Hilfe bei meiner Masterarbeit: Studieren mit ADHS und/oder Autismus

  • Hallo liebe Menschis,
    ich schreibe aktuell meine Masterarbeit zum Thema „Studieren mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus und komorbider Diagnose: Psychisches Wohlbefinden, studienbezogene Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe im Hochschulkontext“

    Ziel der Studie ist es, die Erfahrungen von Studierenden mit ADHS, Autismus oder einer komorbiden Diagnose im Hochschulalltag besser zu verstehen und Erkenntnisse über bestehende Herausforderungen sowie Unterstützungsbedarfe zu gewinnen.

    Gesucht werden aktuelle oder ehemalige Studierende mit ADHS, Autismus oder einer komorbiden Diagnose (diagnostiziert oder vermutet). Die Teilnahme erfolgt anonym, dauert etwa 15 bis 20 Minuten und dient ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken.

    Zur Umfrage:

    https://uke.eu.qualtrics.com/jfe/form/SV_77N57mlM3ZRD7hA

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich unterstützen könnten und an der Umfrage teilzunehmt :)

    Bei Rückfragen stehe ich natürlich zur Verfügung. (artes1@uni-potsdam.de)

    Ich wünsche noch einen wundervollen Tag!

    Sasha :)

  • Hallo Sasha,


    das trifft auf mich zu. Nicht wundern, ich habe das Forum heute erst entdeckt, mich heute morgen angemeldet und wurde vorhin freigeschaltet. Zufällig finde ich dieses Thema, was Teil meiner Lebensgeschichte ist.

    Die Asperger Diagnose habe ich seit Herbst.

    Das Studium habe ich vor 3 Jahren mit sehr sehr vielen Hürden abgeschlossen. Die Probleme habe ich seit meiner Kindheit und sie führten dazu, dass mein erster Bildungsweg ein Desaster war. Die Folgen belasten mich ein Leben lang. Aus Unkenntnis hatte ich beim zweiten Versuch sehr viele Hürden, die nicht hätten sein müssen, hätte ich früher Unterstützung gehabt, die ich seit meiner Kindheit bedarf, aber bis auf wenige Ausnahmen und erst kurz vor Abschluss erhielt.

    ADHS ist bei mir auch nicht ganz ausgeschlossen, da ich mehrere Fälle in der Familie habe. Der Test war negativ, aber nicht eindeutig, da Unterlagen und Beobachtungen aus der Kindheit nicht vorlagen.

    Edited once, last by Mr.Grammar (July 9, 2026 at 6:14 PM).

  • sasha19 Ich habe an der Umfrage teilgenommen und habe folgende Anmerkungen:

    Gesucht werden aktuelle oder ehemalige Studierende mit ADHS, Autismus oder einer komorbiden Diagnose (diagnostiziert oder vermutet).

    Gleich bei der ersten Frage wird nach der "Diagnose" gefragt. Wenn man da "keine" ankreuzt, weil man nur einen Eigenverdacht hat, ist man raus.

    Wenn man seinen Eigenverdacht als "Diagnose" betrachtet (obwohl man keine ärztliche, also "echte" Diagnose hat) und die jeweilige ankreuzt, kommt man zur nächsten Frage, bei der man dann "Selbstdiagnose", "Verdachtsdiagnose" etc. ankreuzen kann.

    Da Aspies ja Fragen gerne exakt verstehen und beantworten, scheiden manche Verdachtsfälle vermutlich gleich bei der ersten Frage aus?

    Ähnlich gibt es später Fragen zum "aktuellen Studium". Wenn man das Studium bereits hinter sich hat, weiß man nicht, was man ankreuzen soll. Erst in den weiteren Fragen kann man dann wählen, dass das Studium schon abgeschlossen ist.

  • Ich hab aufgegeben, weil viele Fragen sich nur um ein aktuelles Studium drehen. Meins ist aber schon ein paar Jahrzehnte her und da fehlt eine entsprechende Antwortmöglichkeit ala "nicht zutreffend"

  • Ich hab die Umfrage noch nicht gemacht, weil ich grad wenig Zeit hab (Prüfungslernen), aber falls auch qualitative und nicht quantitave Anmerkungen von Interesse sind:

    Für mich ist im Studium selbst schwer, mehrere größere Projekte zeitgleich erledigen zu müssen, besonders unter Zeitdruck. Das bezieht sich insbesondere auf Prüfungszeiten in der vorlesungsfreien Zeit, während derer mehrere Abgaben zum selben Termin fertiggestellt werden müssen. Theoretisch muss man parallel arbeiten, weil zumindest bei mir allem eine gewisse Phase des Hineinfindes und Hineinlesens vorausgeht und der Text nur langsam wächst. Jede Arbeit für sich braucht also eine gewisse zeitliche Ersteckung, die sich nicht komprimieren lässt, weil ich je auch drüber schlafen muss (RW). In manchen Unis hat man dann für 2 Abgaben von je 10-20 Seiten nur einen guten Monat oder im Sommer knapp 2 Monate Zeit, in denen ich dann parallel arbeiten muss.

