Wenig Interesse an sozialen Kontakten und oft völlig „stumm“ – kennt das jemand?

  • Hallo zusammen,

    momentan habe ich sehr wenig Interesse an sozialen Kontakten oder Gesprächen – sowohl bei der Arbeit als auch im privaten Umfeld. Besonders ausgeprägt war mein Bedürfnis nach Austausch zwar noch nie, aber zurzeit ist es so stark wie noch nie.

    Ich habe kaum Interesse daran, darüber zu sprechen, wie der Tag war, was man gemacht hat oder was es sonst Neues gibt. In gemeinsamen Gesprächen fällt mir oft einfach nichts ein, was ich sagen könnte. Mein Kopf fühlt sich dann völlig leer an. Manchmal bin ich tatsächlich fast die ganze Zeit stumm, und manchmal versuche ich mit aller Kraft, mir irgendwelche Gesprächsthemen auszudenken. Das fühlt sich sehr gezwungen und anstrengend an.

    Früher habe ich geraucht und Kaffee getrunken, obwohl mir beides eigentlich nicht gutgetan hat. Rückblickend hatte ich aber das Gefühl, dass ich mich damit durch soziale Situationen „pushen“ konnte. Oft waren Kaffee und Zigaretten sogar der eigentliche Antrieb für gemeinsame Treffen. Sie haben mir außerdem geholfen, dieses unangenehme Gefühl während solcher Situationen etwas zu überdecken.

    Seit diese Stimulanzien wegfallen, habe ich das Gefühl, dass nur noch mein „wirkliches Ich“ übrig bleibt. Und dieses Ich hat kaum Interesse an Unterhaltungen über alltägliche Dinge. Selbst bei meinen eigenen Eltern ist das Interesse nicht größer. Das macht mir Sorgen, weil ich nicht weiß, ob das einfach zu mir gehört, ob es eine vorübergehende Phase ist oder ob ich etwas unternehmen sollte.

    Ich wüsste allerdings auch nicht, wie ich daran etwas ändern könnte. Es ist nicht nur so, dass ich keine Lust habe zu reden. Ich bin in solchen Momenten wirklich wie stumm, und mein Kopf ist leer. Da sind einfach keine Gesprächsthemen. Ähnlich geht es mir auch oft bei Therapiesitzungen.

    Wenn ich mich mit jemandem treffe, möchte ich außerdem oft schon nach kurzer Zeit wieder nach Hause, weil ich erschöpft bin und das Treffen als sehr anstrengend empfinde.

    Kennt das jemand von euch? Habt ihr ebenfalls Phasen, in denen das Interesse an sozialen Kontakten stark abnimmt und ihr in Gesprächen kaum noch etwas sagen könnt? Woran merkt ihr, ob ihr einfach Rückzug und Ruhe braucht oder ob noch etwas anderes dahintersteckt?

  • Ich habe solche Phasen, wenn ich überlastet bin und mehr Zeit alleine brauche. Von einer Depression würde ich es wahrscheinlich unterscheiden können, weil ich bei einer Depression negative Gedanken über mich, andere oder die Welt hätte, aber wenn der Kopf nur leer ist, dann brauche ich ein paar Tage Ruhe.

    Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam.
    (Timothy Snyders „Über Tyrannei – Zwanzig Lektionen für den Widerstand“)

  • Das kenn ich auch. Wenn ich mal zu Geburtstagfeiern oder so muss, weiß ich nie worüber ich reden soll. Ich könnte über meine Hobbys wie Basteln oder so reden, aber das finden die meisten Leute langweilig oder sogar kindisch, also mach ich das lieber nicht mehr. Aber die normalen Smalltalk-Themen wie Wetter, Sport, Stars, irgendwelche Reality- oder Castingshows oder so interessieren mich einfach nicht. Und schon steh ich mal wieder schweigend da und warte drauf, dass ich endlich gehen kann. Mittlerweile geh ich zu solchen Treffen nach Möglichkeit gar nicht mehr hin.

    Die Welt braucht einfach nur viel mehr Glitzer und viel mehr Einhörner! ✨️🦄

  • Ich gehe nur zu solchen Veranstaltungen, wenn ich die Leute kenne. Die wissen dann auch, dass ich durchaus eine gute Zeit habe wenn ich schweigend beobachte.

