Umzüge, neue Arbeitsplätze, neue Schulen

  • Umzüge, neue Arbeitsplätze, neue Schulen

    Etwas, womit sich manche Asperger-Autist*Innen besonders schwer tun, ist der erzwungene Wohnortwechsel, Schulwechsel, Arbeitsplatzwechsel. Meist ziemlich plötzlich.

    Ich wohnte als 13-jähriger mit meiner alleinerziehenden Mutter in einer Mietwohnung in der Stadt. Es war ein Einfamilienhaus, das vermietet wurde. Dann erbte der Sohn der Vermieter*Innen dieses Haus, und kündigte uns wegen Eigenbedarf. Der Sohn des Vermieters wollte mit seiner Frau selbst dort in dem Haus wohnen.

    Parallel lernte meine Mutter meinen Stiefvater kennen, der hatte ein Haus auf dem Lande. Wir zogen also um von der Stadt aufs Dorf, zu meinem Stiefvater. Das bedeutete für mich, eine komplett neue Nachbarschaft, eine neue Schule, fremde neue Klassenkameraden und ich musste erst lernen, mich in dem fremden Dorf auszukennen, wo welche Geschäfte waren, den Schulweg, welcher Bus fährt zur Schule usw. Dann noch das Heimweh nach der Stadt, wo ich zuvor aufgewachsen war, und die Leute kannte, die Gegend kannte, meine Klassenkameraden kannte etc.

    Ein Umzug über größere Entfernungen in fremde Gegenden, andere Städte oder auch nur andere Stadtteile bedeutet erstmal eine Umstellung, und für Autist*Innen eine mentale Herausforderung. Das Neue, Unbekannte. Man kennt die Menschen nicht, und weiß nicht, wie die neuen Mitschüler*Innen oder die neuen Arbeitskolleg*Innen, die neuen Nachbarn am fremden Ort so drauf sind. Regional gibt es auch noch unterschiedliche Mentalitäten, wenn der Umzug über hunderte Kilometer stattfindet. Auch ein Umzug von der Großstadt aufs Dorf oder umgekehrt ist eine Umstellung. Man lässt Familie und Freunde zurück.

    Als Erwachsener war ich mehrmals umgezogen, über hunderte Kilometer, in einigen Städten und Regionen Deutschlands lebte ich bereits, auch freiwillig, ich wohnte sowohl in der Großstadt als auch auf dem Dorf, immer an Hoffnungen und Erwartungshaltungen geknüpft. Und ich wurde immer wieder in der Fremde enttäuscht, auf die eine oder andere Weise. Letztendlich war ich immer wieder zurück in die Heimat gezogen, und ich wohne jetzt dort in der Nähe, wo ich ursprünglich aufgewachsen war, in der Stadt.

    Schulwechsel sind teilweise erzwungen, auch wenn man am Wohnort bleibt, aber absehbar, z. B. für mich von der Orientierungsstufe in den Realschulzweig der Gesamtschule in der 7. Klasse.

    Arbeitsplatzwechsel können auch ohne Umzug oder Wohnortwechsel erzwungenermaßen nötig sein, auch wenn man sich am alten Arbeitsplatz wohlfühlte und das Gehalt stimmte. Manchmal werden Filialen einer Firma wegrationalisiert, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, oder es wird Stellenabbau betrieben. Gründe gibt es viele.

    Auch an einem neuen Arbeitsplatz weiß man nicht so genau, was einen erwartet. Die Ungewissheit, wird man sich einleben und akklimatisieren und notfalls behaupten können? Leider ist Flexibilität, die heute überall gefordert wird, nicht grade die Stärke von uns Asperger-Autist*Innen.

    Ein Wohnortwechsel kann erzwungen sein, wenn die Vermieter*Innen wegen Eigenbedarf oder Hausverkauf kündigen, und wenn der Wohnungsmarkt im eigenen Wohnort so angespannt ist, (zu wenige freie Wohnungen vor Ort, zu teuer etc.) daß man über größere Entfernung umziehen muss.

    Wenn man eine/n neue/n Partner*In kennengelernt hat, die/der weiter weg wohnt, dann bedeutet das nicht selten neben dem Umzug auch den Arbeitsstellenwechsel.

