen, man muss nicht immer reden. Es wird ihnen gut tun, dass Du zu ihnen gekommen bist.

  • Ich finde sowas aber leider unerträglich und Stille sehr unangenehm. Ich fühle mich in der Verantwortung, dass mir unbedingt was einfallen muss, wodurch mein Kopf aber erst recht leer ist.

    Das kenne ich auch. Habe dafür eine Art Standardkatalog mit Fragen. „Wie geht es deiner Partnerin ?“ zum Beispiel.

    Ich fühle die Fragen gar nicht aber ich mache das dann weil mit die Freundschaft wichtig ist.

    Ich habe auch schon gesagt, dass mir kein Gesprächsthema einfällt und die andere Person gebeten die Gesprächsführung zu übernehmen.

  • Maus  Andere

    Danke auch an euch! Mein Opa kann auch stundenlang erzählen und das ist ein guter Einwand, dass ich mir ja schon Fragen überlegen kann. Und ja, sie schauen auch ihre Sendungen und vor allem Abends haben sie ihr "festes Programm". Aber wenn man mal da ist, was bei mir durch die Entfernung nicht oft möglich ist, will ich die Zeit ja auch irgendwie "sinnvoll" nutzen. Aber ich glaube da habe ich einfach ein Problem mit meinem Perfektionismus, weil wenn es nach meinem eigentlichen Gefühl geht würde ich auch den ganzen Tag mit ihnen fernsehen.

    Meine Mutter hat mir heute und gestern auch schon mehrmals gesagt, dass ich jetzt mal meine Oma anrufen soll. Also ich muss da heute auch noch durch und wünsche dir viel Erfolg!

    Für mich ist es ja irgendwie noch schlimmer am Telefon als in Person. Ich finde in Person kann man noch irgendwie das Gespräch auf die Umgebung lenken, aber am Telefon ist man der Situation völlig ausgesetzt.

    Dann wünsche ich dir ebenfalls viel Erfolg!

    Und ich finde telefonieren auch nochmal schlimmer, man sieht die Person nicht und ich weiß noch weniger wann mein Zeitpunkt zum sprechen ist. Mein Opa z.B. spricht auch relativ undeutlich, was ein Telefonat schon grundlegend schwieriger macht.

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