Zu langsam fürs Leben und überfordert (AuDHS)

  • Hallo,

    Diesen Thread wollte ich längst im alten Forum eröffnet haben, aber mir fehlte Zeit und Kraft mich hinzusetzen und das niederzuschreiben. Ich habe extra AuDHS dazugeschrieben, weil ich glaube, dass viele meiner Probleme eben von den gegensätzlichen Eigenschaften kommen.

    Ich wüsste gerne, ob das jemand kennt, dass man gefühlt nichts schafft und mit allem hinterherhängt. Ich habe das Gefühl, die einfachsten alltäglichen Dinge nicht zu schaffen bzw schaffe ich diese tatsächlich meistens nicht.

    Noch dazu habe ich 2 Kinder ( 6 und 9 Jahre), die im 3 Tages-Wechsel bei mir und bei ihrem Papa wohnen. Wenn die zwei da sind, habe ich zu dem was ich eh nicht schaffe noch die Kinder zu versorgen. Ich vergesse immer die Hausaufgaben im Hausaufgaben Heft abzuhaken, oder überhaupt zu fragen, ob sie alles geschafft haben. Auch schaffe ich es nicht das tägliche Kopfrechnen und Lesen einzubauen, meist denke ich auch nicht dran. Ich bin froh, wenn ich ihnen was zu essen mache und es schaffe, sie zum Zähneputzen zu motivieren.

    Was ich noch regelmäßig vergesse ist Fingernägel schneiden und sie zum Duschen motivieren. Auch weil ich meist nicht dran denke, erst, wenn ich ihre Fingernägel zufällig mal im bewussten Blickfeld habe.

    Zeit mich mit ihnen zu beschäftigen ist auch knapp, da ich ständig getrieben bin und noch so viel anderes machen muss. Ich fühle mich deswegen echt mies, aber ich bekomme es auch nicht besser hin. Ich brauche zu viele Ruhepausen und die habe ich ja nicht einmal. Es fühlt auch an, wie eine endlose Schleife des Versagens.

    Wenn sie wieder beim Papa sind, bin ich den restlichen Tag einfach platt und mache so gut wie nichts oder unnützes Zeug (stundenlang Haut und Haarpflege, wozu ich dann aber auch ein dringendes Bedürfnis habe). Währenddessen kotzt mich die Unordnung um mich herum wahnsinnig an und stresst mich, genauso wie Dinge, die für Extern erledigt werden müssen. Sie blockieren und stressen mich gleichzeitig, es ist wahnsinnig paradox! Ich habe noch dazu viel zu hohe Ansprüche an Ordnung und daran, wie ich Dinge erledigen möchte und müsste. Plus habe ich einen starken Drang der Selbstverwirklichung und würde gerne so vieles kreativ ausleben und Projekte angehen, es tut richtig weh, dies nicht zu können. All diese Dinge verknoten sich quasi in meinem Kopf und ich habe ein Gefühl der Ohnmacht, was zur Verzweiflung und Selbstzweifeln, auch an meiner Lebensfähigkeit führt.

    Einen Pflegegrad habe ich übrigens nicht bekommen, obwohl ich echt Hilfe im Alltag bräuchte. Ich wüsste allerdings auch nicht wie, was dazu führt, dass ich mich gerade nicht traue, noch einmal einen Antrag zu stellen. Und aus Angst, dass er wieder abgewiesen wird.

    Dazu möchte ich eigentlich aus dem Bürgergeld heraus eine Selbstständigkeit aufbauen, unter anderem, weil ich es nicht mehr schaffe einer "normalen" Arbeitnehmertätigkeit nachzugehen. Ich habe schon immer starke Probleme damit, mich an ein neues Umfeld zu gewöhnen, was in meinem Leben zu sehr vielen Abbrüchen führte, welche ich eher als totstellen bezeichnen würde, da ich einfach nicht mehr hin bin, da ich mich jeden Tag unwohler fühlte und irgendwann nicht mehr hin konnte, weil mein Nervensystem komplett gestresst war (inklusive körperlicher Symptome). Das Problem ist halt, ich muss ja arbeiten und Geld verdienen, aber dieses Müssen legt mich schon wieder lahm, obwohl ich meine selbstständige Tätigkeit eigentlich sehr gerne mache.

    Ich glaube dieser Druck blockiert mich, Erwartungen blockieren mich, egal ob externe oder meine eigenen. Noch dazu die Existenzangst, weil ich nicht sehe, wie ich so mein Leben finanzieren soll, da ich immer wieder blockiere und mir zb nicht einmal essen machen kann, weil alles zu viel ist. In der Küche zu stehen, mit schmerzendem Magen und riesen Hunger, aber keinem Plan, was ich jetzt essen kann, ohne schon beim Gedanken der Zubereitung überfordert zu sein und in Tränen auszubrechen und am Ende dann doch einfach ohne Essen ins Bett zu gehen, ist schon wirklich zum Verzweifeln. Ich kann das ja nicht einmal irgendwie einplanen, weil wenn ich gerade im Flow bin, dann sind alle Pläne (welche ich einen Tag vorher stundenlang entworfen habe) einfach zunichte gemacht. Sie funktionieren dann einfach nicht.

    Das alles macht mich echt fertig, weil ich nicht sehe, wie ich das jemals hinbekommen soll, es geht mir einfach schon immer so, auch wenn es vor den Kindern etwas besser war und ich da noch sehr viel Kraft für das Funktionieren und Nichtauffallen hatte (dafür aber keine Kraft mehr für Freizeit, was mich auch immer sehr belastet hat).

    Ich wüsste gerne, ob der oder die ein oder andere das ebenso kennt und wie ich das in den Griff bekommen kann. Bzw welche Hilfen ich mir da suchen kann. Wenn ich konkret wüsste, was es da für Hilfen und Möglichkeiten gibt, wäre es wohl einfacher, welche zu beanspruchen. Oder bei einem erneuten Pflegeantrag entsprechend für mich einstehen kann.

    Wahrscheinlich habe ich jetzt viel zu viel drumherum geschrieben und bin hier und da abgeschweift, aber ich könnte auch noch so viel mehr schreiben. Und ich wollte auch versuchen meine Schwierigkeiten so gut wie möglich darzustellen und mir das auch mal ein bisschen von der Seele zu schreiben. Danke fürs Lesen und vielleicht/hoffentlich bekomme ich auch hilfreichen Input.