    Das ist wirklich extrem unangenehm und blockiert mich sehr. Stress pur.

  • Für mich ist im Studium selbst schwer, mehrere größere Projekte zeitgleich erledigen zu müssen, besonders unter Zeitdruck. Das bezieht sich insbesondere auf Prüfungszeiten in der vorlesungsfreien Zeit, während derer mehrere Abgaben zum selben Termin fertiggestellt werden müssen.

    Damit habe ich auch riesige Schwierigkeiten.

  • Was mir im Studium am meisten schwerfällt, ist gar nicht der akademische Teil, sondern das Soziale. Ich konnte lange kaum Kontakte knüpfen und hatte keine Freunde. Zum einen war ich durch die Reizüberflutung stark eingeschränkt, zum anderen fällt es mir generell schwer, mit anderen in Kontakt zu kommen. Dadurch musste ich mir fast alles selbst beibringen, ohne Hilfe. Das war gerade in einem sehr mathematiklastigen Studium nicht einfach.

    Erst seit Kurzem habe ich eine Freundin an der Uni, mit der ich das Studium inzwischen gemeinsam „durchstehe“. Außerdem kann ich erst seit etwa einem halben Jahr wieder einigermaßen regelmäßig in die Uni gehen. Ich habe sogar ein Auslandssemester gemacht – mit ADHS-Medikation. Vorher wäre das allein aufgrund der Reizüberflutung für mich überhaupt nicht möglich gewesen.

    Mittlerweile schaffe ich es im Durchschnitt etwa fünf Stunden pro Woche in die Uni zu gehen. Anschluss habe ich dort aber trotzdem nicht wirklich gefunden. Mein Partner hat mich dorthin begleitet, was eine riesige Entlastung war. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft. Immerhin ist die Reizüberflutung aber besser geworden! An meiner Uni im Ausland gab es viele Möglichkeiten, seinen Spezialinteressen nachzugehen. Es gab zum Beispiel Musikräume, die man buchen konnte. Dort saß ich täglich morgens mehrere Stunden allein und konnte Klavier spielen. Für die richtigen Nerds gab es sogar einen Insektenclub. Es gab auch Ruheräume und die Bibliothek hatte gedimmtes Licht etc.

    Diese Möglichkeit, mich zurückzuziehen, hat mir sehr gutgetan. So etwas gibt es an meiner jetzigen Uni leider nicht.

    Zum Glück werden an meiner Heimatuni die Vorlesungen aufgezeichnet, sodass ich den größten Teil meines Studiums von zu Hause aus absolvieren konnte. Pflichtveranstaltungen hatte ich nur wenige, hauptsächlich einige Praktika.

    Einen Nachteilsausgleich habe ich bisher nicht beantragt, weil ich keine Probleme mit Prüfungssituationen habe. Durch die guten E-Learning-Angebote meiner Uni konnte ich ohnehin den größten Teil des Studiums von zu Hause aus machen. Mit einer ASS- und ADS-Diagnose hätte ich an meiner Uni allerdings Anspruch auf einen separaten Prüfungsraum, was deutlich reizärmer wäre. Das würde ich für die Zukunft in Erwägung ziehen. Außerdem könnte ein Nachteilsausgleich hilfreich sein, damit ich bei einem Hiwi-Job nicht benachteiligt werde. Wegen der Reizüberflutung habe ich mir nämlich bisher nicht zugetraut, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni zu arbeiten.

    Aktuell gebe ich stattdessen selbstständig Online-Nachhilfe für andere Kommilitonen.

    Edited 2 times, last by SecretDream (July 10, 2026 at 12:28 PM).

  • Für mich war das nachträglich (!) verpflichtende Auslandssemester eine traumatische Erfahrung, da ich vom Umgebungswechsel, der anderen Sprache, der anderen Lebensart und von der anderen Art der Veranstaltungen völlig überfordert war.

