Ansprechen von Missständen

  • Hallo zusammen,

    mich interessiert, ob ihr Missstände thematisiert und was eure anschließenden Erfahrungen im sozialen Miteinander sind.

    Ich selbst thematisiere Missstände immer nur dann, wenn meine persönliche Grenze überschritten wird oder ich mich bloßgestellt fühle.

    Leider ist meine Erfahrung, dass das Ansprechen von Missständen oft negativ gesehen wird und ich bei meinen Vorgesetzten und Kollegen eher unbeliebt bin.

    Im vergangenen Jahr habe ich meinen Arbeitgeber verklagt (und auch gewonnen), weil er mir trotz Erinnerung zustehende Gehaltsbestandteile nicht ausgezahlt hat. Das ist der Geschäftsführung böse aufgestoßen. Nicht aber der Personalsachbearbeiter bekam Ärger sondern ich, weil das unkollegial gewesen sei.

    Nunmehr habe ich die Datenschutzbehörde eingeschaltet. Auf der Arbeit wird regelmäßig das Teamklima evaluiert. Die Mitarbeiter geben den Führungskräften Feedback und umgekehrt. Dabei geht es weniger um fachliches sondern mehr um soziales Feedback zur Verbesserung der Teamstrukturen. Am Ende einer jeweiligen Bewertung sind Vergleichslinien abgebildet um schauen zu können, wie man innerhalb des Teams, der Abteilung und der gesamten Einrichtung abgeschlossen hat.

    Mir wurden schulnotenmäßig Defizite in der Kommunikation und anderen Bereichen attestiert. Davon bin ich schon ausgegangen. Demütigend war jedoch, dass in meinem Team nur eine Kollegin und ich arbeiten und sie somit meine Beurteilung anhand der Vergleichslinie nachvollziehen konnte.

    Ich habe deswegen vor drei Wochen die Datenschutzbehörde eingeschaltet, die jetzt ermittelt. Davon hat die Geschäftsführung mitbekommen und ich muss jetzt nächste Woche zum Gespräch.

    Ich habe das aber nicht ohne Vorwarnung gemacht. Bereits im letzten Jahr habe ich die Kollegen, die diese Evaluation betreuen, angeschrieben und auf diesen Missstand hingewiesen. Und auch der Betriebsrat hätte dem gar nicht erst zustimmen dürfen für kleine Teams. Der betreffende Kollege schrieb nur, dass die Umstellung zu zeitintensiv sei, um sie für ein bis zwei kleine Teams im Unternehmen umzustellen. Da scheint man lieber gegen Gesetze zu verstoßen…

    Ich frage mich, warum ich wieder mal der Böse bin.

  • Das ist ganz normal in der Arbeitswelt.

    Ich habe bereits in einigen Unternehmen gearbeitet, eins ist mir ganz besonders negativ in Erinnerung geblieben und da gab es laufend Verstöße gegen alle möglichen Vorgaben und Gesetze. Hat nur niemandem interessiert, wenn man's angesprochen hat, war man der Buhmann (RW).

    Hat letzten Endes dazu geführt, dass auch dort Behörden angeklopft haben, allerdings gab's da keine Vorwarnung. Manche lernen es halt nicht anders.

  • Unterschiedlich. Ich war mal in einem großen Konzern, wo viel Wert darauf gelegt wurde, sich an Regeln zu halten. Dort wurden die Hinweise dankend angenommen. Da konnten so Dinge in Gang gebracht werden. Ich war aber auch in anderen Firmen, wo es eben nicht so war. Ich habe das dann für mich persönlich mit "Das Leben ist nunmal ungerecht, daran kann ich auch nichts ändern." abgehakt. Muss aber auch zugeben, dass das in einer Phase war, in der es enorm wichtig war, den Job zu behalten, bis ich einen neuen gefunden hatte.

  • Leider ist meine Erfahrung, dass das Ansprechen von Missständen oft negativ gesehen wird und ich bei meinen Vorgesetzten und Kollegen eher unbeliebt bin.