  • Ich wüsste gerne, ob der oder die ein oder andere das ebenso kennt und wie ich das in den Griff bekommen kann.

    Ich kenne es nicht genau so , da ich andere Lebensumstände habe ,

    z.B. Essen machen bekomme ich hin und bislang einen täglichen Routinejob, dafür war es mir immer undenkbar Kinder in die Welt zu setzen.

    Doch das Prinzip das Du beschreibst kommt mir bekannt vor, das Leben voller Baustellen, sehr ambitionierte Ideen, die Realität ist wie sie ist.

    Vielleicht kannst Du Eingliederungshilfe beantragen- die kann unterschiedliches eingesetzt werden, Du kannst Begleitung im Alltag bekommen.
    Mir hilft es sehr in ein sozialpsychiatrisches Zentrum zu gehen und regelmäßge Termine zu haben u.a. um mich besser sortieren zu können. Vielleicht findest Du so etwas in Deiner Näher.

    https://www.dein-hilfexpert.de/behinderung/eingliederungshilfe/

    Es gibt verschiedene Sozialverbände oder sozialpsychiatrische Dienste, die beraten und begleiten.

    Beruflich gibt es den IFD.
    https://www.integrationsfachdienst.de/de/services/le…lttiqjlttftr8lj
    Ob er auch bzgl. Selbständigkeit berät weiß ich nicht.

    Das mal ein paar Ideen, vielleicht kommt hier ja noch mehr zusammen.

    Edited 2 times, last by Ena (June 5, 2026 at 7:30 AM).

  • Manche Sachen lassen sich evtl. mit dem ausführlichen führen eines Kalenders lösen, wenn Du es schaffst mehrfach am Tag reinzusehen und von dort quasi Anweisungen entgegenzunehmen. Meine Fußnägel schneide ich z.B. nach Plan weil ich da echt nie dran denke oder auch das Müll rausbringen kann ich nicht "nach Bedarf". Wenn ich es gemacht habe steiche ich durch und trage es im gleichen Arbeitsgang wieder für in vier Wochen rein. Das ginge für alles was nicht täglich ist. Für alles was täglich ist, könntest Du Dir einen typischen Tagesplan (in zwei Varianten, einmal mir Kindern da und mit Kindern nicht da) entwerfen, an dem du längs arbeitest.
    Existenzsorgen sind extrem belastend. Aber bist Du Dir sicher, das Selbstständigkeit das Richtige ist?

    -> Don't Panic <-

    Edited once, last by Tenuki (June 4, 2026 at 7:14 PM).

  • Vieles was du schreibst kann ich gut nachvollziehen. Vor allem zum Thema Überforderung mit Kindern. Ich habe auch ein Kind (11) im Wechselmodell (wöchentlich) und kenne das Gefühl, dass sowieso schon viel zu viele Aufgaben liegen bleiben, ich mit dem Haushalt nicht hinterherkomme und wenn dann noch mein Sohn bei mir ist, kriege ich erst recht nichts mehr erledigt.

    Was mir in letzter Zeit ein bisschen geholfen hat ist das Buch "Bindung ohne Burnout" von Nora Imlau. Ich weiß nicht, ob du gerade die Kraft zum Lesen oder Hörbuch hören findest und ob du überhaupt gern liest oder Hörbücher hörst, aber falls ja: Sie beschreibt darin, was für einen unglaublichen Druck sich Eltern oft machen und sie hinterfragt, wie vielen dieser Ansprüche man wirklich gerecht werden muss. Eltern, die keine Kraft mehr haben, können nicht mehr für ihre Kinder da sein. Damit ist niemandem geholfen.

    Also ist es vielleicht manchmal besser, Kraft zu sparen und zu überlegen, welche sprichwörtlichen Kämpfe man wirklich zwingend kämpfen muss. Was passiert, wenn du die Fingernägel nicht schneidest? Was passiert, wenn die Kinder mal nicht duschen? Was passiert, wenn es an zwei Tagen hintereinander Tiefkühlpizza gibt, weil dir für mehr die Energie fehlt? Und was passiert, wenn die Brotdose (satirische Übertreibung) keine herzförmig ausgestochenen Gemüse-Stücke mit selbstgemachtem Dip enthält sondern einfach mal eine Brezel vom Bäcker nebenan?

    Das sind natürlich nur Beispiele und vielleicht nützen sie dir überhaupt nichts. Mir persönlich hat der Gedanke geholfen, dass es vor allem wichtig ist, dass ich genug Kraft habe, um geduldig und liebevoll mit meinem Kind umzugehen. Wichtiger als dass seine Zähne täglich zwei Mal 3 Minuten lang geputzt werden, mindestens 1 Liter getrunken und reichlich Obst und Gemüse gegessen wird, er immer genug Bewegung an der frischen Luft bekommt und nicht zu viele Medien konsummiert, das Zimmer sauber und der Schulranzen ordentlich ist und ich über sämtliche Hausaufgaben sowie anstehende Klassenarbeiten informiert bin und außerdem einen thematisch passenden Kuchen zum Kuchenbasar der Klasse beisteuere. All das funktioniert oft, aber manchmal funktioniert es eben nicht. Die einzige, die sich deswegen Vorwürfe macht, bin ich selbst. (Naja, und manchmal der Papa des Kindes.)

  • Das was du beschreibst ist durchaus logisch und absolut nachvollziehbar.

    Du hast soviel geschrieben, dass ich nicht weiss wo ich anfangen oder aufhören soll. Da könnte man eine Menge zu schreiben.
    Ich denke das wichtigste ist, du bist nicht alleine damit, du hast nicht versagt und es ergibt alles Sinn.

    Es gibt bei ADHS einen Punkt der hier vielleicht wichtig ist: "Out of sight, out of mind."
    Das bedeutet, dass alles was du nicht im Blickfeld hast, dir Probleme machen könnte. Vielleicht hilft es dir irgendwo Zettel oder Tafeln hinzuhängen als Checklisten oder Reminder. Das hilft dir die notwendigsten Alltagsdinge im Blick zu behalten. Zumindest als Entlastung wenn die Kinder da sind. Vielleicht auch nur auf zeit bis sich die innere Belastung abgebaut hat.

