Gutes Gehör, aber oft nicht imstande, Sprache adäquat zu verstehen

  • Hallo ins Forum,

    nachdem ich kürzlich einen Hörtest gemacht habe und man mir ein sehr gutes Gehör attestiert hat, frage ich mich jetzt, wie das so funktioniert.

    Es geht darum, dass ich es oft so erlebe, dass mich jemand anspricht, ich aber gar nicht oder erst auf Nachfrage verstehe, was man eigentlich von mir will. Es scheint so, dass ich das Gesagte nicht direkt entschlüsseln kann. Oft sind die Leute deswegen aufgebracht, weil sie aus deren Sicht laut und deutlich genug gesprochen haben.

    Wie geht es euch damit? Habt ihr das auch und wenn ja, wie geht ihr damit um? Habt ihr Mittel und Wege gefunden?

  • Wenn ich mit Situationen überfordert oder reizüberflutet bin,verstehe ich auch nicht mehr,was mir Leute erzählen.

    Wenn es unwichtige Leute oder Situationen sind,grinse ich und tue so,als hätte ich alles verstanden.

    Wenn es wichtig ist,frage ich auch mehrmals nach.Dann werde ich oft für blöd gehalten,aber das ist mir inzwischen egal.

    Als ich aber noch arbeiten musste,war das schon manchmal peinlich.Im Arbeitsleben will man ja nicht unbedingt für blöd gehalten werden.

  • ich aber gar nicht oder erst auf Nachfrage verstehe, was man eigentlich von mir will.

    Klingt etwas nach Autismus.
    Das Problem könnte sein, dass du erst mal gar nicht damit rechnest dass jemand etwas sagt, dich anspricht. Und dann bekommst du den Anfang gar nicht richtig mit und somit ergibt der verstandene Rest nicht so viel Sinn.

  • Kenne ich auch gut. Vermutlich habe ich zu wenig Erfahrung mit sozialen Interaktionen bei gleichzeitigem Hintergrundlärm, so dass mein Gehirn da nie eine gute Autokorrektur aufbauen konnte, die mir die Gesprächsfetzen, die durchkommen, dann wieder richtig zusammensetzt. Vielleicht braucht meine Autokorrektur auch generell länger, um gut zu werden.

    Das Problem könnte sein, dass du erst mal gar nicht damit rechnest dass jemand etwas sagt, dich anspricht.

    Auch das ist bei mir ein Problem; witzigerweise kommt es besonders oft vor bei der Interaktion mit einem Autisten in meinem Umfeld. Ich hab versucht, ihm anzuerziehen, immer erst Blickkontakt zu suchen, bevor er mich anspricht, damit ich eben weiß, dass da gleich was kommt...

  • Kommt mir auch sehr bekannt vor.
    Glücklicherweise muss ich auf der Arbeit viel mit Daten u. Zahlen rechnen und so sagen die Mitarbeiter oder die Chefin dann, ich soll mal aus meiner Zahlenwelt rauskommen und zuhören.
    Ich lächle dann meist, obwohl ich den Satz nicht leiden kann und die anderen wiederholen das Gesagte.

    "Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt."
    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Diese auditive Verarbeitungsstörung habe ich auch. Zum einen ist es so, dass ich die erste Hälfte eines Satzes gar nicht verstehe, weil ich zu tief in irgendwas (in meinem Kopf) versunken bin um zu merken, dass ich gemeint bin. Und manchmal ist die Verarbeitung der Sprache so langsam, dass der Kauderwelsch erst nach ein, zwei Sekunden Sinn ergibt. Während der Gesprächspartner noch mein "was?" beantwortet und anfängt zu wiederholen, macht es 'klick' und ich hab's dann verzögert doch verstanden. Ich muss mich quasi konzentrieren, um Sprache zu verstehen. Seltsam.

  • Diese auditive Verarbeitungsstörung habe ich auch. Zum einen ist es so, dass ich die erste Hälfte eines Satzes gar nicht verstehe, weil ich zu tief in irgendwas (in meinem Kopf) versunken bin um zu merken, dass ich gemeint bin. Und manchmal ist die Verarbeitung der Sprache so langsam, dass der Kauderwelsch erst nach ein, zwei Sekunden Sinn ergibt. Während der Gesprächspartner noch mein "was?" beantwortet und anfängt zu wiederholen, macht es 'klick' und ich hab's dann verzögert doch verstanden. Ich muss mich quasi konzentrieren, um Sprache zu verstehen. Seltsam.

    Das hab ich auch häufig, auch, wenn ich nicht konzentriert bin. Und auch, wenn nur ich gemeint sein kann.

    Mich würden da die Hintergründe interessieren - warum ist das so? Wie kommt diese Art von Störung zustande?

  • Was astrogirl schreibt, erlebe ich auch öfter. Teils mit unwirscher Reaktion des Gegenübers, weil er es dann nochmal sagt und sauer reagiert, weil er erkennt, dass es plötzlich doch verstanden wurde...

  • Meine Überlegungen dazu: Wenn man überlegt, daß neuroptypischer Weise, Personen über Emotionen und darin Sprache zu einer Person gemacht wurden (Prägung), dann kann auch davon ausgegangen werden, daß nt-Personen in gewisser Weise 'diese Sprache sind'.