    So ist das.

    Nicht aber der Personalsachbearbeiter bekam Ärger sondern ich, weil das unkollegial gewesen sei.

    So ist das.
    Genauso wenn man einen Betrüger anzeigt. Dann macht man Ärger. Dann hat man zuerst die Polizei gegen sich, die ungern eine Anzeige aufnehmen müssen, ... und diese vielleicht auch ablehnen und sagen 'das geht uns nichts an, ist privatrechtlich'.
    Dann hat man die Staatsanwaltschaft gegen sich (ein übler Drecksladen) und zuletzt evtl. das Gericht das die Sache schnell vom Tisch haben will, falls es überhaupt soweit kommt.

    In deiner Angelegenheit ist es leider logisch dass es so läuft. Wenn es ganz dumm kommt, bist du der Erste der entlassen wird falls man den ganzen Laden verkleinert.

  • Im vergangenen Jahr habe ich meinen Arbeitgeber verklagt (und auch gewonnen), weil er mir trotz Erinnerung zustehende Gehaltsbestandteile nicht ausgezahlt hat. Das ist der Geschäftsführung böse aufgestoßen. Nicht aber der Personalsachbearbeiter bekam Ärger sondern ich, weil das unkollegial gewesen sei.

    Ich finde es toll, dass du das gemacht hast. Man darf sich von Arbeitgeber- oder Vorgesetztenseite nicht alles gefallen lassen. Und Kollegialität gillt nur unter Kolleginnen und Kollegen. Die Arbeitgeberseite (oder deren Vertreter) gehören nicht dazu. Mein Chef ist nicht mein Kollege, weil er i.d.R. jemand ist, der z. B. über mein Gehalt bestimmen kann. So jemanden respektiere ich in seiner Funktion, aber niemals als Kollegen. Ihm gegenüber bin ich korrekt, sicher, aber nicht fair. Fairness gilt nur unter echten Kolleginnen und Kollegen.

    Ich habe deswegen vor drei Wochen die Datenschutzbehörde eingeschaltet, die jetzt ermittelt. Davon hat die Geschäftsführung mitbekommen und ich muss jetzt nächste Woche zum Gespräch.

    Auch das finde ich super und natürlich auch absolut richtig. Aber: Kann man die Datenschutzbehörde nicht auch anonym informieren? Oder drauf bestehen, dass die Anzeige ohne Naqqmensnennung weiter verfolgt wird?

  • Anonymität dürfte in dem Szenario nicht wirklich realistisch sein. Es ist ja ziemlich wahrscheinlich, dass die Meldung von den Betroffenen ausgeht. Vielleicht bittet das Unternehmen ja alle Beteiligten zum "Gespräch". Als Whistleblower darf man zwar nicht deswegen belangt werden, aber den Zusammenhang muss man ja erstmal nachweisen, wenn man später aussortiert wird, oder einfach keine Gehaltsanpassung mehr erhält.

  • Aber: Kann man die Datenschutzbehörde nicht auch anonym informieren?

    Ja. Das kann man. Macht hier aber wenig Sinn, da ja nicht alle Kollegen betroffen sind. Bitte ich jetzt die Datenschutzbehörde anonym um Prüfung und forscht sie nach ist klar, dass das nur von meiner Kollegin oder mir kommen kann.

  • Ich frage mich, warum ich wieder mal der Böse bin.

    Du bist nicht der Böse.

    Du hast Missstände angesprochen. Wäre es nur ein Fehler gewesen, hätten Deine Vorgesetzten dies erkannt, sich entschuldigt und das Fehlverhalten eingestellt. Haben sie nicht. Also tun sie es bewusst.

    Es kann viele Gründe haben.

    Was den Lohn oder die Lohnanteile angeht- vielleicht bekommen viele Kollegen nicht alle Lohnanteile ausgezahlt und bemerken es nicht mal. Oder nur Du nicht. Viele trauen sich nicht vor Gericht. da sie befürchten, den sonst soweit guten Job zu verlieren.