    Es ist wichtig, dass du regelmässig isst.
    Das heisst, stell dir essbares bereit das nicht zubereitet werden muss. Vielleicht ebenfalls auf einen Zettel in der Küche um die innere Struktur zu halten wenn du in der Küche stehst und verzweifelst. Das können Dinge sein wie z.B. Quetschies, Proteinshakes, Nüsse, fertige Tiefkühlgerichte und wenn es nur ein Joghurt ist. Alternativ irgendwas, dass man auch 2-3 Tage hintereinander essen kann wie Nudelsalat oder etwas vorgekochtes.

    Akzeptanz ist wichtig. Die Phase in der du Haar- und Hautpflege intensiv betreibst haben einen Grund. Sie dienen der Regulation und der Erholung deines zuvor überreiztes Nervensystems. Lass es zu. Das ist Ok und ist keine Zeitverschwendung. Das ist die Regeneration die du brauchst.

    Ich kenne das Denken bez. "normale und alltägliche Dinge", "hinterher hängen".
    Das entspricht aber nicht der Wahrheit. Soetwas gibt es nicht. Es gibt das Gefühl einer Erwartung an sich selbst und eine Vorstellung wie es sein müsste.
    Diese Betrachtung entwertet jede deiner Aktionen weil es immer zu wenig ist. Viel wichtiger wäre zu schauen was du geschafft hast. Wenn du innerlich bei 0 anfängst, wo du die Bedeutung deiner Handlungen anscheinend siehst, ist alles was du mehr machst, von Bedeutung. Nur wenn es Bedeutung hat, gibt es dir etwas zurück da man aus kleinen Erfolgen Energie ziehen kann.
    Da ist natürlich Perfektionismus der Feind.
    Früher hab ich zum Bad putzen einen Tag gebraucht. Es musste alles richtig sein. Wenn ich das nicht leisten konnte, hat mich der Gedanke daran Bad zu putzen erschlagen. Ich kann vielleicht den Perfektionismus nicht komplett umgehen, hab aber zb. das Zeug auf der Ablage verringert und mache alles kleinteiliger. Mir ist es gelungen verschiedene Arbeitsbereiche voneinander zu trennen oder ich erledige sie zwischendurch. Wenn ich Hände wasche, kann ich auch mal zwischendrin über die Ablagen fahren oder Waschbecken reinigen. Wenn ich essen koche, verräume ich gleich alles.

    Die ich weder Antrieb noch Energie täglich gleich zur Verfügung habe, ist Regelmässigkeit aktuell nicht drin. Also gibts keine Wochenpläne. Ich mache das, wofür ich gerade Energie und Kopf habe. Ansonsten nicht und das ist mittlerweile Ok und erzeugt mir dadurch weniger Druck und somit mehr mentale Regeneration.
    Viele hier können nicht unzählige Dinge am Tag erledigen. Das ist Ok.

    Seitdem ich damit offensiv umgehe, konnte das auch meine Umgebung. Somit wurde aus "er macht Dinge nicht gut genug" ein "er teilt sich vernünftig seine Energie ein".

    Der Druck den du spürst ist gewaltig.
    Auch das mir der Arbeit kenne ich. Sowohl Existenzängste, wie auch das wissen darum nicht mehr Vollzeit arbeiten zu können. Ich möchte mich Selbstständig machen, vom Amt weg kommen.
    Solange du überall Druck spürst, kannst du nicht so funktionieren wie du es dir wünscht weil dieser Druck gewaltig ist.
    Vielleicht kann es sinnvoll das mit dem Bürgergeld kurzzeitig zu akzeptieren um zumindest diesen innere Belastung zeitweise rauszunehmen sodass du dich auf den Rest konzentrieren kannst.

    Ich habe gerade mal geschaut. Ich weiss nicht ob irgendwas für dich passt oder ich was übersehe. Das wissen aber einige hier sicherlich besser die das dann korrigieren können.
    Du kannst vielleicht Alltagshilfe über die Eingliederungshilfe (Ambulant Betreutes Wohnen) beantragen.
    Das wäre dann bei dir eine „Assistenzleistung zur selbstbestimmten Lebensführung“.

    Da würde dann eine sozialpädagogische Fachkraft regelmäßig zu dir nach Hause kommen. Diese wäre dann eine "exekutive" Unterstützung zb. beim Post durchgehen, Hilfe beim Strukturieren der Woche, Erinnerung an wiederkehrende Dinge (wie die Nagelpflege der Kinder) und kann dich auch mal emotional auffangen wenn alles zu viel wird. Das wird über das örtliche Sozialamt finanziert und ist für dich beim Bezug von Bürgergeld kostenlos. Der Erstantrag kann komplett formlos sein. Zumindest heisst es so.

    Dann gebe es noch den EUTB.
    Das wäre wohl eine "völlig unabhängige und kostenlose Beratungsstelle für Menschen mit (drohenden) Behinderungen oder chronischen Krankheiten". Die Berater füllen dann mit dir gemeinsam die Anträge für die Eingliederungshilfe oder den Pflegegrad aus, helfen dir bei Formulierungen und unterstützen dich psychisch damit du keine Angst vor Ablehnungen haben musst.

    Wie erwähnt, es gäbe eine Menge das man Schreiben könnte.

    "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Vielen Dank, da werde ich mal reinschauen :)

    Manche Sachen lassen sich evtl. mit dem ausführlichen führen eines Kalenders lösen, wenn Du es schaffst mehrfach am Tag reinzusehen und von dort quasi Anweisungen entgegenzunehmen. Meine Fußnägel schneide ich z.B. nach Plan weil ich da echt nie dran denke oder auch das Müll rausbringen kann ich nicht "nach Bedarf". Wenn ich es gemacht habe steiche ich durch und trage es im gleichen Arbeitsgang wieder für in vier Wochen rein. Das ginge für alles was nicht täglich ist. Für alles was täglich ist, könntest Du Dir einen typischen Tagesplan (in zwei Varianten, einmal mir Kindern da und mit Kindern nicht da) entwerfen, an dem du längs arbeitest.
    Existenzsorgen sind extrem belastend. Aber bist Du Dir sicher, das Selbstständigkeit das Richtige ist?