    Statt 90 Minütiger Seminare 1x die Woche gab es die Veranstaltungen 2x die Woche, die statt je 90 Minuten gleich 2 Stunden gingen und in der Regel daraus bestanden, dass jemand 2 Stunden pausenlos in einer Fremdsprache redet und alle Studierenden die ganze Zeit mitschreiben. Das war keine Vorlesung, das war ein Diktierbüro!! Damit wäre ich selbst im Deutschen nach der halben Zeit schon überfordert und erschöpft gewesen. Korrektur: Nicht "wäre", sondern "war". Ich hatte früher schon die Erfahrungen gemacht, dass mich 90 Minütige Vorlesungen erschöpfen, weshalb ich oft vorzeitig ging. Seit der Asperger Diagnose und dem Bewusstsein der Probleme meines anderen Handicaps (nämlich einseitige Taubheit), ist mir der Zusammenhang erst bewusst geworden.

    Hinzu kamen die sozialen Kontakte, die dazu beitragen sollten, dass man die Sprache im Alltag lernt. Da wurde ich mir meiner sozialen Handicaps bewusst und wurde schwerst depressiv. Am Ende habe ich die Zeit abgesessen, die Uni nach einigen Wochen nicht mehr besucht und im WG-Zimmer verbracht, was auch schon überfordernd war, da ich es nicht haben kann, wenn andere um mich herum sind. Ich bin nicht WG-tauglich.

    Die Studienleistungen, zu denen ich mich verpflichtet hatte, konnte ich da natürlich auch nicht erbringen.

    Zusammengenommen war das eine sehr unangenehme Erfahrung, die auch unnötig viel Geld und Zeit gekostet hat. Ich finde es äußerst unsozial, wie vorausgesetzt werden kann, dass man mal "eben" ein halbes Jahr im Ausland verbringen kann und das Geld dafür hat. Und man eben "einfach mal" sehen muss, wie man das mit seiner heimischen Wohnung regeln kann. Das Argument "das muss man doch vorher wissen und planen" lasse ich nicht gelten, da das Auslandssemester zu Beginn des Studiums eben NICHT verpflichtend war. Und ich auch vom Thema Asperger und Autismus noch nie etwas gehört hatte, ebenfalls nicht von Nachteilsausgleichen, weil das Thema in meiner Schulzeit nicht existierte (die ich im Nachhinein aber hätte haben müssen und viele Probleme erspart hätten) und auch im Studium nie angesprochen wurde (obwohl es doch im Studienplan drin stand).

    Aus der Pflicht hätte die Uni eine Option mit einer Wahlalternative machen sollen, die Rücksicht auf Studierende nimmt, für die ein Auslandsaufenthalt psychisch sehr belastend ist.

    Edited 2 times, last by Mr.Grammar (July 10, 2026 at 12:10 PM).

  • Ich mache die Umfrage nicht, weil mein Studium auch schon zig Jahre her ist. Ich hätte sicher die gleichen Probleme wie Garfield .

    Bei mir war auch nicht der akademische Teil das Problem, sondern eben das Soziale. Sehr lange nicht dazu zu gehören, obwohl ich dahin gezogen bin, im Studentenwohnheim gewohnt habe. Andere, die jeden Tag nach Hause gefahren sind nach den Vorlesungen, haben auch nicht dazu gehört. Von daher war das vielleicht nichts besonderes.

    Probleme taten sich eher auf durch den Umzug. Eben völlig alleine da zu stehen plötzlich. Fremdes Umfeld, fremde Menschen, und das schlimmste war, einkaufen gehen zu müssen. Ich habe quasi montags etwas gekauft, immer das gleiche, es ging eben nicht anders, und dann sehr lange gebraucht, um wieder runter zu kommen von dem Trip. Das eine Brot musste dann auch die ganze Woche reichen, nochmal in der gleichen Woche einkaufen gehen hätte ich mir nicht antun können.

    Das Studium damals war so durchgetaktet, dass ein fester Stundenplan vorgegeben war. Es war (laut den Professoren) bewusst so gestaltet, dass in den ersten Jahren kaum Freizeit da war und dann nach und nach die Vorlesungen weniger wurden. Das war perfekt für mich, weil ich mindestens zwei Jahre brauche, um mich irgendwo einzugewöhnen. Wenn ich sehe, wie das heute abläuft, dass man sich den Plan zum Teil selbst zusammenstellen muss usw. das hätte ich damals eher nicht hin bekommen. Dazu kam, dass ich in einer festen Gruppe war, ein wenig besuchter Studiengang, also die Gruppe war ziemlich klein. Jeder in der Gruppe musste zu den gleichen Veranstaltungen. Am Fachinstitut das hatte schon was Familiäres.