    Die offene Kritik aneinander ist auch übel. Hier kann es sein, dass das Bewerten untereinander dazu führen soll, dass die Kollegen untereinander nicht freundschaftlicher verbunden sind. Somit gibt es eher kein Wir gegen die Firma, sollte mehr passieren, da alle untereinander sauer sind, wenn sie voreinander bloßgestellt werden. Du wehrst Dich dagegen. Die, die gerne andere abwerten und es vielleicht bald nicht mehr dürfen sind sauer. Andere, weil Du mutig bist und Dich wehrst und Dein Arbeitgeber, weil er von Außen Ärger bekommt.

    Du bist verdammt mutig.

    Aber wenn Du im Recht bist, der Arbeitgeber Druckmittel und Machtinstrumente verliert, er Strafe zahlen muss oder was auch immer, Du deren Position verschiebst, sehen sie in Dir das Problem. Nicht in sich.

  • Ich habe das aber nicht ohne Vorwarnung gemacht. Bereits im letzten Jahr habe ich die Kollegen, die diese Evaluation betreuen, angeschrieben und auf diesen Missstand hingewiesen. Und auch der Betriebsrat hätte dem gar nicht erst zustimmen dürfen für kleine Teams. Der betreffende Kollege schrieb nur, dass die Umstellung zu zeitintensiv sei, um sie für ein bis zwei kleine Teams im Unternehmen umzustellen. Da scheint man lieber gegen Gesetze zu verstoßen…

    Ich wollte eigentlich längere Zeit "nur" still mitlesen, aber dein Erfahrungsbericht geht mir an die Nieren (so sagt man doch?).

    So, wie du es beschreibst, hast du offenbar alles richtig gemacht. Aber das wird nicht wertgeschätzt, denn du machst ja auf Unregelmäßigkeiten und Fehlentscheidungen aufmerksam. Scheint nicht gut aufgenommen zu werden. Das entspricht der historischen Gepflogenheit, den Überbringer schlechter Nachrichten zu köpfen (😮!). In deinem Fall wirst du übergangen bzw. für eigentlich korrektes Vorgehen zur Rechenschaft gezogen.

    Nun bist du aber bereits auf diesem Weg unterwegs, weshalb ich dir nur raten kann, weiter zu machen, aber möglichst mit Unterstützung. Wie die bei dir aussehen kann, weiß ich leider nicht. Der Betriebsrat scheint sich da nicht gerade anzubieten.

    Vielleicht hat noch jemand anderes hier eine Idee. Ich jedenfalls wünsche dir Erfolg.

  • Wäre es nur ein Fehler gewesen, hätten Deine Vorgesetzten dies erkannt, sich entschuldigt und das Fehlverhalten eingestellt. Haben sie nicht. Also tun sie es bewusst.

    Die meisten Menschen sind ja Idioten, selbstsüchtig, hintertrieben. - Überall stößt man auf solche Gestalten. Und im Job ist so etwas natürlich problematisch und man muss immer damit rechnen dass es noch schlimmer kommt.

  • mich interessiert, ob ihr Missstände thematisiert und was eure anschließenden Erfahrungen im sozialen Miteinander sind.

    Ja hab ich. Allerdings hat das dazu geführt, dass ich die Stelle gewechselt habe weil ich im nachhinein die Böse war.

    Ich drücke dir die Daumen (RW), dass du dabei erfolgreich bist.

  • Ich würde den Begriff "mutig" vor allem dann verwenden, wenn man Missstände thematisiert, von deren Behebung man nicht selber profitiert. Und insbesondere wenn die Betroffenen sich nicht selber zu Wort melden können.

    Es kann auch mutig sein, Missstände zu thematisieren von deren Änderungen man selber profitiert, doch da schwingt dann eine Form von Egoismus mit, die ich nicht ganz so selbstlos finde, wie wenn man sich stark macht für Schwache, ohne einen persönlichen Benefit davon zu haben. Egoismus ist ja auch okay, nur manche Leute halten sich für Robin Hood oder Ghandi und eigentlich dient ihr Einsatz nur oder zumindest vorrangig ihnen selbst.