    Danke auch dir. Die Sache mit Planern und Kalender klappt bei mir leider nicht. Mein Kalender am Handy funkttioniert für Termine, aber nicht für Kleinigkeiten, weil es dann zu unübersichtlich wird. Ich habe es auch mit Apps wie Habitica versucht, welche To Dos ja sehr gamifiziert, aber nichts hat mir dauerhaft was gebracht, die meisten Apps haben 2 Tage geholfen, Habitica vielleicht 2 Wochen, wenn überhaupt. Und wie ich schon schrieb, wenn ich etwas plane und dann kommt irgendwas dazwischen, wie Hyperfokus, Erschöpfung, unerwartete (negative) Ereignisse, dann funktioniert der Plan nicht mehr und setzt mich nur unter Druck.

    Die Selbstständigkeit ist die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen für mich, zumindest momentan. Es ist auch etwas wofür ich echt brenne und momentan trägt sich das Ganze immerhin, es muss jetzt nur auch Gewinn abwerfen.

    Aber ich glaube, eigentlich kann ich gar nicht wirklich arbeiten, mag aber auch am Burnout liegen. Ich habe so oft darüber nachgedacht, es sein zu lassen und mir den Druck zu nehmen, aber da dieses Projekt quasi mein Baby ist, kann und konnte ich das einfach nicht. Ich kann das auch nicht einfach in andere Hände geben. Es ist echt verzwickt. Was Arbeit angeht brauche ich die volle Kontrolle und Selbstbestimmung, was ich mir einigermaßen vorstellen kann, ist putzen zu gehen, aber eben auch nur zu meinen Bedingungen und freier Zeiteinteilung, niemand der mir über die Schulter schaut etc.


    Vieles was du schreibst kann ich gut nachvollziehen. Vor allem zum Thema Überforderung mit Kindern. Ich habe auch ein Kind (11) im Wechselmodell (wöchentlich) und kenne das Gefühl, dass sowieso schon viel zu viele Aufgaben liegen bleiben, ich mit dem Haushalt nicht hinterherkomme und wenn dann noch mein Sohn bei mir ist, kriege ich erst recht nichts mehr erledigt.

    Was mir in letzter Zeit ein bisschen geholfen hat ist das Buch "Bindung ohne Burnout" von Nora Imlau. Ich weiß nicht, ob du gerade die Kraft zum Lesen oder Hörbuch hören findest und ob du überhaupt gern liest oder Hörbücher hörst, aber falls ja: Sie beschreibt darin, was für einen unglaublichen Druck sich Eltern oft machen und sie hinterfragt, wie vielen dieser Ansprüche man wirklich gerecht werden muss. Eltern, die keine Kraft mehr haben, können nicht mehr für ihre Kinder da sein. Damit ist niemandem geholfen.

    Also ist es vielleicht manchmal besser, Kraft zu sparen und zu überlegen, welche sprichwörtlichen Kämpfe man wirklich zwingend kämpfen muss. Was passiert, wenn du die Fingernägel nicht schneidest? Was passiert, wenn die Kinder mal nicht duschen? Was passiert, wenn es an zwei Tagen hintereinander Tiefkühlpizza gibt, weil dir für mehr die Energie fehlt? Und was passiert, wenn die Brotdose (satirische Übertreibung) keine herzförmig ausgestochenen Gemüse-Stücke mit selbstgemachtem Dip enthält sondern einfach mal eine Brezel vom Bäcker nebenan?

    Das sind natürlich nur Beispiele und vielleicht nützen sie dir überhaupt nichts. Mir persönlich hat der Gedanke geholfen, dass es vor allem wichtig ist, dass ich genug Kraft habe, um geduldig und liebevoll mit meinem Kind umzugehen. Wichtiger als dass seine Zähne täglich zwei Mal 3 Minuten lang geputzt werden, mindestens 1 Liter getrunken und reichlich Obst und Gemüse gegessen wird, er immer genug Bewegung an der frischen Luft bekommt und nicht zu viele Medien konsummiert, das Zimmer sauber und der Schulranzen ordentlich ist und ich über sämtliche Hausaufgaben sowie anstehende Klassenarbeiten informiert bin und außerdem einen thematisch passenden Kuchen zum Kuchenbasar der Klasse beisteuere. All das funktioniert oft, aber manchmal funktioniert es eben nicht. Die einzige, die sich deswegen Vorwürfe macht, bin ich selbst. (Naja, und manchmal der Papa des Kindes.)

    Danke für deine Tipps. Von Nora Imlau habe ich auch schon Hörbücher gehört, oder zumindest eines. Das hat mir auch etwas geholfen, meine Erwartungen an meine Mutterrolle runterzuschrauben und meine Große besser zu verstehen, aber das hat auch seine Grenzen. Die Kinder sind ja auch nicht das Haupt"problem", sie bekommen es aber ab und natürlich kommen da auch mehr Aufgaben hinzu, wenn sie da sind. Mein Stresslevel ist das größte Problem und dieses kommt von sehr vielen verschiedenen Faktoren. Ein großer Punkt ist das Finanzielle.

    Das mit dem Trinken ist allerdings ein wichtiges Thema, welches mir Sorgen macht bei der Großen. Sie hat ein sehr schlechtes Durstgefühl, schon immer. Sie hat dadurch sehr oft Blasenentzündungen und das ist wirklich schlimm für sie und trotzdem klappt es mit dem Trinken nicht. Das kann nicht gesund sein, wenn das über Jahre so läuft. Ich selbst schaffe es aber auch nicht, sie ständig anzufeuern, damit sie genug trinkt. Ich muss sie schon bei so gut wie allen anderen Dingen antreiben, sie hat nicht umsonst Pflegegrad 2.

  • Danke für deine sehr ausführliche Antwort.

    Diese fehlende Objektpermanenz ist wirklich ein großes Ding bei mir. Ich vergesse oftmals quasi dass ich Eltern habe, oder Freunde XD. Und wie oft habe ich meine Pflanzen auf der Terrasse vergessen, weil ich nicht in der Nähe des Wintergartens war, der zur Terrasse führte.

    Das doofe ist, dass ich längst vor hatte mit Post Its oder Kärtchen zu arbeiten, aber auch das immer vergessen habe. Immerhin sind aber an meinem Laptop gerade einige Post Its für Dinge, die ich für die Arbeit etc erledigen muss/will. Dummerweise übersehe ich die auch schnell einfach 😅. Aber ja, das werde ich nochmal in Angriff nehmen, das könnte an sich funktionieren, womöglich auch für die Kinder selbst.