  • Das was du beschreibst, kenne ich von mir nur zu gut. Ich habe und hatte noch nie das große Bedürfnis mich mitzuteilen, oder aktiv an Gesprächen teilzunehmen, da mir für viele allägliche Gespräche die Logische Erklärung dahinter fehlt. Auch bin ich in Gesprächen schnell gestresst (dann entsteht bei mir teilweise auch Leere im kopf) oder überfordert - vor allem wenn mehr als 1 Gesprächspartner mit in der Runde ist.

    Das Hauptproblem bei mir ist, das ich während des Gesprächs auf so viele Dinge achten muss, sei es Mimik, Gestik, Widersprüche, Handbewegungen, wie etwas gesagt wird, ob es Sinn macht und oft Frage ich mich währenddessen warum man mir das erzählt, obwohl es eigentlich keinen Mehrwert für mich hat. Desweiteren muss ich mir gedanklich immer erst sätze zurecht legen und anordnen. Oft passiert es dann, das die Leute schon beim nächsten Thema sind, da ihre Kommunikation einfach automatisch und spontan verläuft und ich, da mir diese Komponente anscheinend fehlt, still/stumm daneben stehe, weil mein Gehirn nicht nachkommt.

    Den Unterschied zu erkennen, ob etwas anderes dahinter steckt wie z.B eine Depressive Phase, erkenne ich daran ob mich solche Soziale Interationen gedanklich über mehrere Tage/Wochen hinweg belasteen, ich die Gespräche nachtäglich zu arg analysieren muss und mein innerer Kritiker mich, nach jedem Gespäch, mit negativen Gedanken überschüttet - in Form von "das ist doch nicht normal wie ich mich während Gespräche verhalte".

    Wenn ich deinen Text richtig verstanden habe, dreht es sich aber nicht um die Kommunikation direkt, sondern eher dass du das Gefühl hast, es fühlt sich nicht mehr stimmig an, so wie es momentan ist und das kann durchaus eine Depressive Phase sein!? Es steht mir aber nicht zu dieses zu beurteilen und eine Einschätzung abzugeben, da ich dich weder kenne, noch professionell dazu befugt bin.

    Wie sehr belastet es dich momentan?

    Das macht mir Sorgen, weil ich nicht weiß, ob das einfach zu mir gehört, ob es eine vorübergehende Phase ist oder ob ich etwas unternehmen sollte.


    Ähnlich geht es mir auch oft bei Therapiesitzungen.

    Währe es nicht eine Option das Thema dort anzusprechen? 🐈

    Edited 4 times, last by _loogoo (July 29, 2026 at 1:25 PM).

  • Ich habe solche Phasen, wenn ich überlastet bin und mehr Zeit alleine brauche. Von einer Depression würde ich es wahrscheinlich unterscheiden können, weil ich bei einer Depression negative Gedanken über mich, andere oder die Welt hätte, aber wenn der Kopf nur leer ist, dann brauche ich ein paar Tage Ruhe.

    Ich glaube ich bin tatsächlich chronisch überlastet. Ich hatte auch schon depressive Phasen und würde es davon auch abgrenzen, da ich eigentlich kaum negative Gedanken habe.


    Das kenn ich auch. Wenn ich mal zu Geburtstagfeiern oder so muss, weiß ich nie worüber ich reden soll. Ich könnte über meine Hobbys wie Basteln oder so reden, aber das finden die meisten Leute langweilig oder sogar kindisch, also mach ich das lieber nicht mehr. Aber die normalen Smalltalk-Themen wie Wetter, Sport, Stars, irgendwelche Reality- oder Castingshows oder so interessieren mich einfach nicht. Und schon steh ich mal wieder schweigend da und warte drauf, dass ich endlich gehen kann. Mittlerweile geh ich zu solchen Treffen nach Möglichkeit gar nicht mehr hin.

    Ja, so ist es bei mir auch. Und dadurch habe ich halt kaum was beizutragen. Früher habe ich mich trotzdem durchgequält. Heute, mit 39, sehe ich das nicht mehr ein bzw. habe ich auch gar nicht mehr die Energie dafür.