    Daneben ist eine weitere Frage, ob es immer klug ist auf Missstände aufmerksam zu machen. Eben weil man sich nicht nur beliebt macht. Und weiter weil man ggf anderen Menschen schadet, die gerade nicht anders handeln können oder ähnliches.

    Ich neige auch zum mich Beschweren und mitunter auch dazu, das zu verklären als heroische Tat. Doch ich fürchte so tat ich anderen öfters schon Unrecht. Und kann meinerseits dankbar sein, dass manche Menschen großmütiger sind als ich.

  • Es kann auch mutig sein, Missstände zu thematisieren von deren Änderungen man selber profitiert, doch da schwingt dann eine Form von Egoismus mit, die ich nicht ganz so selbstlos finde, wie wenn man sich stark macht für Schwache, ohne einen persönlichen Benefit davon zu haben.

    Wenn man selbst die eigentlich schwache Person ist und man steht für seine eigenen Bedürfnisse ein, dann ist das Sebstfürsorge. Als Egoismus würde ich es sehen, wenn man sich bloße Vorteile erstreitet. Als Beispiel... meine Nachbarin raucht draußen auf der Terrasse. Ihre Wohnung bleibt damit rauchfrei, aber von jeder ihrer Zigaretten zieht der Rauch in meine Wohnung. Würdest du es jetzt als Egoismus ansehen, wenn ich sie darauf aufmerksam mache, weil es nur mich betrifft?

    Für das Gras ist das Zebra das Monster nicht der Löwe.
    (frei nach einem afrikanischem Sprichwort)

  • Egoismus heißt übersetzt "Eigennützigkeit". Und ja, es ist eigennützig, wenn du deiner Nachbarin sagst, dass der Rauch zu dir zieht. Und es ist selbstfürsorglich. Das schließt sich nicht aus. Oft wird Egoismus negativ verstanden oder gilt als ablehnenswert. Aber das entspricht eigentlich nicht der Bedeutung von Egoismus, vgl. zum Beispiel https://de.wikipedia.org/wiki/Egoismus

    Es ist wie schon geschrieben okay und oftmals notwendig egoistisch zu sein. Und ich finde das gilt es anzuerkennen und auch zu benennen.


    (Als ich den Beitrag oben schrieb hatte ich einen Thread aus dem "alten" Forum im Hinterkopf, in dem sich jemand feierte, weil die eigene gerichtliche Klage für einen höheren Grad der Behinderung ja auch stellvertretend sei für alle möglichen anderen Leute. Eine solche Überhöhung eines Handelns, das schlussendlich nur dem eigenen Benefit dient, finde ich dann nicht nur egoistisch, sondern auch darüber hinaus "irritierend". Deshalb auch der Passus zu Leuten, die sich mit Robin Hood verwechseln. Schließlich endete das "Engagement" im Fall dieser Person auch als das persönliche Ziel erreicht war. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur neidisch, wie gut manche Leute sich selbst belügen können.)

    Edited 3 times, last by Sternenseglerin: Ein Beitrag von Sternenseglerin mit diesem Beitrag zusammengefügt. (August 7, 2026 at 7:52 PM).

  • Grundsätzlich denke ich, dass Menschen unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen haben. Manchen ist es in Konflikten wichtiger, die Beziehungsebene hochzuhalten. Anderen die Sachebene oder die Ebene des Selbstwertes. Und je nachdem welche Ebene man in den Vordergrund stellt kann es Abstriche bzw Konsequenzen in den anderen Bereichen geben.

