Ist das Autismusspektrum zu groß und breit geworden, so dass es bedeutungslos wird? 16
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Ja, aber Masking gibt es trotzdem (10) 63%
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Nein, und Masking gibt es trotzdem (4) 25%
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Ja, und Masking gibt es nicht (1) 6%
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Ich bin nicht sicher (1) 6%
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Nein, und Masking gibt es nicht (0) 0%
Hi allerseits,
ich hatte im alten Forum schon mal etwas dazu geschrieben, aber jetzt ist es wieder neu in den Medien und das alte Forum ist weg, also nochmal:
Uta Frith ist eine der führenden, wenn nicht neben Baron-Cohen und Attwood, die führende Autismus-Expertin der Welt. Sie ist in Deutschland geboren und arbeitet am University College London (Wikipedia). Sie ist sehr einflussreich bei Fachleuten. Wenn sie spricht, hört man zu.
Uta Frith hat (mit-)entwickelt die Theory of Mind, die Theorie der zentralen Kohärenz und sie war eine der ersten, die erkannte, dass Autismus eine Entwicklungsveränderung im Gehirn ist – und nicht das Ergebnis schlechter Erziehung. Sie war auch eine der Ersten, die sich mit dem Asperger-Syndrom beschäftigte, und sie übersetzte Aspergers Arbeiten ins Englische. Sie war die Doktormutter von Simon Baron-Cohen und Tony Attwood.
Interessanterweise hat sie auch die Idee des Autismus-Spektrums in den 60er und 70er Jahren mitentwickelt.
Klingt eigentlich nach einer vernünftigen Frau, nicht? Man sieht ihren Einfluss auf Autismus ganz deutlich. Fast alles, was sie da entwickelt hat, ist heute Standard. Und praktisch alle internationalen Experten sind irgendwie durch ihre Schule gegangen.
Nun ist sie aber im März und jetzt am 4. August, also heute, erneut an die Öffentlichkeit gegangen und sagt (in meinen Worten):
Das Autismusspektrum ist so groß und breit geworden, dass praktisch jeder Mensch Autismus haben kann, dass jeder da reinpasst – dass es "bedeutungslos" ist (Zitat aus dem Telegraph: "having previously said it was so inclusive it was “completely meaningless”"). Auch social media hätte "vereinfachte und irreführende Ideen" verbreitet.
Autismus sei Teil der „Popkultur“ geworden und übe eine „fast magnetische Anziehungskraft“ aus, mit dieser Erkrankung diagnostiziert zu werden.
Sie meint damit vor allem die spät diagnostizierten Menschen. Dort zieht sie eine Grenze. Nur die, die in der Kindheit diagnostiziert wurden, sind echte Autisten – überspitzt gesagt. Es gibt zwar auch Ausnahmen, aber im Prinzip sei das so.
Sie spricht überhaupt niemandem ab, dass es ihm/ihr schlecht geht. Sie sagt auch nicht, dass diese Fehldiagnostizierten keine Hilfe brauchen (konkret bei Reizüberflutung oder Angst). Sie sagt nur: Das ist kein Autismus. Das kommt auch bei anderen Dingen vor. Vielleicht brauchen wir eine neue Kategorie. Aber es ist kein Autismus.
QuoteDie 85-Jährige sagte: „Autismus wurde nicht immer so definiert – als eine Art Sammeldiagnose für eine große Bandbreite an Erkrankungen.“
„Als der Begriff in den 1940er Jahren erstmals identifiziert wurde, bezeichnete er eine kleine Gruppe von Kindern mit schweren Schwierigkeiten in den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation und Verhalten“, sagte sie.
„Im Laufe der Zeit wurde die Definition erweitert und umfasst nun auch Menschen mit milderen Merkmalen und ohne Sprach- oder Lernprobleme.“
„Heutzutage kann bei jedem Menschen, unabhängig von Alter und Intelligenzgrad, Autismus diagnostiziert werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.“
Sie sagt übrigens auch, sowas wie speziell autistisches Masking und seine Folgen gibt es nicht; alle Menschen maskieren und besondere Konsequenzen nur bei Autisten gibt's da nicht.
Sie bezweifelt, dass Mädchen und Frauen überhaupt unterdiagnostiziert sind, die aktuellen Diagnose-Zahlen seien korrekt, es gebe – wie bei anderen psychischen Störungen übrigens auch! – halt tatsächlich mehr Männer.
Sie will die Autismus-Diagnose wieder schärfen, etwas enger machen, so dass sie auf weniger Menschen zutrifft.
Ach so, und sie hängt am Begriff "Störung". Es ist eine Störung, nicht irgendein ... wolkiges Trallala (RW, von mir).
Ihre Aussagen haben zu scharfer Kritik geführt, unter anderem Tony Attwood hat ihr widersprochen. Ich würde ihr auch widersprechen – aber ich sehe auch, dass ein paar Dinge, die sie sagt, durchaus richtig sind.
Was meint ihr? Ist das Autismusspektrum bedeutungslos?
Ihre neuste Veröffentlichung von heute in einem Cambridge Journal