    Da ich mir das nicht gebe habe ich jetzt natürlich kaum noch Kontakte und irgendwie auch keine Lust drauf. Und das macht mir eben etwas Sorgen ob das auf Dauer gesund ist. Aktuell ist es in Ordnung.

    Edited once, last by Julian: Ein Beitrag von Julian mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 29, 2026 at 1:40 PM).

  • Ich gehe nur zu solchen Veranstaltungen, wenn ich die Leute kenne. Die wissen dann auch, dass ich durchaus eine gute Zeit habe wenn ich schweigend beobachte.

    Ich glaube mir ist das einfach immer noch unangenehm mit dem "nur schweigend beobachten" obwohl mir das meist am liebsten wäre. So im Sinne von "Was denken die Leute von mir?" .. Das müsste ich wohl dringend mal ablegen ...


    Den Unterschied zu erkennen, ob etwas anderes dahinter steckt wie z.B eine Depressive Phase, erkenne ich daran ob mich solche Soziale Interationen gedanklich über mehrere Tage/Wochen hinweg belasteen, ich die Gespräche nachtäglich zu arg analysieren muss und mein innerer Kritiker mich, nach jedem Gespäch, mit negativen Gedanken überschüttet - in Form von "das ist doch nicht normal wie ich mich während Gespräche verhalte".

    Wenn ich deinen Text richtig verstanden habe, dreht es sich aber nicht um die Kommunikation direkt, sondern eher dass du das Gefühl hast, es fühlt sich nicht mehr stimmig an, so wie es momentan ist und das kann durchaus eine Depressive Phase sein!? Es steht mir aber nicht zu dieses zu beurteilen und eine Einschätzung abzugeben, da ich dich weder kenne, noch professionell dazu befugt bin.

    Wie sehr belastet es dich momentan?

    Begleiten tun mich solche Interaktionen nicht begleiten. Früher war das schon ab und zu mal der Fall, heute nicht mehr. Vor allem das mit dem inneren Kritiker.

    Ich glaube ich demaskiere immer mehr und habe Angst es vielleicht zu übertreiben? Mir geben so typische Gespräche einfach nichts und mich interessiert vieles darin auch nicht. Deswegen lass es es mittlerweile bleiben. Da ist dann vielleicht eher die Kopf der sagt "Das ist nicht normal" , "Das ist nicht gesund" , und "man sollte sich zumindest ein bisschen zusammenreißen sonst steht man irgendwann alleine da".

    Stark belastet es mich nicht. Ich mache mir halt so meine Gedanken. Liegt vielleicht auch immer noch an meinem Prozess zur Findung meiner Selbst. Habe ja auch erst vor ein paar Monaten mit 39 meine Diagnose erhalten.

    Edited 2 times, last by Julian: Ein Beitrag von Julian mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 29, 2026 at 1:54 PM).

  • Habe ja auch erst vor ein paar Monaten mit 39 meine Diagnose erhalten.

    Hat sich bei dir, mit der offiziellen Diagnose, direkt innerlich etwas geändert? Manche berichten ja von Erleichterung, Freude und Traurigkeit zugleich und endlich einen Namen/Erklärung für vieles zu haben (somit wirkt es nicht mehr so unsichtbar).

    Liegt vielleicht auch immer noch an meinem Prozess zur Findung meiner Selbst.

    Da bin ich auch gerade dabei und durch die Langzeittherapie gelingt mir das immer besser, auch wenn der Weg echt steinig ist. Der Termin zur Diagnostik steht bei mir noch an. Freue mich irgendwie schon drauf 🐈

  • Hat sich bei dir, mit der offiziellen Diagnose, direkt innerlich etwas geändert? Manche berichten ja von Erleichterung, Freude und Traurigkeit zugleich und endlich einen Namen/Erklärung für vieles zu haben (somit wirkt es nicht mehr so unsichtbar).

    Es kam ja nicht ganz plötzlich für mich sondern der Verdacht und ein Anfreunden damit war schon länger da. Ich denke es hilft mir dabei mich zu trauen noch mehr ich selbst zu sein, weil ich viele Dinge nun als "nicht veränderbar" annehmen kann.