    Auch der Punkt mit dem Essen ist hilfreich und ebenso etwas, das ich eigentlich mal angehen wollte. Da scheitert es bisher allerdings an der Planung des Einkaufs. Diese überfordert mich auch schon seit geraumer Zeit. Auch, da ich gerade recht eingeschränkt bin in dem, was ich essen "kann", also was in mir keine Widerstände auslöst. In letzter Zeit ist mein Same- und Safefood allerdings Pellkartoffeln mit Schnittlauchquark, theoretisch kann ich das 3 mal am Tag und mehrere Tage lang essen und ich kann es auch für einen ganzen Tag im Voraus zubereiten. Nudelsalat etc ist auch ne gute Idee, oder auch mal Salat zuschneiden und Dressing kann ich auch auf Vorrat machen und dann eben bei Bedarf mischen. Ich liebe Salat (und Gemüse), aber die Zubereitung hemmt mich oft.

    Aber dafür und auch für die Post It Sache, wäre dann womöglich so eine Eingliederungshilfe gut. Ich denke, viele dieser Probleme kommen vom Burnout, früher konnte ich das besser händeln.


    Ich lasse die Regulation über Selfcare eigentlich auch zu und weiß, dass ich das brauche, aber im Hinterkopf sind dennoch die ganzen Aufgaben präsent, bzw später dann der Druck noch größer.

    Zum Thema hinterher hängen, muss ich sagen, dass es noch etwas komplexer ist. Ich fühle mich unwohl, wenn um mich herum Chaos ist und wenn ich weiß, dass ich wichtige Dinge erledigen muss, diese aber irgendwo schwammig im Gedächtnis sind, das fühlt sich sehr bedrohlich an. Zudem sind das teilweise auch Dinge, die wirklich zu machen sind, wie zb der Weiterbewilligungsantrag fürs Bürgergeld (den ich die ganze Zeit vergesse, wobei er eigentlich fast fertig ist) und die auch überlebenswichtig sind oder wichtig weil ich in einer Verantwortung jemandem gegenüber bin, wie den Kindern oder auch Kunden gegenüber, wobei letzteres ja auch noch Einnahmen sichert bzw, wenn ich einen Businesspartner verliere, eben jene Einnahmen wegfallen. Ich bräuchte eigentlich eine gewisse Struktur, die auch etwas flexibel ist, aber auf jeden Fall einen groben Rahmen. Nur kann ich mir den gerade nicht schaffen, da ich "den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe" Hier wieder Stichwort Eingliederungshilfe, da werde ich mich wirklich mal informieren.

    Ich mag übrigens auch "Minimalismus" (mit all meinen Hobbys und Interessen kann ich das nicht wirklich Minimalismus nennen, aber ich versuche zu reduzieren wo es geht, zb keine zig Putzmittel, sondern einfach Essig und Natron und Zitronensäure für das Meiste) und es braucht einfach alles seinen Platz, was so recht frisch umgezogen auch noch ausbaufähig ist.

    Dadurch, dass mein Freund auch eine Regulation für mich ist, dieser aber 2,5h Zugfahrt entfernt wohnt, verliere ich auch viel Zeit an den Tagen, an denen die Kinder nicht da sind. Etwas besser ist es, wenn er zu mir kommt, aber das geht auch nicht immer. Zusammenziehen ist aufgrund der Kinder und des Wechselmodells, mir nicht möglich und aufgrund seiner Arbeit, die ihn sehr erfüllt und welche es nur an wenigen Stellen in DE gibt, ihm nicht möglich.


    Der Druck ist wirklich ein großer Faktor. Dass ich Bürgergeld bekomme, ist an sich ok für mich, manchmal bin ich da sogar trotzig und denke mir, das steht mir einfach zu, nachdem, wie mich das System vorher zerstört hat. Es ist nur sehr ungewiss, wie lange das Jobcenter mit mir Geduld haben wird, daher hilft mir das Akzeptieren des Ist Zustands nichts, denn es ist sehr unberechenbar, sehr schwammig und bedrohlich. Mir wurde es so vermittelt, als würde das JC nur ein halbes Jahr bis maximal Jahr eine Selbstständigkeit unterstützen, dabei heißt es allgemein, dass es 3 Jahre braucht, bis man mit Gewinn rechnen kann. Und das ist auch schon echt knapp berechnet, Gewinn bedeutet ja auch nicht, dass es für den Lebensunterhalt reicht. Außerdem fühle ich bin sehr ausgeliefert, man muss sich beim JC ja wirklich nackig machen und dann reicht das Geld nicht einmal wirklich zum Leben, vor allem, wenn einem noch so viele Dinge für den Haushalt fehlen.


    Ich werde mir jetzt erstmal die Anlaufstellen ansehen, die ihr mir hier vorgeschlagen habt. Vielen Dank nochmal :).

  • Das mit dem Trinken ist allerdings ein wichtiges Thema, welches mir Sorgen macht bei der Großen. Sie hat ein sehr schlechtes Durstgefühl, schon immer. Sie hat dadurch sehr oft Blasenentzündungen und das ist wirklich schlimm für sie und trotzdem klappt es mit dem Trinken nicht. Das kann nicht gesund sein, wenn das über Jahre so läuft. Ich selbst schaffe es aber auch nicht, sie ständig anzufeuern, damit sie genug trinkt. Ich muss sie schon bei so gut wie allen anderen Dingen antreiben, sie hat nicht umsonst Pflegegrad 2.

    Ok, wenn das Zu-wenig-Trinken schon zu Symptomen führt, bist du natürlich doch wieder unter Druck. Da kann man nicht einfach mit den Schultern zucken und sagen: "Ach was solls, dann trinkt sie eben heute mal nicht so viel." Das ist echt Mist. Die Kinder überblicken in dem Alter die Folgen ihres Verhaltens noch nicht und als Mutter verzweifelt man, weil es vermeintlich "so einfach sein könnte". Zumindest was dieses eine Thema angeht, also das Trinken gegen Blasenentzündungen. Und dieses dauernd unerledigte ToDo kommt auf den ganzen Haufen unerledigter Dinge obendrauf, jeden einzelnen Tag (wenn das Kind da ist) über Wochen, Monate, Jahre. Dann wird nach viel Überreden doch mal ein Glas getrunken, aber ein paar Stunden später müsste ja wieder getrunken werden und schon ist das kurzzeitig abgehakte ToDo wieder da.

  • Das liest sich alles sehr schwer und tut mir sehr leid 😔.

