Tipps zur Verbesserung der Arbeitssituation im Büro

  • Hallöchen,

    ich habe Gott sei Dank 2 Tage pro Woche Homeoffice und muss dementsprechend "nur" 3 Tage pro Woche ins Büro. Trotzdem sind diese 3 Tage für mich sehr erschöpfend und ich möchte versuchen irgendwas an den Umständen zu verbessern ohne kündigen zu müssen.

    In unserem Büro gibt es 12 Arbeitsplätze. Nicht immer sind alle besetzt, Mittwochs müssen aber alle da sein (das ist der schlimmste Tag). Es ist alles offen gestaltet und sehr hellhörig, wir haben Leute die ständig in Besprechung sind und sehr laut reden. Dazu kommt, dass manche Kollegen sehr "geschwätzig" sind und immer irgendwas reden müssen. Bei so vielen Leuten ist es natürlich auch so, dass ständig jemand auf und ab läuft. Man hat also noch die visuellen Reize.

    Ich bin eigentlich sehr dankbar, dass wir eine Kantine haben, denn Kochen nach der Arbeit ist fast unmöglich für mich. Problem ist nur, dass man dort ebenfalls nicht seine Ruhe hat. Man wird ständig in Gespräche verwickelt oder die anderen unterhalten sich. Da es natürlich nicht unendlich viel Platz gibt, setzt sich zwangläufig immer jemand zu dir an den Tisch.

    Die Mittagspause geht nur 30 Minuten. Nach 15 Minuten essen geht es 15 Minuten spazieren. Auf dem Firmengelände, weil die Zeit nicht für mehr reicht. Dort begegnet man auch ständig Leuten und grüßt sich immer mit "Mahlzeit" .... "Mahlzeit" ..... "Mahlzeit" ..... Ich werde manchmal richtig wütend und könnte heulen, weil man nirgends seine Ruhe hat.

    Was für Maßnahmen bisher:

    • Ohrstöpsel + Noise-Canceling Kopfhörer (Nervt aber auch nach mehreren Stunden, weil ich meinen eigenen Körper höre und dadurch überstimuliert bin)
    • Kurze Besuche auf der Toilette (um einfach mal nichts zu hören ... bringt aber nichts wenn jemand anderes auf der Toilette ist)
    • Einen Ausweichplatz (etwas kleineres Büro und etwas weniger laut, Problem etwas geringer)
    • Chef schaut nach einer Abtrennwand / Sichtschutzwand für meinen Arbeitsplatz

    Geht es jemanden ähnlich oder war in einer ähnlichen Situation und hat Tipps für mich was ich an der Situation ändern kann?

    Vorweg: Mein Chef weiß nichts von meinem Autismus bzw. habe ich ihm nichts davon erzählt

  • Hallo Julian,

    Geht es jemanden ähnlich oder war in einer ähnlichen Situation und hat Tipps für mich was ich an der Situation ändern kann?

    Vorweg: Mein Chef weiß nichts von meinem Autismus bzw. habe ich ihm nichts davon erzählt

    Einen anderen Tipp als Gehörschutz usw. habe ich nicht.

    Hinsichtlich der Frage der Autismus-Diagnose: Ich würde das auf der Arbeit nicht offenbaren. Ich sage ganz grundsätzlich immer, dass ich eine Hyperakusis habe. Damit können zunächst die wenigsten etwas anfangen. Wenn das dann aber gegoogelt wird, schlägt mir meist Verständnis entgegen. Vielleicht wäre das eine Alternative für dich?

  • Hinsichtlich der Frage der Autismus-Diagnose: Ich würde das auf der Arbeit nicht offenbaren. Ich sage ganz grundsätzlich immer, dass ich eine Hyperakusis habe. Damit können zunächst die wenigsten etwas anfangen. Wenn das dann aber gegoogelt wird, schlägt mir meist Verständnis entgegen. Vielleicht wäre das eine Alternative für dich?

    Ja, das würde ich auch nicht machen.

    Vor ein paar Jahren war ich mal 6 Wochen krankgeschreiben und in einer psychosomatischen Tagesklinik. Da habe ich gesagt ich hab was mit dem Ohr (hatte da tatsächlich mal was) und deswegen so Schwindel etc. Aber das mit der Hyperakusis ist ein guter Tip, werde ich mir mal anschauen.