    Oder, Kinder betreffend, wenn ein Elternteil Jemand kennengelernt hat, und zur Gründung einer Patchwork-Familie ein Umzug ansteht über eine größere Entfernung. Dann müssen die Kinder ebenfalls mit umziehen. Die Kinder müssen sich erst an die neue Stiefmutter/den neuen Stiefvater gewöhnen. Keine Garantie, daß es klappt, daß man sich versteht. Und die neue Schule mit fremden neuen Klassenkameraden für die Kinder.

    Ein Wohnortwechsel steht auch an, falls man eine neue Arbeitsstelle nur in einer fremden, anderen Stadt findet.

    Ein Umzug kann auch eine Verschlechterung bedeuten. Wenn die neue Partnerschaft nicht gut läuft, wenn man auf der neuen Schule oder der neuen Arbeitsstelle mit Mobbing, Anfeindungen und/oder Ausgrenzung konfrontiert wird.

    Aus medizinischer Sicht bedeutet ein Umzug über größere Distanz auch, daß man sich unter Umständen an eine/n neuen Psychologen/In oder Therapeuten/In gewöhnen muß, oder, im Worst Case am neuen Wohnort gar keinen Therapieplatz ergattern kann, und erstmal lange ohne da steht, weil der Andrang auf der Warteliste zu groß ist, in einer größeren Stadt, oder, weil es auf dem platten Land womöglich nicht ausreichend Psychologen/Innen, Therapeuten/Innen gibt.

    Edited 12 times, last by Hannoveraner (June 2, 2026 at 1:06 PM).

  • Schulwechsel und notgedrungene Wohnortwechsel waren für mich auch schwer, wobei ich wenig davon verarbeiten konnte, weil ich überwiegend Chaos im Leben hatte. Das meiste verarbeite ich Jahre später, wenn etwas Ruhe kurzfristig eintritt in Form von Tränen.

    Freiwillige Wohnortwechsel bereiteten mir auch teils Neugier, wobei die Integration in die Nachbarschaft mir schwer fällt, wenn sie konservativ sind. Sowie das Sich-Vorstellen. Aber das mache ich lieber, als ein Dorn im Auge zu sein.
    Und ich habe Schwierigkeiten mir die Gesichter zu merken. Manchmal war ich auch erleichtert die Nachbarschaft zu wechseln, weil ich dahingehend schon so viel vermasselt hatte. Aber das würde kein Primärgrund.

    Freiwillig kamen zwei Umzüge für vergangene Partnerschaften vor, wobei ich da in einem Fall lange überlegte, da ich eigentlich (noch) nicht bereit war, und er hinterher zugab mir Druck gemacht zu haben. Da hatte ich auch geweint und weine auch noch, wenn ich da an meine Wahlheimat länger wieder dran denke. Was aber auch daran liegt, dass ich da 2 von den 4 schönen Jahren meines Lebens hatte.

    Und im anderen Fall nutzte ich den Umzug auch unbewusst als Flucht vor meiner Ausbildung, da ich dort das Tätigkeitsfeld innerhalb des Konzerns wechseln konnte, was Autistenfreundlicher war. Aber ich fand auch die Menschen in einem südlichen Bundesland besonders herzlich, die ich durch die Fernbeziehung kennenlernte. Wohnungen einrichten und umgestalten macht mir auch Spaß. Aber am liebsten wäre es mir gewesen, ich hätte nie meine Pflegepferde verlassen müssen und für immer ein erstes, friedliches Zuhause gehabt. Maximal würd ich bei viel Geld ans Meer oder an einen See ziehen, nachdem geliebte Tiere verstorben sind.

    Arbeitsplatzwechsel bevorzuge ich im Notfall, wenn ich mit dem Kollegium und / oder Vorgesetzten nicht klar komme. In dem Aspekt bin ich ggf. mehr ADHS. Da ich dazu häufig las und sah, dass die sich schwerer unterordnen.
    Jedenfalls halte ich Ungerechtigkeiten oft weniger aus als Situationswechsel,
    wobei ich mein aktuelles Haus nicht mehr aufgeben möchte und dafür wahrscheinlich auch Konflikte ertragen würde. Wie weit weiß ich nicht. Einen ständigen Zaunstreit oder sowas würde ich schwierig aushalten. Kommt drauf an, wie viele Nachbarn anderweitig zu mir oder der Person stünden. Aktuell ist die Wohnsituation aber überall schwierig. Am Ende wäre ein Zaunstreit vielleicht leichter für mich leichter, als schreiende Alkoholiker, laute Großfamilien oder wahnhafte Nachbarn.