    Nimmst du ein Medikament zur psychischen Stabilisierung? Oder wegen des ADHS?

  • Ich kenne das leider zu gut, das ganze Leben schon, nichts zu schaffen, oder nicht viel, nicht mal das allernötigste, Antriebslosigkeit, Depressionen, Lethargie, ich bin psychisch krank. Ich hatte schlechte Schulische Leistungen und miserable Zensuren und Zeugnisse deswegen. Kaum eine Chance auf Ausbildungsplätze damals.

    Ich schaffe auch im Alltag nur sehr wenig bis gar nichts, obwohl ich kinderloser Single bin. Ich bin auch seit 20 Jahren nicht arbeitsfähig. Ich bin seit Jahrzehnten darauf angewiesen, regelmäßig zur Lebensmittel-Tafel des Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu gehen.

    Ging bei mir schon bis hin zur dauerhaften Vernachlässigung der Körperpflege und dass ich es dauerhaft nicht geschafft hatte, meine Wohnung regelmäßig zu putzen. Vor 20 Jahren hatten mir Vermieter*Innen in Celle deshalb gekündigt, und ich musste ausziehen.

    Mein Stiefvater (Neuro-Typisch) war als männliches "Vorbild" (Zynismus) auch körperlich ungepflegt, Alkoholiker, sein Haus unsauber und baufällig. Sein Grundstück/sein Garten verwahrlost. Seine Söhne (Neuro-Typisch) hatten auch jede Menge Probleme wegen meinem Stiefvater, Schule und Ausbildungen abgebrochen, sie waren arbeitslos, Drogenkonsum, obdachlos, und Ärger mit dem Gesetz, Knast wegen Kleindelikten wie Schwarz fahren etc. und sie waren in der geschlossenen Psychiatrie. Die Söhne waren auch Alkoholiker wie ihr Vater. Die Familie meines Stiefvaters hatte in der Nachbarschaft in dem Dorf einen schlechten Ruf.

    Meine Mutter (Neuro-Typisch) war Sozialhilfeempfängerin.

    Ich bin auch sehr langsam bei Tätigkeiten und Arbeiten, und ich lerne und begreife sehr schwerfällig und langsam.

    Überfordert bin ich leicht vom kleinsten Stress, von kurzen oberflächlichen Kontakten zu Menschen oder wenn mal eine Kleinigkeit im Alltag nicht wie geplant läuft.

    Edited 18 times, last by Hannoveraner (June 19, 2026 at 2:51 PM).

  • Das liest sich alles sehr schwer und tut mir sehr leid 😔.

    Nimmst du ein Medikament zur psychischen Stabilisierung? Oder wegen des ADHS?

    Ich nehme Elvanse 50 und Bupropion 300. Also ADHS Medi, sowie ein Antidepressivum, welches die Wiederaufnahme von Dopamin hemmt. Mit der ADHS Medikation wurde es immerhin allgemein schon besser im Alltag. Davor ging gar nichts mehr.


    Da hast du aber auch ein ordentliches "Päckchen zu tragen". Ich fühle mit dir :(.

    Edited once, last by Feloidea: Ein Beitrag von Feloidea mit diesem Beitrag zusammengefügt. (June 5, 2026 at 4:52 PM).

  • Ich wüsste gerne, ob das jemand kennt, dass man gefühlt nichts schafft und mit allem hinterherhängt.

    Ja, das kenne ich sehr gut.

    Die Sache mit Planern und Kalender klappt bei mir leider nicht. Mein Kalender am Handy funkttioniert für Termine, aber nicht für Kleinigkeiten, weil es dann zu unübersichtlich wird.

    Diese fehlende Objektpermanenz ist wirklich ein großes Ding bei mir. ...

    Das doofe ist, dass ich längst vor hatte mit Post Its oder Kärtchen zu arbeiten, aber auch das immer vergessen habe. Immerhin sind aber an meinem Laptop gerade einige Post Its für Dinge, die ich für die Arbeit etc erledigen muss/will. Dummerweise übersehe ich die auch schnell einfach 😅

    So geht es mir auch.

    Ich habe den Eindruck, dass ich durch die digitalen Möglichkeiten noch weniger Überblick habe.

    Für mich war auch lange Zeit die Selbständigkeit eine gute Lösung. Immerhin hat das gereicht, um sehr sparsam mit Kind davon zu leben. Allerdings bin ich nun froh, wieder angestellt zu sein. Die Struktur ist trotz allem sehr gut für mich. Und so ist wenigstens das Einkommen keine Sorge.

    Ich könnte viel über die Probleme im Alltag schreiben, aber habe eher weniger Tipps.

    Nur ermutigen möchte ich dich, dass man irgendwie auf wundersame Weise doch durchs Leben kommen kann. Und dass du nicht alleine damit bist. (Du hast übrigens ein tolles Avatar- und Titelbild!)

  • Huhu,

    ich kenne das auch. Ich laufe an Dingen vorbei und ich beobachte, dass ich denke "Oh, das sollte mal gemacht werden." Laufe aber daran vorbei, bemerke das aber immer wieder. Da setzt dann so ein Gefühl der Ohnmacht ein.

    Ganz schlimm ist es bei der Begleichung von Rechnungen. Meistens mache ich das auf den letzten Drücker. Nicht, weil ich das so möchte, sondern weil die Priorität nicht hoch genug ist. Trotzdem macht es mir Druck. Ich erinnere mich immer wieder daran, dann vergesse ich es und dann kommt es wieder hoch. Der Stresspegel wird immer höher.

    Mittlerweile hilft es, in dem ich, in dem Moment, in dem ich mir etwas auffällt, dass etwas gemacht werden sollte, den Dingen eine höhere Priorität beimesse, ganz bewusst. Wenn ich so vorgehe, dann klappt es wesentlich besser. Ich schaffe dann auch tatsächlich mal den Haushalt. Ich setze mir für Aufgaben nach und nach immer eine neue Priorität. Am Ende habe ich Zeit für mich, um z.B. beim Stricken runterfahren zu können und Kraft sammeln zu können.

    Aber das klappt natürlich nicht immer. Wenn ich mich gerade akut im Erschöpfungszustand befinde, dann nehme ich wahr, dass es einfach nicht geht und ich mich erholen muss. Da liegt die Priorität darauf und alles andere wird dem untergeordnet. Ich versuche mich darin mich diesbezüglich zu akzeptieren. Aber selbst das klappt nicht immer - als Mutter hat man Druck, man will funktionieren und tut es dann oft leider auch über die Grenzen hinaus. Das dann wahrnehmen, beobachten und auch dann akzeptieren, dass man in einem Lernprozess ist.