    Wenn Sprache jedoch bewußt gebraucht wird, dann ist die Person nicht Sprache, sondern ein 'Ich' welches Sprache bewußt nutzt.
    Auch hier entfällt der berüchtigte Sozial-Automatismus. Der nicht-nt Mensch 'schaltet' bewußt 'ein und aus'.

    Ein guter Freund und ich sagen, bevor einer unvermittelt etwas anspricht: "Kann ich etwas sagen?..."

  • Wenn ich nicht damit rechne angesprochen zu werden, denke ich immer an irgendetwas und dann brauche ich manchmal einen Moment zu lange um das Gehörte richtig zu verarbeiten, weil ich das Thema im Kopf erst wechseln muss. Ich könnte das Gehörte meistens wiederholen, aber dennoch bitte ich dann um Wiederholung, um (das sage ich nicht dazu) etwas Zeit für den Themenwechsel und die Verarbeitung in meinem Kopf zu gewinnen.

    Verstehe ich es vom Sinn her nicht, dann bitte ich um Erläuterung.

    Nur bei Sinn für Humor anklicken.

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  • Kann ich alles gut nachvollziehen. Ich dachte früher auch, mein Gehör wäre schlecht, weil ich oft einfach nichts kapiert habe. Manchmal tue ich auch so, als hätte ich etwas verstanden. Wenn ich nachfrage, verstehe ich die Erklärung oft trotzdem nicht, sodass es mir irgendwann schon fast peinlich wird.

  • Pete hörst du es nicht oder verstehst du es nur nicht? Bei mir ist es so, dass ich es tatsächlich nicht höre. Ich war deshalb im Hörgeräte-Laden, aber dort wurde mir ein ausgezeichnetes Gehör angedichtet. Neulich beim Ohrenarzt ebenfalls. Das Problem ist eben das "zu gute" Hören. Ich höre alles gleich laut. Heißt, wenn ich Nebengeräusche abstellen kann, höre ich dann auch, was gesagt wird. Aber wenn das nicht geht, hilft auch nachfragen nicht. Ich stehe dann im Laden, von Musik beschallt, sehe, wie mich jemand anspricht. Kann mich ihm auch direkt zuwenden und die Lippen bewegen sich. Aber die Geräusche aus dem Mund verwurschteln sich mit den ganzen Nebengeräuschen. Es ist dann ein Einheitsbrei an Geräuschen, wo Worte einfach nicht fassbar sind für mich.

    Es gibt Hörgeräte, die Nebengeräusche wegfiltern. Das Problem ist nur, die Filterwirkung entfaltet sich erst so richtig, wenn man den Verstärker hoch dreht. Den Verstärker brauche ich eigentlich nicht, da ich ja nicht schlecht höre im Sinne von "zu leise". Ich hatte das zum Test einige Wochen, habe mich aber dann dagegen entschieden.

    Ich denke, das ist aber was ganz anderes als das, was hier von anderen beschrieben wird. Also dass man so konzentriert ist auf etwas, und nicht mit einer Ansprache rechnet.

  • Wenn verschiedene Leute reden, dann geht meine Konzentration kaputt und ich kann mich nicht mehr auf das konzentrieren was man mir sagt, oder wenn jemand mit mir redet, auch wenn die anderen Leute, Geräuschkulissen weiter weg sind.
    Vor ein paar Monaten gab es eine solche Situation, ich weiß nicht mehr wo, da musste ich klar sagen, durch diese ganzen Nebengeräusche verstehe ich gar nichts mehr.

  • Pete hörst du es nicht oder verstehst du es nur nicht? Bei mir ist es so, dass ich es tatsächlich nicht höre. Ich war deshalb im Hörgeräte-Laden, aber dort wurde mir ein ausgezeichnetes Gehör angedichtet. Neulich beim Ohrenarzt ebenfalls. Das Problem ist eben das "zu gute" Hören. Ich höre alles gleich laut. Heißt, wenn ich Nebengeräusche abstellen kann, höre ich dann auch, was gesagt wird. Aber wenn das nicht geht, hilft auch nachfragen nicht. Ich stehe dann im Laden, von Musik beschallt, sehe, wie mich jemand anspricht. Kann mich ihm auch direkt zuwenden und die Lippen bewegen sich. Aber die Geräusche aus dem Mund verwurschteln sich mit den ganzen Nebengeräuschen. Es ist dann ein Einheitsbrei an Geräuschen, wo Worte einfach nicht fassbar sind für mich.

    Es gibt Hörgeräte, die Nebengeräusche wegfiltern. Das Problem ist nur, die Filterwirkung entfaltet sich erst so richtig, wenn man den Verstärker hoch dreht. Den Verstärker brauche ich eigentlich nicht, da ich ja nicht schlecht höre im Sinne von "zu leise". Ich hatte das zum Test einige Wochen, habe mich aber dann dagegen entschieden.

    Ich denke, das ist aber was ganz anderes als das, was hier von anderen beschrieben wird. Also dass man so konzentriert ist auf etwas, und nicht mit einer Ansprache rechnet.

    Ich denke, ich verstehe es einfach nicht. Das kommt auch vor, wenn sonst keine Geräusche im Hintergrund sind, damit hat es also nichts zu tun

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