• Kennt ihr Videos, Bilder, Texte (auch eigene) die für euch eure Wahrnehmung gut darstellen?


    Ich frage bewusst nicht nach "autistischer Wahrnehmung" da ich durch meine Psychiatrieaufenthalte von anderen Patienten weiß, dass die Wahrnehmungsphänomene die ASS-Diagnostizierte von sich beschreiben, auch von Menschen anderen Diagnosen beschrieben werden (Angststörungen, Borderline, Schizophrenie um nur ein paar Beispiele zu nennen).

    Wenn sich also Verdachtsautisten hier wiedererkennen: das beweist nichts.


    Und macht euch keineGedanken wenn eure Wahrnehmung von anderen ASS-Diagnostizierten abweicht. Das ist meiner eigenen Erfahrung nach normal (auch wenn es "Cluster" bzw "Typen" gibt, die ASS-Diagnose beschreibt StörungEN, ist eine Sammeldiagnose, nicht bei allen ist das selbe im Gehirn anders!). Auch ist es extrem schwer seine Wahrnehmung anderen nahezubringen und Missverständnisse sind sehr häufig. Im Austausch wird es klarer und präziser.


    Meine Wahrnehmung den "Neurotypischen" (und auch anderen Autisten) zu beschreiben war jahrelang ein wichtiges Thema für mich.

    Es ist ein sehr deutliches Symptom bei mir das mein Leben mit am stäksten einschränkt, aber von außen sieht man es nicht und niemand bemerkt es. Da hatte ich die Sehnsucht, dass andere sehen (vorallem Nahestehende Personen) mit was ich mich herumschlagen muss und wie anstrengend das ist.


    Interessant sind auch wissenschaftliche Beschreibungen (leider ist mir durch die Forum-Katastrophe einiges verlorengegangen).


    Ich fange mal ganz simpel an mit zwei Bildern (eigene). Sage bewusst nichts dazu damit ungetrübt ist was ihr dazu denkt.

  • Ich weiß nicht, ob es thematisch in diesen Thread passt, doch ich hatte als Kind eine abweichende autistische Wahrnehmung bezüglich Menschen, Musik, Geographie und z. B. Monaten.

    Menschen: manche Menschen mit einem Charakter oder Darstellung, die ich damals als Kind und Jugendlicher besonders faszinierend fand, in welcher Hinsicht auch immer, während ich andere Menschen weniger wahrgenommen habe. Ist unfair, ich weiß. Schubladen-Denken.

    Musik: für mich gab es sogenannte "systemrelevante Lieder", und durchschnittliche Songs. Weiß nicht wie ich es sonst beschreiben soll. Hatte ich mir als Kind nicht bewußt ausgesucht, aber manche Lieder haben sich in meiner Kindheit in meinem "Gedächtnis mehr eingebrannt" (RW) als andere. Natürlich spielte mein damaliger Musikgeschmack eine Rolle.

    Geographie: Meine Heimatstadt Hannover hatte ich als Kind eher unspektakulär wahrgenommen, mittelgroß, nichts aufregendes. Während ich Reiseziele als aufregend wahrgenommen hatte. Hamburg, die alles überstrahlende Metropole im Norden, das Portal zur Nordsee und Ostsee, Schleswig-Holstein und Dänemark. Der Norden liegt auf Landkarten meist oben, was ich ansprechend fand. Hamburg hat eine faszinierende U-Bahn und S-Bahn. Eins meiner Spezial-Interessen (SI).

    Köln und das Ruhrgebiet, je näher ich von Hannover aus an Köln heran fuhr, desto faszinierender, jede größere Stadt unterwegs in NRW wie eine Benchmark, wieder eine weitere Etappe geschafft auf der Fahrt nach Köln. Damals als aufregend empfundene Industriebauten im Ruhrgebiet, und davon jede Menge. Die S-Bahn im Ruhrgebiet und in Köln war spannend für mich, damals gab es noch keine S-Bahn in Hannover. Und die U-Bahn in Köln. Größere Bahnhöfe im Ruhrgebiet und in Köln, imposante Bahnhofshallen, größere breitere Autobahnen im Ruhrgebiet, die A 1 liegt am Kamener Kreuz oben, also wichtiger, Autobahn-Tunnel im Ruhrgebiet, und vor allem die A 3 in Köln früher beleuchtet gefühlt wie eine Reihe Weihnachtsbäume, die Straßenbeleuchtung. Und Köln hat auch Großstadt-Flair.

    Meine autistische Verknüpfung von Musik und Geographie. Meine Mutter in Hannover hörte einen regionalen Radiosender für 40-Jährige, bei dem ich die Musik damals nicht so toll fand, während meine ältere Schwester einen flotten Radiosender für Junge Erwachsene im Auto-Radio hörte. Das brachte mich zu der falschen Annahme, in Köln würde bessere Musik gesendet und gehört als in Hannover. Natürlich falsch, überall gibt es die selbe Musik.