    Ansonsten kommst du einigermaßen durch das Arbeitsleben ohne jetzt für jeden direkt als Autist/Autistin aufzufallen?

  • Ich habe auch eine Hyperakkusis und sage das Leuten, damit ich meine Kopfhörer tragen kann. Die Diagnose erwähne ich nicht.

    Ich studiere noch und ich schaffe es nicht in lauten oder zu hellen Umgebungen zu arbeiten. Meine Uni kann ich größtenteils von zu Hause absolvieren, aber das Praktikum in Präsenz war schrecklich für mich. Desto mehr Homeoffice ich machen kann, desto besser. Ich gebe selbstständig online Nachhilfe an andere Kommilitonen und habe eine kleine „Nische“ gefunden, sodass ich nebenbei ein wenig was dazu verdienen kann.

    Ich bin im naturwissenschaftlichen Bereich tätig, deswegen brauche ich vergleichsweise zu anderen Berufen weniger soziale Kompetenzen.

    Was meinst du mit auffallen? Ich trage meistens NC AirPods, also „normale“ Kopfhörer. Damit fällt man weniger auf, als mit großen Schallschutzkopfhörern.

    Ich habe oft das Problem, dass ich Anweisungen nicht verstehe bzw. nicht verstehe was von mir erwartet wird. Mein Betreuer meinte mal ich solle mich in seinen armen Chef reinversetzen, weil man ja nichts verstehen würde, was ich sage.

    Dafür habe ich noch keine Lösung gefunden, aber da könnte man vielleicht erwähnen, dass man Probleme mit der Reizfilterung hat.

    Ich habe die Gespräche mit meinem Betreuer immer aufzeichnen und mehrmals anhören müssen, dann das Gesagte abgeschrieben und ChatGPT geschickt, damit ich wusste, was von mir erwartet wird, weil ich mich nicht getraut habe mehrmals nachzufragen.

    Im Endeffekt wäre es besser gewesen, wenn ich einfach gesagt hätte, dass ich klare Anweisungen brauche. Mir war das aber extrem peinlich und ich habe mich sehr dumm gefühlt. Damals wusste ich aber auch noch nichts von der Diagnose und konnte dementsprechend das Bedürfnis auch nicht äußern. Ich dachte ich sei einfach blöd und muss mich „einfach“ mehr anstrengen.

  • Was meinst du mit auffallen? Ich trage meistens NC AirPods, also „normale“ Kopfhörer. Damit fällt man weniger auf, als mit großen Schallschutzkopfhörern.

    Ja, also einmal mit den Ohrstöpseln und Kopfhörern und dann wegen dem (vielleicht) kommenden Sichtschutz an meinem Platz als einziger.

    Ich habe oft das Problem, dass ich Anweisungen nicht verstehe bzw. nicht verstehe was von mir erwartet wird. Mein Betreuer meinte mal ich solle mich in seinen armen Chef reinversetzen, weil man ja nichts verstehen würde, was ich sage.

    Ich habe den Luxus einen relativ großen Gestaltungsspielraum zu haben, was mir aber oft schwer fällt. Will ich mich dann mit meinem Chef über mein weiteres Vorgehen abstimmen habe ich oft das Gefühl, dass er erwartet, dass ich das ohne ihn können müsste. Aber wehe das gemeinsam abgestimmte ist nicht sehr konkret, da gab es dann schon oft Missverständnisse bzw. er hat das ganz anders verstanden als ich.

    Im Endeffekt wäre es besser gewesen, wenn ich einfach gesagt hätte, dass ich klare Anweisungen brauche. Mir war das aber extrem peinlich und ich habe mich sehr dumm gefühlt. Damals wusste ich aber auch noch nichts von der Diagnose und konnte dementsprechend das Bedürfnis auch nicht äußern. Ich dachte ich sei einfach blöd und muss mich „einfach“ mehr anstrengen.

    Das wäre für mich definitiv besser. Leider scheint mein Chef wohl zu erwarten, dass ich das ohne ihn lösen kann. Ehrlich gesagt ist es mir auch noch zu unangenehm eingestehen zu müssen, dass ich genau DAS bräuchte.

    Ich hab jeder Jahr Leistungsbeurteilung und denke, dass ich dann runtergestuft werde. So wühle ich mich mit Ach und Krach irgendwie durch momentan, leider aber schon etwas an der fehlenden Struktur.