    Da bin ich auch gerade dabei und durch die Langzeittherapie gelingt mir das immer besser, auch wenn der Weg echt steinig ist. Der Termin zur Diagnostik steht bei mir noch an. Freue mich irgendwie schon drauf 🐈

    Der Weg ist steinig. Habe auch viel für mich geprüft immer wieder bzw. bin immer noch dabei. "Stimmt die Diagnostik? Ist das Autismus oder nicht? Moment mal, das ist jetzt aber nicht autistisch! "

    Denke es brauch einfach Zeit eine Balance zu finden ... auch, dass ich nicht nur "Autismus" bin sondern da viele andere Dinge sind.

  • Ich habe auch ein vermindertes Interesse an sozialen Kontakten. Es ist irgendwie schwer zu beschreiben. Ich mag das lieber den ganzen Tag meinen Interessen nachzugehen, statt mich zu treffen oder mit Leuten zu reden. Die Gesprächsthemen interessieren mich auch nicht und ich kann sowieso nicht mitreden.

    Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass ich mich schon einsam fühle und ich auch gerne in Gesellschaft bin. Ich mag das mit anderen Menschen zu ko-existieren, also quasi unter Menschen zu sein, aber nicht mit ihnen zu reden. Ich finde es manchmal selbst anstrengend mit meinem Partner zu reden. Wir haben uns letztens gestritten, weil ich ihm nie von meinem Tag erzähle, sondern seiner Meinung nach immer über “das Gleiche” rede. Ich weiß nicht wie ich das ändern kann ohne, dass es anstrengend für mich wird.

    Ich maskiere bei ihm nicht, aber er beschwert sich oft, dass man mit mir keine Konversation führen kann, aber mich kostet das irgendwie unfassbar viel Kraft. Selbst mit langjährigen Freunden finde ich es anstrengend, aber da gebe ich mir zugegebenermaßen mehr Mühe bzw. maskiere auch mehr. Aber nach einmal Kaffee trinken gehen mit einer alten Schulfreundin liege ich Nachmittags wieder mehrere Stunden platt im Bett und muss schlafen.

    Ich bin aufgrund des ADS medikamentös auch eingestellt und habe sogar noch weniger Lust auf soziale Kontakte, weil ich deutlich mehr Energie für meine Hobbys/SI’s aufbringen kann.

    Ich hab das Gefühl, dass ich kein soziales “Netz” habe und zu sehr auf meinen Partner angewiesen bin. Meine Schulfreunde sehe ich maximal 1-2 mal im Jahr, ansonsten lebe ich ziemlich isoliert und ich fühle mich auch oft einsam und alleine mit meinen Gedanken.

    Manchmal wünsche ich mir schon einen Freundeskreis, aber gleichzeitig brauche ich auch unfassbar viel Rückzug, sodass ich kaum Spaß an sozialen Events habe.

    Was mich weniger Kraft kostet sind Kartenspiele, oder mit meiner Schulfreundin zocken.

  • Ich habe solche Phasen immer wieder. Kein Interesse, mich mitzuteilen, und keine Kraft anderen zuzuhören. Bisher kam ich aber immer wieder an einen Punkt, wo sich das schlagartig geändert hat. Ich glaube, das wichtigste war, wirklich mal eine Zeit lang in Ruhe gelassen zu werden, dann regelt sich das. Früher war mir sehr bewusst, dass richtig leben nur mit und durch Kontakte geht. Inzwischen akzeptiere ich, dass es eben manchmal nicht so ist.

  • Das kenne ich aus meinen Lebensjahrzehnten auch so. Ich habe das für mich so angesehen, daß mich die Themen der Leute nicht interessieren und darum. Was soll man dazu sagen und warum? (das was 'Small Talk' genannt wird, ich nenne das 'das Soziale')

    Für mich gibt es die Kontakte, die beleben und die für mich sinnlosen "bloß" 'soziales Herumgemache'.
    Dazu habe ich das Bild: Diese in sich Eingeschlossenen, wie in einer Badewanne Wellchen schlagen (das Soziale) und das Geistige, wo Weite ist und das Leben. Außerhalb dieses Schaumbades.
    Die Schaumbader sind maskiert, ich denke, das macht es für mich besonders anstrengend und eben sinnlos (weil der Grund nicht mit sich identisch ist).

    Edited once, last by columbarius (August 2, 2026 at 8:02 PM).