    Eine Arbeit zu wechseln empfinde ich aber als leichter, was aber auch damit zu tun haben kann, dass ich mich eh kaum wo wohlfühle beruflich. Die erste Firma in der ich mich dann wohlfühlte wollte ich eigentlich gar nicht aufgeben. Die war mit dem Druck-Umzug verbunden und ich hab auch noch lange von der Firma geträumt und hatte meinem Ex gesagt, dass ich sehr wahrscheinlich dann nicht mehr arbeiten gehen werde, da ich so eine Firma nicht noch mal finde. Allerdings hab ich auch noch ne Weile von der Bahn geträumt, bei der ich Burnout bekam, da die Kollegen und das Jobthema so schön waren + sicherer, gutbezahlter Job. Hart erkämpft durch Probepraktikum mit Umzug, für das ich mich sogar in eine WG quälte, da es da angenehmer als zu Hause war.

    Das Haus in dem wir am längsten lebten aufzugeben hat mich noch viele Jahre in Träume verfolgt. Ich konnte auch lange Zeit nicht mehr durch die Straße fahren. Obwohl das Leben da mit einem Elternteil schwieriger war, als in den Wohnungen zuvor. Vielleicht weil ich da mit meinem Bruder viel schön gespielt hatte. Und man so oder so automatisch nen Bezug zu seinen Eltern hat und diese "Höhle" dann nicht mehr da ist. Schließlich haben Familien viele Jahre nur in der Gruppe zusammen überlebt und zogen zusammen um. Wobei ich sie natürlich auch ohne diesen Aspekt in Bereichen schätze ;).
    Wenn meine Familienmitglieder dann noch weiter umzogen, trauerte ich deren vorherigen Wohnungen auch hinterher. Aber mit diesen Wechseln von Gewohntem kann ich vergleichsweise leichter leben, als mit den Kommunikationsschwierigkeiten generell. Sprich, würd ich die Möglichkeit erhalten, wie ein NT kommunizieren zu können, wenn ich dafür ständig die Wohnung wechseln müsste, vorausgesetzt es gäbe genug Wohnungen, hätte ich mit den Wechseln vermutlich weniger Probleme und teils vielleicht sogar Lust drauf, wie WG-Freudige. Da dem aber nicht so ist, möchte ich meinen sicherern Rückzugsort gern behalten, wenn ich dann mal einen habe.

  • Four dass man mit einem eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung noch gebundener und unflexibler ist, und man daran auch hängt, weil man es sich gezielt mit Liebe am gewünschten Ort ausgesucht und erarbeitet und erspart hat, habe ich gar nicht bedacht. Ich war von meiner Situation ausgegangen, für mich ist ein Haus oder eine Eigentumswohnung utopisch und unrealistisch. Ich war als Erwachsener immer Mieter.

    WG's sind absolut nichts für mich. Ich hatte mit 20 Jahren in Köln in einer Studenten-WG gewohnt und mit über 25 Jahren nochmal in Hannover in einer Studenten-WG. Ich war selbst beide Male arbeitslos. Die Probleme dort in beiden WG's die gleichen; Ich hatte keinen "Draht" (RW) zu den Neuro-Typischen Student*Innen/Mitbewohner*Innen, ich konnte nicht die Disziplin für den Putzplan aufbringen, an der Hygiene in meinen beiden WG-Zimmern und an meiner Körperhygiene hatte es auch gehapert und ich war starker Raucher. Führte zur Verärgerung in beiden WG's.

    Ich brauche meine eigene Wohnung für mich allein. Ich brauche meinen Freiraum für mich. Ich will alleine wohnen, und ich will selbst entscheiden, wann und wie gründlich ich putze, wann ich dusche, wann ich zur Toilette gehe, und ob und wieviel ich zu Hause rauche. WG? Nein danke!

