Wenig Emotionen im direkten Kontakt – bei Filmen und Musik aber sehr emotional?

  • Ich würde gerne wissen, ob andere dieses Erleben kennen:

    Mir fällt auf, dass ich im direkten Kontakt mit Menschen oft emotional sehr neutral wirke und mich auch so fühle. Zum Beispiel war ich gestern mit einer guten Freundin SUP fahren. Wir hatten einen schönen Tag, haben uns gut verstanden und sie sagte am Ende, wie schön sie den Tag mit mir fand. Ich selbst habe in dem Moment eher Neutralität gespürt. Nicht, weil ich sie nicht mag oder keine Zeit mit ihr verbringen möchte – ich habe einfach keine starke Freude oder emotionale Reaktion wahrgenommen.

    Das Merkwürdige ist: Bei Filmen oder Musik kann ich sehr tief mitfühlen. Ich kann gerührt sein oder sogar weinen. Deshalb habe ich nicht das Gefühl, grundsätzlich keine Emotionen zu haben.

    Ich habe außerdem schon mehrfach die Rückmeldung bekommen, dass ich eher distanziert wirke und man mich irgendwie nie so richtig kennenlernt. Ich wurde von einer Arbeitskollegin auch schon "Pokerface" genannt. Das beschäftigt mich, weil ich Beziehungen wichtig finde und manchmal das Gefühl habe, dass andere emotional mehr geben als ich zurückgeben kann.

    Kennt das jemand von euch?

    • Erlebt ihr im direkten Kontakt mit Menschen manchmal eher Neutralität, obwohl ihr die Person mögt?
    • Merkt ihr Gefühle manchmal erst Stunden oder Tage später?
    • Falls ihr Autismus habt: Ist das etwas, das ihr von euch kennt, oder würdet ihr das eher unabhängig davon sehen?

    Das interessante ist, jetzt ein Tag später spüre ich doch eine Art Zufriedenheit und dass mir der gemeinsame Tag viel bedeutet hat. Als müsste ich das erst verarbeiten und bin währenddessen total überfordert von allem.

    Ich bin gespannt ob es jemand ähnlich geht wie mir!

    Edited once, last by Julian (July 14, 2026 at 7:52 PM).

  • "OT":
    Moin Julian , ich freue mich daß Du hier im Forum bist.

    Zu Deinen aktuellen Themeneröffnungen habe ich "einen zu großen Haufen" an Bejahungen; das muß sich bei mir zunächst setzen und sortieren.
    Doch ... ich möchte Dir gerne sagen, daß ich Deine Themen und Deine Art und Weise, klasse finde.

  • "OT":
    Moin Julian , ich freue mich daß Du hier im Forum bist.

    Zu Deinen aktuellen Themeneröffnungen habe ich "einen zu großen Haufen" an Bejahungen; das muß sich bei mir zunächst setzen und sortieren.
    Doch ... ich möchte Dir gerne sagen, daß ich Deine Themen und Deine Art und Weise, klasse finde.

    Moin columbarius,

    vielen Dank für deine liebe Rückmeldung! Und es ist überhaupt kein Problem wenn du Zeit brauchst zum sortieren. Antworte gerne dann, wenn es für dich passt.

  • Julian Ich kenne das auch was du beschreibst. Es kommt sich bei mir ganz auf die Situation an. Ist es eine reizarme Situation (ich mache etwas zu zweit mit einer Person, die ich gut kenne, zu Hause oder irgendwo ruhig in der Natur) dann sind meine Emotionen schon genau so vorhandne wie beim Film schauen.

    Geht man aber zusammen auf ein Konzert, ins Kino oder in eine sehr belebte Bar, dann sind meine Emotionen sehr abgeflacht. Generell und auch gegenüber der anderen Person oder Personen. Ich denke es passiert einfach zu viel, das Gehirn kann durch die Reizüberflutung die eigenen Emotionen nicht mehr richtig verarbeiten und es kommt zu dieser Emotionsarmut.

    Wenn man einen Film zu Hause schaut oder emotionale Musik hört gibt es ja kaum andere Reize, durch die man überflutet werden könnte.

    So habe ich mir das zumindest oft erklärt.

    “Those who can make you believe absurdities, can make you commit atrocities.” – Voltaire

  • Ouroboros Ich habe leider das Gefühl, dass das leider sehr häufig ist mit der Reizüberflutung und den abgeflachten Emotionen.

    Gestern zum Beispiel war es ja ruhig in der Umgebung, aber es war ...

    • sehr warm (unangenhem)
    • meine Badehose nass (sehr unangenehm)
    • Meine Zubettgehzeit verschoben (sehr unangenehm)

    Das reicht dann schon, dass ich überfordert bin.

  • Das interessante ist, jetzt ein Tag später spüre ich doch eine Art Zufriedenheit und dass mir der gemeinsame Tag viel bedeutet hat. Als müsste ich das erst verarbeiten und bin währenddessen total überfordert von allem.

    Im anderen Thread, wo du den Tag genauer geschildert hast, hatte ich den Eindruck, dass dir an diesem Tag ganz viele schreckliche Dinge passiert sind, vor allem die unsensible Bemerkung zu deinem Autismus.. Dein Fazit, "dass mir der gemeinsame Tag viel bedeutet hat", kann ich von daher nicht so ganz nachvollziehen.

    Mir fällt auf, dass ich im direkten Kontakt mit Menschen oft emotional sehr neutral wirke und mich auch so fühle.

    Ich glaube, das ist bei ganz vielen autistischen Menschen so. Auf mich selbst trifft es auf jeden Fall zu.

  • Im anderen Thread, wo du den Tag genauer geschildert hast, hatte ich den Eindruck, dass dir an diesem Tag ganz viele schreckliche Dinge passiert sind, vor allem die unsensible Bemerkung zu deinem Autismus.. Dein Fazit, "dass mir der gemeinsame Tag viel bedeutet hat", kann ich von daher nicht so ganz nachvollziehen.

    Oh, da habe ich vielleicht bisschen was durcheinander gebracht. Ja, diese viele kleinen störenden Dinge waren in diesem Moment nicht schön. Die unsensible Bemerkung war nicht an diesem Tag.

    Im Nachhinein, wenn ich dann zu Hause bin und alles verarbeitet habe, bin ich dann noch froh überhaupt so einen Kontakt zu haben und Zeit mit ihr verbracht zu haben. Es ist ja nicht so, dass sie sich irgendwie blöd verhalten hat, sondern dass mich dann einfach viele Umstände in den jeweiligen Momenten stören.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!