  • Weiterer Gedanke zum Thema "mutig und klug": Ich würde das noch erweitern um massvoll. Also vor Jahren gab mal das Versorgungsamt Daten von mir an eine andere Behörde weiter. Ich überlegte mir damals auch Stress zu machen bei der Datenschutzbehörde. Und bin inzwischen froh, dass ich mich nur an die interne Datenschutzstelle des Versorgungsamtes gewandt habe. Datenschutzverletzungen können richtig böse Konsequenzen für Stellen haben. Und ich denke da gilt es auch abzuwägen, ob man tatsächlich will, dass z.B. die Kränkung, dass öffentlich wird, dass Kommunizieren nicht zu den persönlichen Stärken zählt (vgl Eingangsbeispiel), was vermutlich eh viele wissen, dazu führt, dass das eigene Unternehmen ggf hohe Strafen zahlen muss oder das personelle Konsequenzen hat.

    Also ich will sagen, dass bei Missständen ansprechen wirklich viele Themen reinspielen und sobald man versucht andere Perspektiven mitzubedenken manche Reaktionen anderer nicht verwunderlich und das eigene Verhalten vielleicht nicht nur mutig oder sinnvoll oder was auch immer ist.

    Edited once, last by Sternenseglerin (August 7, 2026 at 10:45 PM).

  • Weiterer Gedanke zum Thema "mutig und klug": Ich würde das noch erweitern um massvoll. Also vor Jahren gab mal das Versorgungsamt Daten von mir an eine andere Behörde weiter. …

    Ähnliches habe ich auch mal erlebt. Nachdem ich mich arbeitslos gemeldet habe, bekam ich einen dicken großen Umschlag vom Arbeitsamt. Statt dass man mir meine Formulare und so schickte, erhielt ich alle Daten und ausgefüllten Formulare einer fremden Frau - inklusive medizinischer Unterlagen. Das hat mich so sehr überrascht, dass ich beim Amt angerufen habe um zu fragen was ich nun damit machen sollte. Die Dame meinte erst noch unfreundlich, dass ich alles zurückgeben müsse - auf meine Kosten. Das lehnte ich ab mit Verweis auf den Datenschutz und dass sowas nicht passieren dürfe und ich das eigentlich melden müsste. Da wurde sie plötzlich doch sehr freundlich und meinte ich möge die Unterlagen doch bitte entsorgen. Hätte ich nicht bis zum Hals in Depressionen/Burnout gesteckt, hätte ich das zumindest deren Vorgesetzten gemeldet.

  • Ähnliches habe ich auch mal erlebt. Nachdem ich mich arbeitslos gemeldet habe, bekam ich einen dicken großen Umschlag vom Arbeitsamt. Statt dass man mir meine Formulare und so schickte, erhielt ich alle Daten und ausgefüllten Formulare einer fremden Frau - inklusive medizinischer Unterlagen. Das hat mich so sehr überrascht, dass ich beim Amt angerufen habe um zu fragen was ich nun damit machen sollte. Die Dame meinte erst noch unfreundlich, dass ich alles zurückgeben müsse - auf meine Kosten. Das lehnte ich ab mit Verweis auf den Datenschutz und dass sowas nicht passieren dürfe und ich das eigentlich melden müsste. Da wurde sie plötzlich doch sehr freundlich und meinte ich möge die Unterlagen doch bitte entsorgen. Hätte ich nicht bis zum Hals in Depressionen/Burnout gesteckt, hätte ich das zumindest deren Vorgesetzten gemeldet.

    Das hätte ich nicht dem Vorgesetzten gemeldet, sondern an die nächste Zeitung weitergegeben. Auf Behörden wird so viel geschlampt und die Dame vom Amt ist wahrscheinlich bis heute froh, dass du bei dieser äußerst unnötige Datenpanne zur Vertuschung deinen Teil beigetragen hast. Zumal ich mich frage - waren das Originalunterlagen? Wenn ja, durfte die eigentliche Person wieder hinter ihrem Kram herlaufen und hatte deswegen Scherereien, denn wir du anfangs erwähnt hast - das Amt macht doch keine Fehler!

    Edited once, last by Pete: Rechtschreibung korrigiert (August 8, 2026 at 2:26 PM).

  • Wenn man selbst die eigentlich schwache Person ist und man steht für seine eigenen Bedürfnisse ein, dann ist das Sebstfürsorge.