    Edited 2 times, last by Hannoveraner (June 3, 2026 at 8:23 AM).

  • Das Thema Umzüge zieht sich auch wie ein roter Faden durch mein Leben.

    Ich bin zunächst im Osten Deutschlands aufgewachsen. Schon im Vorschulalter gab es keine richtige Beständigkeit. Wir sind mehrfach umgezogen und ich musste mich in verschiedenen Städten zurechtfinden. Der größte Einschnitt kam dann aber im frühen Jugendalter: Weil es für meine Familie jobmäßig schwer war und die Perspektiven fehlten, zog ich mit meiner Familie nach Baden-Württemberg.

    Für mich als Jugendlichen war das erst einmal ein riesiger Kulturschock. In dem Alter ist die Orientierung ohnehin schwierig, aber durch den Wechsel wurde mir erst so richtig bewusst, wie stark sich regionale Mentalitäten und ungeschriebene Regeln innerhalb Deutschlands unterscheiden können. Als Zugezogener steht man da anfangs vor einer unsichtbaren Wand und es ist gar nicht so leicht, dort wirklich Anschluss zu finden.

    Das Schulsystem hat mir anfangs große Probleme bereitet. An meiner alten Schule ist mir der Stoff quasi zugeflogen und ich habe ohne großen Aufwand gute Noten geschrieben. Auf dem Gymnasium in Baden-Württemberg bin ich dann aber erst mal um ein bis zwei Notenstufen abgesackt und musste schließlich auch eine Klasse wiederholen. Das war damals schon ziemlich schwer für mich und es gab Leute, die meinten, ich würde das Abitur dort niemals schaffen. Aber ich habe es am Ende mit einem absolut ansehnlichen Ergebnis bestanden. Wie ich das Ganze letztendlich geschafft habe, ist mir selbst bis heute ein kleines Rätsel. Im Nachhinein sehe ich es als eine Erfahrung, die mich im Endeffekt anpassungsfähiger gemacht hat, auch wenn die Unterschiede natürlich spürbar bleiben.

    Vom Umgang her empfand ich die neue Schule nach einer Weile paradoxerweise als angenehmer. Früher hatte ich eher eine Außenseiterrolle eingenommen und brauchte häufiger Unterstützung, im Süden lief es zwischenmenschlich etwas unkomplizierter.

    Mit Anfang 20 stand dann der nächste große Wechsel an, da ich für das Studium erneut weggezogen bin. Ich habe anfangs eine Zeit lang in einer WG mit mehreren Leuten gewohnt und versucht, mich dort sozial zu integrieren. Auf lange Sicht musste ich mir aber eingestehen, dass das WG-Leben für mich einfach nichts ist. Ich bin dann in ein Studentenwohnheim gezogen, was für mich die deutlich bessere Lösung war.

    Obwohl ich bis dahin eher in kleineren Städten aufgewachsen war, habe ich während des Studiums gemerkt, dass mir das Leben in einer Großstadt viel besser liegt. Das ist für einen Autisten vielleicht erst mal untypisch, da Großstädte ja oft als reizüberflutend gelten. Aber ich empfand Kleinstädte rückblickend oft als recht einengend. Die Menschen dort sind häufig sehr in ihrem eigenen Trott und ihrer Art gefangen. Die Kleinstadt bietet zwar ihre Ruhe, aber die Anonymität und die Möglichkeiten einer größeren Stadt geben mir persönlich viel mehr Freiheit. Deshalb sehe ich meine Zukunft definitiv auch eher in einer größeren Stadt.

    Man kann natürlich nie wissen, wohin es einen beruflich noch verschlägt, da heute überall Flexibilität gefordert wird. Aber nach den vielen Veränderungen in meiner Vergangenheit hoffe ich trotzdem, irgendwann mehr oder weniger mal dauerhaft irgendwo Wurzeln schlagen zu können...

    Edited 16 times, last by Mr. Spock (June 7, 2026 at 8:41 PM).

