Kennt ihr dieses immerwährende Gefühl, dass irgendetwas nicht passt oder unangenehm ist wenn ihr nicht in eurem Safespace seid?

  • Kleines Beispiel:

    Ich bin gestern zu einer guten Freundin gefahren (circa 1 Stunde Fahrt) um mit ihr gemeinsam Stand-Up-Paddeln zu gehen. Danach gemeinsames Essen bei ihr und noch etwas chillen bevor ich wieder nach Hause fahre.

    Das unangenehme Gefühl geht schon damit los, dass ich ziemlich späte nach Hause kommen werde und später als sonst ins Bett gehe. Dann ist es dort so unerträglich warm, was wie eine konstante Stimulation auf meinen Körper anfühlt. Auf dem SUP geht mir das Trinken aus, ich würde gerne was zuckerhaltiges für den Blutzucker trinken aber halte noch etwas aus weil es sich ja sonst gar nicht gelohnt hat.

    Meine Badehose ist nass, das fühlt sich unangenhem an. Das Befestigungsband für den Fuß ist ins Wasser gefallen und nass, was ich überhaupt nicht leiden kann. Wir gehen einkaufen und ich kenne den Supermarkt nicht und bin überfordert. Ich habe kurzzeitig kein Gesprächsthema, mein Kopf ist leer und ich bin schon wieder erschöpft vom Tag. Der Gedanke an für mich unbekanntes Essen lässt mich schon verkrampfen ... Können wir getrennte Pfannen für unser Essen nehmen?

    Ich kann mich gefühlt nie einfach mal fallen lassen und genießen und über Dinge hinwegsehen. Nur wenn ich zu Hause bin und ich optimal genährt bin, frisch gewaschen bin, die Temperatur optimal ist und ich einen perfekten Schlafrythmus habe.

    Und dann muss ich mich anhören, dass mein Autismus ja nicht so stark ist und andere ganz andere Probleme hätten. Ja, das mag sein, aber diese vielen kleinen Struggles über den Tag sieht niemand von außen. Ich schlucke das alles runter und versuche damit klar zu kommen. Ich fühle mich manchmal einfach nicht wirklich gesehen mit meinen Problemen.

    Ist diese Thematik hier überhaupt "Autismus-typisch" oder habe ich da ganz andere Probleme? Kennt das jemand von euch?

  • Ich kann mich gefühlt nie einfach mal fallen lassen und genießen und über Dinge hinwegsehen.


    Ist diese Thematik hier überhaupt "Autismus-typisch" oder habe ich da ganz andere Probleme? Kennt das jemand von euch?

    Mir kommts bekannt vor.

    Dieses mich nicht einfach mal fallen lassen in Kontakt zu anderen Menschen ist bei mir ein zentraler Aspekt.

    Mir wurde im Rahmen eines Antrags auf einen GdB geraten diesen Aspekt meines Lebens bei der Begründung mit zu erwähnen, da es eine relevante Einschränkung der Lebensqualität durch Autismus sei.

    Dies sicher keine Garantie, daß wirklich der Autismus dahinter steckt.

    Ich bin zumimndest recht erstaunt, was für Hilfen mir aus gesellschaftlicher Perspektive aufgrund meiner Einschränkungen zustehen seit ich (aus Not heraus) anfing mir Hilfe zu holen anstatt wetier selber klarkommen zu wollen, koste es was es wolle.

  • Mir wurde im Rahmen eines Antrags auf einen GdB geraten diesen Aspekt meines Lebens bei der Begründung mit zu erwähnen, da es eine relevante Einschränkung der Lebensqualität durch Autismus sei.

    Das heißt, es wird ein Zusammenhang zum Autismus bei dir hergestellt und nicht unabhängig voneinander betrachtet?

    Ich bin zumimndest recht erstaunt, was für Hilfen mir aus gesellschaftlicher Perspektive aufgrund meiner Einschränkungen zustehen seit ich (aus Not heraus) anfing mir Hilfe zu holen anstatt wetier selber klarkommen zu wollen, koste es was es wolle.

    Davon kann ich ein Lied singen. Ich versuche mein ganzes Leben schon selbst klarzukommen und zu kämpfen ohne Hilfe anzunehmen.

  • Ich kann mich gefühlt nie einfach mal fallen lassen und genießen und über Dinge hinwegsehen.

    So etwas ist mir mehrfach im Leben passiert. Ich glaube aber, mittlerweile habe ich ein bisschen was daraus gelernt: Ich mache vorher eine Art Vertrag mit mir selbst, was ich wegen der Freundschaft aushalten will und was nicht. Dass beim Paddeln die Badehose nass wird, muss man aushalten (oder halt statt paddeln zusammen joggen gehen). Dass ich Dinge essen muss, die mir nicht guttun, muss ich nicht hinnehmen. Und wenn ich mich nach einiger Zeit müde/erschöpft fühle, dann thematisiere ich das. Dabei muss ich gar nicht auf meinen Autismus zurückgreifen - ein Freund oder eine Freundin müsste eigentlich verstehen, wenn ich einfach sage: "Du, ich bin unheimlich kaputt, ich geh jetzt nach Hause."

    Und eine "gute Freundin", die zu mir sagt, mein Autismus sei doch gar nicht "so stark" und dass "andere ganz andere Probleme hätten" (was ja eigentlich nur heißt: "Mensch, stell dich nicht so an, reiß dich mal zusammen!"), bei so einer "guten Freundin" würde ich schon überlegen, inwieweit ich den Kontakt nicht so weit einschränke, dass ich nicht mehr so leide, wie du es beschrieben hast. Das ist legitimer Selbstschutz.

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