  • Ich hatte meine Phasen, in denen ich meine "Baustellen" (RW) hatte, Depressionen, andere Probleme, oder meine Spezial-Interessen, mit denen ich meinen Autismus pflegte. Ich lebte quasi abgeschottet in meiner eigenen Welt. Die Neuro-Typische Gesellschaft hatte ich teilweise nicht wahrgenommen. Ich wurde phasenweise nicht mit NT konfrontiert über lange Zeiträume (Jahre oder Jahrzehnte). Lediglich der Gang zum Supermarkt.

    Ich wohnte in Nachbarschaften oder Wohngegenden, die in Randlage oder abgeschnitten waren, Infrastruktur-bedingt durch große Hauptstraßen oder Brücken, Gegenden und Stadtteile, in denen Leute wohnen oder wohnten, die nicht meinem Sozialen Status entsprechen/entsprachen, entweder weit über mir (Studenten, Eigenheim-Besitzer*Innen), oder großer Altersunterschied (Rentner*Innen), oder Soziale Brennpunkte.

    Als Kind und Jugendlicher hatte ich mich teilweise bewußt abgegrenzt von NT Kindern/NT Jugendlichen.

    Last but not least totale Fixierung auf meine Spezial-Interessen unter Ausschluß von möglichen Mainstream-Hobbys der NT, für die ich mich lange Zeit nicht (ausreichend) begeistern konnte.

    So kann ich natürlich keine Sozialen Skills zum Leben unter NT lernen. Anders ausgedrückt, ich hatte mein Leben "verpennt".

    Alles Umstände, die für mich nicht förderlich waren/sind.

    Edited 5 times, last by Hannoveraner (July 31, 2026 at 7:54 AM).

  • SecretDream Mir fällt es oft schwer in Worte zu fassen wie ich empfinde. Aber deine Beschreibung könnte ich quasi 1:1 übernehmen. Ich bin froh, dass es jemanden genauso geht ehrlich gesagt.

    Bei mir ist es so, dass ich keine Partnerin habe. Ich habe eine gute Freundin und eine Mutter die mich versteht, die aber schon 77 Jahre alt ist. Ich habe Angst davor, dass sie irgendwann wegfällt.

    Darf ich fragen welche Medikamente du nimmst?


    Ich habe solche Phasen immer wieder. Kein Interesse, mich mitzuteilen, und keine Kraft anderen zuzuhören. Bisher kam ich aber immer wieder an einen Punkt, wo sich das schlagartig geändert hat. Ich glaube, das wichtigste war, wirklich mal eine Zeit lang in Ruhe gelassen zu werden, dann regelt sich das. Früher war mir sehr bewusst, dass richtig leben nur mit und durch Kontakte geht. Inzwischen akzeptiere ich, dass es eben manchmal nicht so ist.

    Das ist interessant. Bisher hält diese Phase bei mir sehr lange an. Auch seit dem ich ein hilfreiches Medikament gefunden habe, wodurch ich nicht mehr so innerlich getrieben bin. So richtig lange Ruhe habe ich wahrscheinlich nie, weil ich 3 mal die Woche ins Büro muss.


    So kann ich natürlich keine Sozialen Skills zum Leben unter NT lernen. Anders ausgedrückt, ich hatte mein Leben "verpennt".

    Und was hatte dir dann gefehlt oder fehlt dir jetzt, wenn du das sagst? Kann ja auch ausreichend für jemand sein quasi "sein Ding" zu machen.

    Edited 2 times, last by Julian: Ein Beitrag von Julian mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 31, 2026 at 7:56 AM).

  • Julian lange Zeit (Jahrzehnte) war es ausreichend für mich, "mein Ding" zu machen, aber spätestens jetzt fehlt mir doch was. Einsamkeit kann sehr frustrierend sein und depressiv machen.

    Jetzt ist es leider (fast) zu spät, ich habe zu "eingefahrene" Marotten, zu wenig Antrieb, schaffe viel nicht mehr, ich vergleiche mich mit einem Schulabbrecher, der bereut und für sein gutes Gewissen Vorlesungen an der Uni besucht (bildlicher Vergleich), deswegen konsumiere ich YouTube Videos von Tom Harrendorf, der die Welt der NT erklärt. Er ist aber deutlich jünger als ich.