  • Ohrstöpsel + Noise-Canceling Kopfhörer (Nervt aber auch nach mehreren Stunden, weil ich meinen eigenen Körper höre und dadurch überstimuliert bin)

    Der Trick besteht darin, sich angenehme Geräusche oder angenehme, beruhigende Musik einzuspielen, statt nur die Stille zu hören.

    Ich kommuniziere mittlerweile offen, dass ich mich nicht konzentrieren kann, wenn der eine Kollege mit 60-70dB lautstark telefoniert. Ergo kann ich in dieser Zeit auch nicht produktiv arbeiten. Kaum telefoniert dieser eine Kollege, gehe ich einen Tee/Kaffee trinken, räume den Geschirrspüler ein/aus usw. Der Arbeitgeber weiß also vom Problem und muss eine Lösung finden, damit nicht zu viel Zeit bezahlt, aber nicht genutzt wird.

    Solche schallschluckenden Sichtschutzwände sind auf jeden Fall empfehlenswert.

  • Gegen den Geräuschpegel nehme ich auch Noise-Cancelling-Kopfhörer, mit Musik. Das funktioniert für mich recht gut, auch dann, wenn Kollegen am Arbeitsplatz telefonieren.
    (bei mir in der Firma ist's verbreitet, Telefonate und Meetings mit Headset vom Arbeitsplatz im Großraumbüro aus zu führen, wodurch das Großraumbüro teils eher an ein Callcenter erinnert).

    Und immerhin kann ich bei meinem bisherigen Arbeitsplatz auch recht liberal kleine Pausen machen und z.B. nach dem Mittagessen eine kleine Runde spazieren gehen; das ist aber natürlich keine Selbstverständlichkeit.
    Ich habe das auch mal ganz offen angesprochen, und niemand hatte etwas dagegen, sofern eben die Arbeitsleistung stimmt: Meistens bin ich nach einem kleinen Spaziergang deutlich konzentrierter und produktiver; und wenn ich an einem komplexen technischen Problem arbeite, kommen mir auch gern mal beim Spazierengehen Ideen, wie man das Problem lösen könnte.
    Ich sehe das ein wenig als Nichtraucher-Ersatz für die Raucherpausen.

  • 65536 Ja, du hast Recht. Andere gehen rauchen. Ich würde aber gerne auch die Mittagspause verlängern. Hast du Vertrauensarbeitszeit oder musst du deine Zeiten stempeln? Notfalls stempel ich die Zeit halt ab in der ich eine Runde spazieren gehe.


    Der Arbeitgeber weiß also vom Problem und muss eine Lösung finden, damit nicht zu viel Zeit bezahlt, aber nicht genutzt wird.

    Solche schallschluckenden Sichtschutzwände sind auf jeden Fall empfehlenswert.

    Habe es meinen Chef auch schon gesagt, glaube aber er hat noch nicht wirklich verstanden wie störend es für mich ist. Er sitzt manchmal selbst in unserem Büro und scheint sich nicht daran zu stören. Ich werde es ihm nochmal klar machen.

    Danke für deine Einschätzung mit den Schallschutzwänden. Da werde ich auf jeden Fall nochmal nachhaken. Für mich halt auch wichtig um nicht das ganze "Treiben" im Büro ständig im Augenwinkel zu sehen. Irgendwie ist das ja auch Stimulation.

    Edited once, last by Julian: Ein Beitrag von Julian mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 25, 2026 at 7:13 PM).

  • ANC-Kopfhörer sind auch mein Favorit, seit wir in größeren Büros ohne festen Platz sitzen. Die Idee war, dass es den Austausch fördert. Stimmt auch für einige. Wer einen Anruf macht, soll in eine Telefonbox gehen. Aber für die Kollegen, die regelmäßig angerufen werden funktioniert das nicht, weil niemand den Anrufer in eine Warteschleife schickt, nur um eine Box aufzusuchen. Also baut man einige Büro so um, dass es Zweierbüros werden, wo man auch mal was diskutieren kann, ohne andere zu stören.

  • Das hört sich gut an mit den Zweierbüros. Bei uns gibt es den ganzen Tag Diskussionen was unglaublich nervt.

    Ich finde übrigens, dass ANC Kopfhörer bei lauten Gesprächen sehr wenig bringen. Wie auch wenn nur periodischen Signale „ausgelöscht“ werden können. Stimmen sind nun mal chaotische Signale.

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