    Anderen die Sachebene oder die Ebene des Selbstwertes.

    Das war für mich der wesentliche Grund. Die Selbstfürsorge. Da ansonsten niemand Rücksicht auf meine Bedürfnisse nimmt, muss ich selbst dafür kämpfen.

    Und bin inzwischen froh, dass ich mich nur an die interne Datenschutzstelle des Versorgungsamtes gewandt habe. Datenschutzverletzungen können richtig böse Konsequenzen für Stellen haben. Und ich denke da gilt es auch abzuwägen, ob man tatsächlich will, dass z.B. die Kränkung, dass öffentlich wird, dass Kommunizieren nicht zu den persönlichen Stärken zählt (vgl Eingangsbeispiel), was vermutlich eh viele wissen, dazu führt, dass das eigene Unternehmen ggf hohe Strafen zahlen muss oder das personelle Konsequenzen hat.

    Das habe ich ja auch extra vorher gemacht. Leider hatte sich ja mit Verweis auf den Mehraufwand nichts geändert. Die haben also wissentlich gegen den Schutz meiner Daten verstoßen.

    Bei menschlichen Fehlern, wie falsch sortierten Briefen, würde ich mich nicht förmlich beschweren. Hier wurde aber bewusst (aus Kosten oder Zeitgründen) gegen Datenschutz verstoßen. Da ist es mir egal, wenn das Unternehmen Strafen bekommt oder die Kollegen ein Bußgeld erhalten.

  • Egoismus heißt übersetzt "Eigennützigkeit". Und ja, es ist eigennützig, wenn du deiner Nachbarin sagst, dass der Rauch zu dir zieht. Und es ist selbstfürsorglich. Das schließt sich nicht aus. Oft wird Egoismus negativ verstanden oder gilt als ablehnenswert. Aber das entspricht eigentlich nicht der Bedeutung von Egoismus, vgl. zum Beispiel https://de.wikipedia.org/wiki/Egoismus

    Es ist wie schon geschrieben okay und oftmals notwendig egoistisch zu sein. Und ich finde das gilt es anzuerkennen und auch zu benennen.

    Um zu überleben müssen wir immer wieder egoistisch sein und man kann natürlich auf die wörtliche Übersetzung verweisen, aber im alltäglichen Sprachgebrauch ist, seit ich denken kann, das Wort Egoismus negativ besetzt. Du zitierst selbst Wikipedia, wo unter anderem steht:

    „Egoismus“ wird meistens abwertend als Synonym für rücksichtsloses Verhalten verwendet und als „unanständig“ beurteilt. Der Begriff beschreibt dann die Haltung, ausschließlich äußerliche persönliche Interessen zu verfolgen ohne Rücksichtnahme auf die Belange oder sogar zulasten anderer."

    Wenn du jemanden als Egoist bezeichnest, ist das mehr oder weniger eine schwere Beleidigung. Da nützt es auch nichts, wenn du hinterher sagst, aber denk dochmal an die wörtliche Übersetzung. Man kann gesagte Worte und was sie transportieren schwer wieder zurück nehmen.

    Ich würde beim Ansprechen von Missständen, immer individuell gucken, wem welche Vor- und Nachteile enststehen und daher nur in Ausnahmefällen und vorsichtig von Egoismus sprechen. Ich bevorzuge daher das Wort Selbstfürsorge, wenn es in der Regel um Sachverhalte geht, wo man übervorteilt wird oder rücksichtsloses Verhalten anderer benannt wird. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.

    In deinem Beispiel siehst du den Egoismus auch negativ, aber eigentlich ist das eher ein Verhalten wie "sich mit fremden Federn schmücken", wenn man sich selbst als Aktivist für eine bestimmte Gruppe feiert, aber das Engagement nur für den eigenen Vorteil reicht.

    Für das Gras ist das Zebra das Monster nicht der Löwe.
    (frei nach einem afrikanischem Sprichwort)

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