Spätdiagnostizierte Frauen auf dem 1. Arbeitsmarkt (Studien-Publikation)

  • Die CSPS SZH (Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik) hat einer Masterarbeit eine Publikation ermöglicht.

    Bächli (2026): Gender Bias in der Diagnostik von ASS. Erwerbstätigkeit von Frauen mit einer spät diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störung.

    "Ausgehend von einem Gender Bias in der Diagnostik, durch den Frauen im Vergleich zu Männern später diagnostiziert werden, geht es um folgende zentrale Fragen: Wie erleben Frauen mit einer spät diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störung ihre Erwerbsbiografie und die darin enthaltenen Transitionsprozesse? Welchen Stellenwert hat Erwerbsarbeit für sie und welchen Einfluss hat die Diagnosestellung auf die Erwerbstätigkeit? Zur Beantwortung dieser Fragen wurden narrative Interviews mit neun Frauen geführt, die erst im Erwachsenenalter die ASS-Diagnose erhalten haben." (siehe: https://shop.szh.ch/de/buecher-edi…ik-von-ass.html)

    Die Ergebnisse in Abschnitt 4 sind mir aufgrund der vielen wörtlichen Zitate schwer gefallen zu lesen. In der Diskussion (Abschnitt 5 ab S. 69) sind Verdichtungen der Aussagen, die vielleicht auf Anklang treffen.

    Auf S. 73 schreibt die Autorin darüber, wie gut die im Arbeitskontext offenbarte Diagnose aufgenommen wurde und entsprechend Maßnahmen und Verhalten angepasst wurden. Das ist für mich ein aktuell großes Thema, weil es sich meiner Vorstellung entzieht und ich schlecht mit Sonder- oder Extrabehandlung umgehen kann (oder könnte - nur eine Vermutung. Obwohl ich es ja tatsächlich bräuchte).

    Habt ihr damit Erfahrungen gemacht?

  • ninja June 18, 2026 at 7:38 AM

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  • Ich finde das auch sehr "stückelig" zu lesen. Die kompletten Interviews wären wahrscheinlich besser zu lesen gewesen.

    Die Aufnahme der Info wurde mit "meistens" "wohlwollend" beschrieben. Also nicht immer. Das ist es eben, wie es tatsächlich aufgenommen wird, kann dir niemand vorher sagen.

    Ich kann auch nicht gut mit Sonderbehandlung umgehen. Habe es gemerkt, als ich einen höhenverstellbaren Schreibtisch bekam (nach Jahren Wartezeit) und die Kollegen nebendran keinen hatten. Obwohl ich es brauche, schleicht sich immer wieder das schlechte Gewissen ein, wenn ich im Stehen arbeite (ich tanze nicht wirklich, bewege mich aber schon ziemlich dabei) und rechts und links von mir alle stillsitzen müssen. Das hat aber nichts mit der Diagnose zu tun, sondern einfach, weil ich "Rücken hab". Ist glaub ich normal nach jahrzehntelanger sitzender Tätigkeit.

    Ich selbst habe meine Diagnose nicht mitgeteilt. Kollegin hat es getan und ist dadurch quasi im Dauer-Homeoffice gelandet. Das wäre nichts für mich. Ich "verlerne" den Umgang mit Menschen, wenn ich dem zu lange aus dem Weg gehe. Es wäre eher möglich, wenn ich den Arbeitgeber wechsle. Ich habe darüber nachgedacht, dann tatsächlich die Karten auf den Tisch zu legen. Wobei es bisher ganz gut funktioniert hat, bei Vorstellungsgesprächen einfach klar zu sagen, wie ich bin. Also "Ich brauche klare Ansagen, Wischiwaschi kann ich nicht" zum Beispiel. Das wurde bisher eher positiv aufgenommen (soweit ich das beurteilen kann).

    Das Problem ist halt, wenn man mit Autismus um die Ecke kommt, dass die Leute zum Teil ganz schräge Vorstellungen davon haben. Und diese Vorstellungen möchte ich mir nicht andichten lassen. Ich bin schon sehr lange in der Firma, wo ich jetzt bin. Die Leute kennen mich, da brauche ich kein extra Label. Es wäre für mich ein "Stempel auf der Stirn". Früher hätte es vielleicht geholfen, aber ich habe mich auch so durchs Leben gemogelt. Unauffällig. Ohne Stempel.

    Dein Status ist "VA in Diagnostik". Hast du denn die Diagnose inzwischen?

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