Fand es spannend, diesen Artikel zu lesen: Neurodiversität und Autismus: Eine kritische Auseinandersetzung mit einem populären Konzept: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie: Vol 0, No 0
Also ich denke bei einigen Leser*innen wird das zu einem erhöhten Pulsschlag führen. Doch ich finde in dem Artikel werden wichtige Themen angesprochen. Z.B. ob es passend ist, wenn hochfunktionale Selbstvertreter*innen beanspruchen, Aussagen über alle Menschen im Autismusspektrum treffen zu können. Also auch über jene, die ggf. zusätzlich eine Intelligenzminderung haben. Und ob es da nicht besser wäre, anzuerkennen, dass möglicherweise deren Eltern oder andere Bezugspersonen besser beurteilen können, was diese Menschen brauchen und wollen. Ich finde den Artikel irgendwie mutig, denn bei den "weißen spätdiagnostizieren Erwachsenen", über die sie schreibt, macht die Autorin sich sicherlich nicht beliebt.
Auch "Concept Creep" zu diskutieren finde ich wichtig. Ich bin oft froh, dass ich nicht in der Autismus-Diagnostik tätig bin. Denn ich fände es immer schwieriger, zu beurteilen, bei wem eine Autismusdiagnose gestellt werden sollte und bei wem nicht. Daher passt für mich, dass mein Metier eher ist, mit Menschen zu schauen, was ihnen gut tut, was ihnen hilft und Kraft gibt - jenseits der Frage wie der "Symptomkomplex", den die Menschen mitbringen, nun zu benennen ist.
Gleichzeitig hoffe ich, dass der Artikel nicht Menschen verunsichert, die eh damit ringen, ob sie eine Autismusdiagnose zu recht erhalten haben. Manche Menschen können sich mit der Frage ja ganz schön aufreiben. Und oft habe ich den Eindruck, dass das die am intensivsten beschäftigt, die am kritischsten (sich selbst) hinterfragen und so gar nicht dem Personenkreis entsprechen, der in dem Artikel nicht so gut wegkommt.