  • Hannoveraner Okay, verstehe. Schau mal bitte oben die Beschreibung von SecretDream . Resoniert das mit dir? Also dass praktisch eine (enge) Person reicht und einfach das "Co-Exisitieren" schon reicht? Das ist nämlich bei mir der Fall.

    Ich setzt mich in ein Kaffee mit Noise-Cancelling Kopfhörern, wechsle ein kurzes freundliches Wort mit der Bedienung und mein Tagesbedarf an Gesellschaft ist schon ganz gut befriedigt.

    Oder wünscht du dir mehr an sozialen Kontakten?

  • Julian ich resoniere sowohl mit Secret Dream als auch mit Dir.

    Bei vielen Themen der NT kann ich tatsächlich nicht mitreden oder nur sehr oberflächlich.

    Ich kenne meine Problematik, nämlich, dass ich ab und zu gerne mehr Sozialkontakte hätte (zu vernünftigen Leuten), aber dann auch gerne wieder alleine bin in manchen Phasen.

    So funktioniert Freundschaft aber nicht (Liebesbeziehungen erst Recht nicht). Diese sind konstant immer präsent, wenn man sie hat. Man sollte immer für seine Freunde/Partner*Innen da sein und nicht genervt reagieren, wenn jemand anruft, an der Tür klopft oder klingelt. Freundschaft und Partnerschaft bedeutet darüber hinaus "Arbeit". Wortwörtlich, arbeitet ein Partner, sollte der/die andere das auch tun. Und sinngemäß, man muß sich emotional und mit dem Herzen für den Freund*In/Partner*In da sein, sich für sie einsetzen, stark machen, und bei Beziehungen zusätzlich noch ganz unromantisch seinen Anteil an Haushalt (putzen) leisten.

    Da ich aber als Autist weiß, daß ich das gar nicht leisten kann, weiß ich, wie unfair es gegenüber dem/der anderen wäre, Ungleichgewicht.

    Wenn ich wenigstens Selbständigkeit (für mich alleine) beherrschen kann, wäre das ein Fortschritt.

    Schwierige Frage, nicht leicht zu beantworten.

    Zumal ein Autist (ich zumindest) jetzt unbedingt etwas will, und 5 Minuten später was anderes. Meine Meinung wechselt quasi stündlich.

    Das größte Problem an meinem Autismus ist nicht, daß ich etwas stur unbedingt will, und etwas stur ablehne. Das größte Problem an meinem Autismus ist meine Wechselhaftigkeit, heute will ich dies, morgen will ich jenes, und übermorgen weiß ich überhaupt nicht, was ich will/was ich nicht will.

    Edited 2 times, last by Hannoveraner (July 31, 2026 at 8:34 AM).

  • Ich kriege von meinem Umfeld das Gefühl nicht “normal” zu sein. Manchmal habe ich auch Sorge, dass es mir an Lebenserfahrung fehlt. Ich weiß nicht was ich will, warum ich es will und ob ich es überhaupt will. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich mir Druck mache, dass ich Dinge ausprobieren “muss” so wie die Leute in meinem Alter, damit ich es später nicht bereue, aber gleichzeitig habe ich auch gar kein Interesse daran. Ich habe keinen Nutzen davon, ich weiß nicht was es mir bringen soll und wenn ich mich denn überwinde “bezahle” ich den “Preis” mit meiner Gesundheit. Ich habe das Gefühl mit anderen nicht mithalten zu können und mache mir dann selbst Vorwürfe, wenn es nicht klappt, obwohl ich es versuche. Ich weiß leider auch nicht, was man dagegen tun kann. Ich dachte es wäre auch besser es einfach zu akzeptieren und so zu sein wie ich bin, aber auf der anderen Seite habe ich auch Sorge, dass ich dann einsam werde.

    Ich sitze lieber zu Hause, beschäftige mich mit meinem Instrument. Wenn ich unterwegs bin, kann ich Dinge nicht so richtig genießen, weil ich mein SI vermisse und den ganzen Tag daran denken muss. Ich beschäftige mich dann trotzdem damit, indem ich den ganzen Tag Musik höre und mich abschotte, aber es ist nicht dasselbe wie zu Hause zu sein und seinen ganzen Kram zu haben.