    Momentan akzeptiere ich, dass ich für meinen Sohn nur die wichtigsten Dinge machen kann, wie z.B. bei Problemen zuhören und bei der Lösung des Problems zu helfen. Er sagt mittlerweile, wenn ich frage, ob ich etwas ansprechen soll: "Nein, Mama. Das ist meine Sache." Für mich ist das schwierig, weil in mir noch dieser Drang ist, ihm helfen zu wollen, aber er ist für sich ein Individuum und braucht Luft und auch Erfolge selbst etwas zu schaffen. Das heißt, dass ich mich davon befreie immer wieder darauf zu achten, dass er alles macht, was in der Schule nötig ist.

    Denn das Positive ist, dass bei Kindern auch dadurch ein Lernprozess einsetzt. Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein. Als Mutter kann man nicht alles leisten und das ist ok. Kinder bringen Kompetenzen und Werte mit. Darauf kann man aufbauen.

    Wichtig ist auch ggf. die Lehrer einzubinden. Ich habe gerade erst wegen dem sozialen Tag um Hilfe gebeten, weil wir das momentan einfach nicht schaffen uns darum zu kümmern. Die Kraft ist einfach nicht da. Wir haben Hilfe erhalten.

    Ich mache oft, wenn ich merke, dass ich kaum Kraft habe zu kochen: Nudeln mit Tomatensoße, Griesbrei, Quiche mit Lachs und Frühlingszwiebeln (das mag mein Sohn komischerweise) oder auch mal Hühnerfrikassee (tiefgefroren) mit Reis. Zwischendrin mal Waffeln, wenn ich es schaffe, weil mein Sohn sehr schlank ist, weil seine Verbrennung extrem gut ist (wie meine) und er ein bisschen mehr auf den Rippen braucht.

    Man könnte auch beim Sozialpsychiatrischen Dienst Hilfe erhalten, z.B. eine Hilfe für Zuhause beantragen. Vorausgesetzt, dass man sich das vorstellen kann. Ich persönlich konnte das nicht.

    Oder auch über eine Teilhabeberatung Hilfe suchen. Da bin ich z.B. gerade dabei. Ich weiß noch nicht, was da überhaupt möglich ist.

    Ich hoffe, dass dir irgendetwas davon helfen kann und du fühlst dich weniger allein damit.

  • Das gute ist, du kennst einen anderen Zustand in dem es besser gelaufen ist.
    Vielleicht nicht perfekt aber anders als jetzt. Zumindest hab ich das rausgelesen. Das bedeutet alles was du tust ist nur auf Zeit bis du dich innerlich sortieren/stabilisieren konntest.

    Wenn du Hilfe beim essen zusammenstellen brauchst, können evt. wir hier helfen. Da gehts nur um Rezepte, fertige Einkaufslisten oder Vorschläge bei der einfachen Umsetzung.
    Weiss dein Partner von den Problemen? Vielleicht kann er dich bei den Post It's helfen bzw. schauen wie dich weiter entlasten könntest. Ich kenne das selbst. Manchmal verliert man selbst die Übersicht. Der Blick von aussen kann helfen.

    Das mit der Selbstständigkeit wundert mich aber. Ich kenne es so, dass das zeitlich nicht so starr limitiert ist. 😕

    "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Ich habe keinen Bock auf offene Baustellen.

    Ich auch nicht. Noch war es immer rechtzeitig. Ich arbeite daran, dass es besser wird.

    Das kann mit einem ADHS zusammenhängen. Prioritäten haben mit einer Belohung und Dopaminausschüttung zu tun.

    Für die Begleichung einer Rechnung gibt es kein Belohnungsgefühl. Ohne das Belohnungsgefühl ist der Anreiz nicht gegeben. Wenn man nur solche Aufgaben zu bewältigen hat, dann ist der Kick, den das Gehirn braucht, nicht vorhanden. Bekommt man gar keinen Kick mehr, dann ist es schwer überhaupt aufzustehen. Das Gehirn hungert quasi aus.

    So verstehe ich das jedenfalls.

    Ob es bei mir diagnostiziert wird, das weiß ich nicht, aber die Fremdanamnese und die Auswertung meiner bearbeiteten Fragebögen deuten schon in diese Richtung.

    Ich halte es deshalb für unausweichlich gute Strategien im und für den Alltag zu finden. Die muss man erst mal passend für sich finden. Das ist ja ganz individuell und auch gar nicht so leicht, wie es sicherlich nach außen hin wirkt.

    Edited 2 times, last by reciprocus: Ergänzung (June 7, 2026 at 3:11 PM).

  • Danke, vielleicht wird es bei mir auch irgendwann wieder anders, es ist nur momentan nicht vorstellbar. Ganz theoretisch bräuchte ich momentan eher ganz viel Ruhe zur Erholung meines Nervensystems und sehr viel Hilfe, um mich zu strukturieren, aber da das nicht geht, weil ich dann kein Geld habe, muss ich schauen, dass ich das mit der Arbeit frei gestalten kann.

    Und Dankeschön fürs Kompliment 😊.

  • Ganz schlimm ist es bei der Begleichung von Rechnungen. Meistens mache ich das auf den letzten Drücker. Nicht, weil ich das so möchte, sondern weil die Priorität nicht hoch genug ist. Trotzdem macht es mir Druck. Ich erinnere mich immer wieder daran, dann vergesse ich es und dann kommt es wieder hoch. Der Stresspegel wird immer höher.

    Ja, sowas ist eine Abwärtsspirale. Bei mir ist aber eher das Problem, dass es zu viele Schritte sind. Beim Beispiel Rechnungen zb muss ich in die App und dann alles eingeben etc pp. Mit den QR Codes bzw der Möglichkeit das Foto per KI auslesen zu lassen, hat mir das Ganze sehr erleichtert. Die App alleine auch schon und dass man keine TANs mehr braucht 😅. Rechnungen sind für mich momentan eher ein Problem, weil mich alles was mit Geld zu tun hat stresst und jede Ausgabe schmerzt. Manchmal muss ich auch warten, bis wieder Geld auf dem Konto ist, da ist die Chance rs zu vergessen groß.