  • Umzüge haben auch mein Leben schon in der Kindheit begleitet. Das erste Mal zog ich als Kleinkind mit meinen Eltern aufs Land und verbrachte da die Kindergartenzeit und die Einschulung. Im Laufe der Grundschulzeit zogen wir ein paar hundert km in eine Stadt um und ich habe meinen vorigen Wohnort sehr vermisst. Meine Mutter ist später sogar noch einmal mit mir hin gefahren, weil ich so daran hing.

    Beim Wechsel in die weiterführende Schule sind wir wieder in eine andere Region umgezogen, in eine kleine Siedlung am Waldrand, da hat es mir ganz gut gefallen, aber ich musste wieder neue Kontakte knüpfen und kam in die Klasse der Schüler, die in Umland wohnten, also räumlich weit auseinander, was Treffen erschwert hat.

    Mein nächster Umzug fand mitten im Schuljahr statt, wieder in eine Stadt. Das war besonders unangenehm: ich musste wieder neu in der Klasse, in der sich alle schon kannten, einen Platz für mich finden.

    Nach dem Abitur zog ich das erste Mal selbst um, ich wollte in die große Stadt und wohnte da erst einmal bei Verwandten, bis ich schließlich eine eigene Wohnung hatte. Ein begonnenes Studium neben der Berufsausbildung habe ich bald nicht mehr weiter geführt.

    Nach meiner Berufsausbildung wechselte ich aus eigenem Antrieb ein paar Mal den Arbeitsplatz. Ich war bei 3 verschiedenen Firmen bis ich mich mit Ende 20 entschlossen habe, die Stadt zu verlassen und mein Leben zu verändern. Ich zog zu meinem damaligen neuen Partner fast 1000km weit um.

    Mit einer anderen Ausbildung machte ich mich nach einer Neuorientierungszeit dann selbständig. Ab da bin ich zwar auch noch einige Male umgezogen, aber blieb immer in der gleichen Region, so dass ich Kontakte behalten konnte und auch das bekannte Umfeld. Geliebt habe ich es immer, wenn ich Natur um mich hatte. Und der Blick aus dem Fenster war wesentlich für mich: am liebsten viel Grün, Himmel, weiter Blick. Ideal ist für mich Kleinstadtrandlage.

    Schließlich wollte ich unbedingt noch ein Studium machen und zog wieder quer durch Deutschland in ein Wohnheimzimmer für die Studienzeit. Einmal zog ich innerhalb des Wohnheims in ein anderes Zimmer, was eine Verbesserung war. Meine Wohnung habe ich in der Zeit behalten, auch wenn ich nur selten da sein konnte. Nach dem Studium konnte ich dorthin zurückkehren. Ich begann dann mit der neuen Ausbildung an einer neuen Arbeitsstelle.

    Die vielen Umzüge haben Spuren in mir hinterlassen. Sie waren für mich auch auf anderen Ebenen mit Verlusten verbunden. Ich fühle mich bis heute entwurzelt. Ein Leben im Blumentopf. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich wirklich zuhause fühle, am ehesten in der Region, in der ich nun schon lange lebe. Mein Zuhause sind die Sachen in meiner Wohnung, die mich begleitet haben, daher haben sie eine größere Wichtigkeit als für andere Menschen, die oft ihre Wohnung neu einrichten. Mein Nest ist mit der Zeit gewachsen und enthält einiges, das mir in verschiedenen Lebensphasen Halt und Geborgenheit gegeben hat.

    Meine derzeitige Wohnung bewohne ich am längsten in meinem Leben. Sie bietet Blick auf Himmel und Wolken. Ich schrecke vor einem neuerlichen Umzug zurück, obwohl ich gerne einiges anders hätte. Ich weiß noch nicht, was in Zukunft sein wird.

    Edited 2 times, last by Andere (June 7, 2026 at 9:15 PM).

  • In meiner Kindheit sind wir auch sehr oft umgezogen, dadurch bedingt viele Schulwechsel. Jedes mal neue Menschen, neue Umgebung und damit einhergehende Unsicherheiten.
    Sehr schlimm fand ich in diesem Zusammenhang auch immer die Schulwechsel, ich habe immer sehr lang gebraucht, bis ich mich eingefunden habe und noch viel länger bis ich auch nur ansatzweise Anschluss fand.