    Julian ich nehme 20mg Elvanse täglich und du? Das ist soweit ich weiß die Mindestdosis und mehr vertrage ich auch nicht. Es hat bei mir die Reizüberflutung verbessert.

  • So funktioniert Freundschaft aber nicht (Liebesbeziehungen erst Recht nicht). Diese sind konstant immer präsent, wenn man sie hat. Man sollte immer für seine Freunde/Partner*Innen da sein und nicht genervt reagieren, wenn jemand anruft, an der Tür klopft oder klingelt. Freundschaft und Partnerschaft bedeutet darüber hinaus "Arbeit". Wortwörtlich, arbeitet ein Partner, sollte der/die andere das auch tun. Und sinngemäß, man muß sich emotional und mit dem Herzen für den Freund*In/Partner*In da sein, sich für sie einsetzen, stark machen, und bei Beziehungen zusätzlich noch ganz unromantisch seinen Anteil an Haushalt (putzen) leisten.

    An diesem Thema hatte ich die letzten Wochen/Monate auch zu knabbern. Ich hatte nie wirklich eine "richtige" partnerschaftlich Beziehung. Sehe ich im Fernseher Partnerschaften denke ich " Will ich auch haben". Dementsprechend suche ich schon lange und klappt es nicht.

    Mittlerweile ist mir aber bewusst geworden, dass ich das eigentlich gar nicht will oder kann. Ich mag es zu schreiben, ich mag kuscheln, ich mag Sex. Für viele heißt Beziehung aber die gemeinsame Zukunft planen, Rücksicht nehmen, Kompromisse finden, von seinem Tag erzählen, Nach dem Befinden fragen etc.

    In meinem letzten gemeinsamen Urlaub war der Tag schon für mich gelaufen, weil meine Freundin ein Essen für uns beide mit komischer Konsistenz gekauft hat ..... Und oft will ich auch einfach alleine sein, nicht im Sinne von "ich würde gerne" sondern von "ich muss jetzt", weil mir mal wieder alles zu viel wird.

    Ich bin mir nicht mehr sicher ob ich eine Partnerschaft überhaupt wirklich will sondern nur eine Vorstellung aus dem Fernseher hinterherjage wo alles toll und romantisch ist. Ich glaube da müsste jemand schon ganz ganz arg tolerant sein und zurückstecken können.


    Ich sitze lieber zu Hause, beschäftige mich mit meinem Instrument. Wenn ich unterwegs bin, kann ich Dinge nicht so richtig genießen, weil ich mein SI vermisse und den ganzen Tag daran denken muss. Ich beschäftige mich dann trotzdem damit, indem ich den ganzen Tag Musik höre und mich abschotte, aber es ist nicht dasselbe wie zu Hause zu sein und seinen ganzen Kram zu haben.

    Beziehungsweise freue ich mich recht schnell schon wieder auf zu Hause.

    Ich war heute z.B. in einer Kantine Mittagessen, dort steht ersichtlich ein Plan der vorhandenen Menüs und man kann durch ein Glas das Essen sogar aus nächster Nähe begutachten.

    Ich habe heute beobachtet wie da trotzdem Leute dastehen und fragen "Ja was gibt's denn heute?" ... dann erklärt die Bedienung nochmal alles was auf dem Plan vor den Augen steht. WARUM???? Sowas verstehe ich nicht und ich denke es ist nur des Gesprächs-willens ... aber das ist mir trotzdem so fremd.

    ich nehme 20mg Elvanse täglich und du? Das ist soweit ich weiß die Mindestdosis und mehr vertrage ich auch nicht. Es hat bei mir die Reizüberflutung verbessert.

    Elvanse habe ich auch eine ganze Zeit lang genommen. Es hat auch gewirkt aber ich bin auf der Dauer nicht mit der schwankenden Wirkung zurechtgekommen trotz aller Bemühungen. Egal mit welcher Dosis. Dazu bin ich emotional noch mehr abgestumpft (bin sowieso schon relativ emotionslos) und es hat das Verlangen nach Rauchen wieder getriggert.

    Bin jetzt nach Medikinet, Elvanse und Bupropion bei Atomoxetin gelanden und bisher ganz zufrieden 🙄.

    Edited once, last by Julian: Ein Beitrag von Julian mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 31, 2026 at 2:51 PM).

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