    Auf jeden Fall brauche ich möglichst niederschwellige Möglichkeiten, das ist ganz schlimm seit dem Burnout, weil ich mich nicht einmal mehr hinsetzen kann, um alles mal aufzuschreiben, was zu tun ist. Das war vorher sogar eine Regulations-Methode bei mir, Listen und Pläne machen. Wenn ich das jetzt versuche, sitze ich meist da und mir fällt nichts ein. Da würde mir so ein Diktiergerät helfen, welches ich um den Hals hängen kann und sobald mir eine Sache einfällt, könnte ich einen Knopf drücken und es hineinsprechen, aber da kommt wieder das fehlende Geld ins Spiel. Ich habe noch nicht nach solchen Geräten geschaut, weil ich Angst vor der Ausgabe habe.

    Das Handy mit Diktierfunktion zu nutzen sind schon wieder zu viele Schritte, da ich das Handy erst holen oder rausholen muss, dann entsperren, die App öffnen, auf aufnehmen drücken und abspeichern. Es klingt verrückt, aber ich habe wirklich kaum Kapazitäten für mehrere Schritte bei Tätigkeiten, da blockiere ich.

    Am Ende habe ich Zeit für mich, um z.B. beim Stricken runterfahren zu können und Kraft sammeln zu können.

    Da ist das Problem, dass ich ein riesen Problem mit priorisieren habe und es gefühlt unendlich viele Aufgaben gibt, die ich machen müsste und daher kann ich mir nie bewussr eine Auszeit gönnen. Zb meine Selbstständigkeit, da gibt es viel zu tun, aber anstatt, dass ich mir denke, das sind heute die Aufgaben, hab ich das ganze Komplex vor Augen, was unbewältigbar erscheint und keinen Platz für andere Dinge lässt, beim Haushalt genauso und dummerweise ist es auch bei meinen "Hobbys" (in Gänsefüßchen weil ich denen so selten nachgehe) das Gleiche. Wenn ich mal einen freien Slot wahrnehme, dann kann ich mich nicht entscheiden, was ich mache, weil ich so vielen machen möchte und dann bin ich blockiert und scrolle eher durch Youtube oder so...

    Ich mache oft, wenn ich merke, dass ich kaum Kraft habe zu kochen: Nudeln mit Tomatensoße, Griesbrei

    Wenn es um die Kinder geht, ist es für mich einfacher, etwas zu machen, nur für mich steh ich dann da und finde nichts. Nudeln mit Tomatensauce wäre toll, aber die Kids wollen das gerade nicht 😅. Die sind nämlich gerade auch sehr auf wenige Gerichte fixiert, ist gar nicht so einfach.

    Heute hatte ich morgens einen Pfannenkäse und zwischendurch ein paar Nüsse und getrocknete Cranberries, aber mag ich auch nur eine Zeit lang und beim Abendbrot war ich verzweifelt und hab dann ein Schoko Trinkpäckchen mit eingekauft und das getrunken 🙈. Es ist eigentlich total bescheuert alles...

    Man könnte auch beim Sozialpsychiatrischen Dienst Hilfe erhalten, z.B. eine Hilfe für Zuhause beantragen. Vorausgesetzt, dass man sich das vorstellen kann. Ich persönlich konnte das nicht.

    Damit tue ich mich auch schwer, aber vor allem aus Angst, dass ich nicht verstanden und ernstgenommen werde.

    Danke dir für deine Anregungen.


    Was heißt das, dass du so viel anderes machen musst?

    Das heißt, dass ich dann gestresst bin durch den Gedanken, was alles liegen bleibt und durch den Stress habe ich keine Kapazitäten für andere Dinge.

    Mein Nervensystem liegt dann blank und alle weiteren Anforderungen lösen Panik aus und dann reagiere ich mit Fight oder Flight oder einem Meltdown. Ich kann mir selbst nicht erklären, warum das alles solche Probleme sind. Womöglich auch wegen meiner Schwierigkeit zu priorisieren. Wenn die ADHS Medis wirken ist es besser, ich merke, dass sich alles ein wenig sortiert und ich grob besser priorisieren kann. Aber das kommt auch auf die Zyklusphase und die Tagesform an. Und manchmal versinke ich dann auch in einem Hyperfokus.

    Edited once, last by Feloidea: Ein Beitrag von Feloidea mit diesem Beitrag zusammengefügt. (June 9, 2026 at 9:54 PM).

  • Das gute ist, du kennst einen anderen Zustand in dem es besser gelaufen ist.
    Vielleicht nicht perfekt aber anders als jetzt. Zumindest hab ich das rausgelesen. Das bedeutet alles was du tust ist nur auf Zeit bis du dich innerlich sortieren/stabilisieren konntest.

    Ja, den kenne ich. Allerdings sehe ich sehr oft nicht, wann sich das endlich einpegelt. Bzw breche ich oft zusammen, weil ich das Gefühl habe, dass ich das alles niemals schaffen kann. Also den Alltag und das Leben allgemein. Ich fühle mich oft so hilflos und nicht imstande ein selbstständiges Leben zu führen. Ich brauche auch viel zu viele und zu lange Pausen, damit kommen mehr Aufgaben dazu, als ich abgearbeitet habe am Ende.

    Wenn du Hilfe beim essen zusammenstellen brauchst, können evt. wir hier helfen. Da gehts nur um Rezepte, fertige Einkaufslisten oder Vorschläge bei der einfachen Umsetzung.

    Ist ne total komplizierte Sache bei mir momentan, das muss ich tatsächlich selber hinbekommen mit Rezepten und Listen. Vorschläge für die Umsetzung gehen aber.

    Weiss dein Partner von den Problemen? Vielleicht kann er dich bei den Post It's helfen bzw. schauen wie dich weiter entlasten könntest.

    Weiß er und er will mir auch helfen, aber dann weiß ich selber nie wie, oder mir ist es unangenehm, weil ich so kompliziert bin und möchte keine Umstände machen. Auch Blödsinn eigentlich.

    Das mit der Selbstständigkeit wundert mich aber. Ich kenne es so, dass das zeitlich nicht so starr limitiert ist. 😕

    Ja, mich auch. Aber es wurde mir so vermittelt. Normal nur ein halbes Jahr, vielleicht auch länger, das muss man dann schauen. Daher macht mir das auch echt Sorgen.

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