    Am schlimmsten war unser erster Umzug, da war ich sieben Jahre alt und wollte nicht aus meiner Umgebung weg.
    Bis dahin haben wir in einer eher wohlhabenden Wohnsiedlung am Stadtrand einer großen Stadt gelebt und sind auf's Land, wirklich Hinterland, gezogen und es war ein Kulturschock. Die Umgangssprache, das Verhalten, eigentlich alles entsprach nicht dem was ich gewohnt war.

    Das Gefühl, das Andere beschreibt, entwurzelt zu sein trifft es sehr gut. Ich habe seit dem nie wieder das Gefühl von 'Zuhause' gehabt.

    Dum spiro, spero, sed realitatem agnosco.

  • Die vielen Umzüge haben Spuren in mir hinterlassen. Sie waren für mich auch auf anderen Ebenen mit Verlusten verbunden. Ich fühle mich bis heute entwurzelt. Ein Leben im Blumentopf. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich wirklich zuhause fühle, am ehesten in der Region, in der ich nun schon lange lebe.

    Geht mir genauso. Find es auch immer schwierig, die Frage zu beantworten, was denn nun eigentlich meine "Heimat" ist. Diese Heimatverbundenheit und Verwurzelung, die viele Menschen haben, kommt mir eher fremd vor.

    Wobei ich schon sagen muss, dass ich ganz gerne hier im Süden lebe. Möchte jedenfalls nicht mehr an meinen alten Herkunftsort zurück.

    Edited once, last by Mr. Spock (June 8, 2026 at 11:45 AM).

  • Heimatverbundenheit und Verwurzelung, die viele Menschen haben, kommt mir eher fremd vor.

    Wobei ich schon sagen muss, dass ich ganz gerne hier im Süden lebe. Möchte jedenfalls nicht mehr an meinen alten Herkunftsort zurück.

    Mit dem Heimatbegriff kann ich auch nicht viel anfangen. Meine Herkunftsregion zieht mich jedenfalls auch nicht mehr an.

  • Ich bin kürzlich umgezogen. Zehn Jahre habe ich an meinem alten Wohnort verbracht, den ich jetzt verlassen habe, da es in meinem Bereicv absolut keine Arbeit gab. Mein neues Domizil habe ich im Südwesten gefunden, in einer größeren Stadt. Dort arbeite ich jetzt auch und plane, hier nicht mehr zu verschwinden.

    Überhaupt war es mit Arbeitsplätzen in der Vergangenheit immer so eine Sache, ich war nie wirklich länger als zwei Jahre in einem Unternehmen, meist viel kürzer und mit vielen, auch längeren Pausen zwischen den einzelnen Stellen. Das hat mich schon immer genervt und ich bin froh, endluch wieder arbeiten zu können.

    An die neue Umgebung habe ich mich noch nicht so gewöhnt, hier ist halt alles anders, die Leute reden komisch mit Akzent, die Wege sind länger und für's Fahrrad bin ich noch zu unsportlich, aber da arbeite ich dran. Bin nicht fett oder so, sondern einfach nicht mehr mit Kondition gesegnet 🙈

  • Ich bin kürzlich umgezogen.

    Umzüge sind immer anstrengend und auch das Eingewöhnen.

    Wünsche Dir viel Glück an Deinem neuen Wohnort und mit der neuen Arbeit!

    Überhaupt war es mit Arbeitsplätzen in der Vergangenheit immer so eine Sache, ich war nie wirklich länger als zwei Jahre in einem Unternehmen

    Habe selber lange Zeit, bis ich meine Frau fand und eine Familie gegründet habe, ‘Job-Hopping‘ betrieben und bin jetzt seit fast neun Jahren bei einem Arbeitgeber.

    Dum spiro, spero, sed realitatem agnosco.

  • Meine erste schwere Depression bekam ich mit 20 als ich vom Land in die Großstadt zog, zum ersten Mal mit einem Partner. Da habe ich im Vorfeld Panikattacken gehabt und wollte das eigentlich nicht, wusste aber nicht wie ich da wieder raus komme, zuhause konnte ich auch nicht mehr leben.

    Also ja, kenne ich.

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