    Das Fachliche hing immer vom Thema ab. Dinge, die mich nicht interessieren, interessieren mich nunmal nicht. Mir wurde dann auch mal angeboten, eine Prüfung zu wiederholen um die Note zu verbessern, was ich dankend abgelehnt habe. Bestanden ist bestanden und abgehakt. Eine Prüfung konnte ich mal nicht machen aus terminlichen Gründen. Die Wiederholung fand ein halbes Jahr später statt, da hatte der Prof mich zu sich eingeladen, um den Stoff nochmal aufzufrischen. Dort schien mir das plötzlich alles logisch, habe die Prüfung dann mit einer glatten 1 gemacht. Der Einzelunterricht (auch wenns nur zwei Stunden ging) war wirklich gut, ohne den hätte ich so völlig ohne Interesse am Fach eher mit 4 abgeschnitten. Gut war ich nur in den Fächern, die Richtung SI gingen. Da waren einige dabei, sonst hätte ich den Studiengang auch nicht gewählt.

    Ich denke aber, grundsätzlich ist das überhaupt nicht vergleichbar mit einem Studium heutzutage in irgendeiner Großstadt. Da würde ich wahrscheinlich schon bei der Organisation kläglich versagen. Wenn dann 50-100 Leute in einem Raum sitzen, das ist schon krass. Bei uns damals war das eher die Ausnahme. Meistens saßen wir in nem kleinen Raum mit einer kleinen Gruppe (kleiner als eine Schulklasse). Ich denke, das hat viel dazu beigetragen, dass ich das Studium erfolgreich abschließen konnte.

    Eigentlich war diese Uni und auch das Fach Plan C. Aber im Nachhinein betrachtet (auch mit dem Hintergrund der Diagnose Jahrzehnte später) war es gut, dass Plan A und B mich nicht haben wollten. Glück gehabt quasi.

    Edited once, last by Contrast (July 10, 2026 at 7:49 PM).

  • mehrere größere Projekte zeitgleich erledigen zu müssen, besonders unter Zeitdruck. Das bezieht sich insbesondere auf Prüfungszeiten in der vorlesungsfreien Zeit, während derer mehrere Abgaben zum selben Termin fertiggestellt werden müssen.

    dieses Problem wird erfragt, wenn ich mich richtig erinnere


    Ich hab aufgegeben, weil viele Fragen sich nur um ein aktuelles Studium drehen. Meins ist aber schon ein paar Jahrzehnte her und da fehlt eine entsprechende Antwortmöglichkeit ala "nicht zutreffend"

    ich ging davon aus, dass nicht nur ein aktuelles Studium gemeint ist, weil sich die Umfrage ja auch an ehemalige Studierende richtet. Daher habe ich diese Fragen so beantwortet, als wären sie auch zu einem abgeschlossenen Studium gestellt.

    Edited once, last by Andere: Ein Beitrag von Andere mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 10, 2026 at 9:14 PM).

  • ich ging davon aus, dass nicht nur ein aktuelles Studium gemeint ist, weil sich die Umfrage ja auch an ehemalige Studierende richtet. Daher habe ich diese Fragen so beantwortet, als wären sie auch zu einem abgeschlossenen Studium gestellt.

    Zum Einen haben sich die Zeiten ja geändert - was früher generell nicht vorhanden war, könnte heute vorhanden sein. Und ich weiß auch gar nicht, wie meine Hochschule da inzwischen aufgestellt ist.

  • was früher generell nicht vorhanden war, könnte heute vorhanden sein. Und ich weiß auch gar nicht, wie meine Hochschule da inzwischen aufgestellt ist.

    in der Umfrage scheint es nicht um eine bestimmte Hochschule zu gehen, sondern darum

    Thema „Studieren mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus und komorbider Diagnose: Psychisches Wohlbefinden, studienbezogene Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe im Hochschulkontext“

    also geht es darum, wie jemand sich beim Studium (ge)fühlt (hat), was als herausfordernd empfunden wurde/wird und welche Unterstützung gut (gewesen) wäre. Ich vermute, es ist dabei egal, ob man jetzt oder vor 20 Jahren studiert hat. Es geht um die Besonderheiten von Menschen mit ADHS / AS.

  • hmmm.. Wie soll ich "Wie stark wirkt sich Ihr ADHS und oder Autismus auf Ihr [] Studium aus?" beantworten. Das Studium war schließlich theoretische Physik... und natürlich "Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich kaum etwas ändern" ... Diesen Teil des Entscheidungsbaumes kenn ich doch schon. Im vollen Wissen das wieder durchzuspielen wäre Murmeltiertag. Und "Aufzeichnungen von Lehrveranstaltungen" ... die Mitschrtiften der Kommilitionen waren sehr hilfreich. Die Idee, es gäbe einen Videomitschnitt wäre mir ein Gräuel.

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