    Ich ging sogar in Köln in den Plattenladen World of Music/WOM, um nachzusehen, ob es Lieder und Interpreten, die ich von zu Hause aus Hannover kannte, auch in Köln gibt. Ich hörte dann dort in Köln im Laden CD's probeweise.

    Heute mag ich auch Oldies, die ich früher als Kind nicht mochte.

    Meine kindliche autistische Verknüpfung mit Fernsehen und Geographie; an Weihnachten kam auch damals in meiner Kindheit spezielles Fernseh-Programm, das mir damals gefiel, Komödien etc., welches ich mit Weihnachten in Köln verknüpfte. Keine Problem-Filme, keine nervigen Serien, die meine Mutter zu Hause in Hannover schaute. Mein Gedächtnis machte daraus; besseres TV-Programm in Köln. Natürlich falsch, da alle TV-Sender deutschlandweit ausstrahlen.

    Als Kind war ich noch zu unreif, um den Wert mancher Filme zu erkennen.

    Meine damalige autistische Verknüpfung von Menschen mit Geographie; zu Hause in Hannover - Mobbing in der Schule, Stress in der Nachbarschaft. In Köln in den Schulferien, keine Probleme, erst recht nicht mit fremden Menschen auf der Straße. Kölner*Innen sind weltoffen, tolerant und gesprächig. Ich hatte in Köln so gut wie immer mit Erwachsenen zu tun.

    Kinder und Jugendliche (Neuro-Typische) und deren Humor und Interessen empfand ich damals als Kind/Jugendlicher eher peinlich. Ich fühlte mich mehr zu Erwachsenen hingezogen, auch zu älteren Leuten.

    Meine spätere Erfahrung als Erwachsener, der Alltag ist überall gleich, und seine Probleme nimmt man quasi überall hin mit wie einen Umzugskarton.

    Ich prägte mir dann ein, Lied 1, Lied 2, Lied 3 hatte ich in dieser Reihenfolge zuerst in Köln gehört, und in Hannover vielleicht in der Reihenfolge Lied 3, Lied 2, und Lied 1 dann gar nicht mehr in Hannover gehört. So ungefähr. Wie die Lieder im Radio gespielt werden, ist jedoch reiner Zufall. Genau so wie es reiner Zufall ist, ob ich oder Jemand anders gerade das Radio an habe oder nicht.

    Monate: Juni, der Monat meines Geburtstages ist oder war quasi hypnothisch für mich, positiv besetzt. Ich prägte mir ein, welche Menschen ich in dem Monat traf, welche Filme und Serien im Juni liefen, wo ich im Juni hingereist war.

    Das Gegenstück: der Dezember, ich war als Kind mal im Dezember mit einer Mitschülerin in der Orientierungsstufe aneinander geraten, und ich hatte mal Stubenarrest im Dezember. Eher negativ besetzt, trotz Weihnachtszeit und Schnee, aber für den Dezember galt für mich das selbe wie für den Juni, welchen Menschen im Dezember begegnet, welche Filme/Serien im Dezember gesehen, wohin verreist im Dezember. Alle anderen Monate neutral trotz positiver und negativer Ereignisse.

    Meine autistische Verknüpfung von Monaten und Geographie; im Juni hatten manchmal bereits die Sommerferien begonnen, ergo ging es Richtung Nordsee. Im Dezember zu Weihnachten dagegen nach Köln zur Familie mütterlicherseits. Ich konnte mir als Kind nicht vorstellen, wie es wäre, Weihnachten an der Nordseeküste zu verbringen. Oder umgekehrt, wie es im Sommer in Köln wäre. Ich wollte dann unbedingt mal im Dezember nach Hamburg, z. B.

    Als Kleinkind hatte ich eine Art Spielzeug-Uhr aus Holz glaube ich, oder eine Therapeutin hatte so etwas, zum Zählen lernen, darauf hatten die Zahlen unterschiedliche Farben. So verband ich die Zahlen 1, 2, 3, 4 etc. mit unterschiedlichen Farben. Kann mich aber nur dunkel erinnern.

    Das war aber typisch Aspie, als ich Kind war. Einem/Einer Neuro-Typischen wäre das alles egal, und sie/er würde sich das nicht merken (wollen).

    Edited 34 times, last by Hannoveraner (May 31, 2026 at 10:10 AM).

  • Jemand erzählt etwas über: A

    Dann erzählt die Person etwas über: B

    Und wo die meisten Personen denken, jaja, AB, denke ich dann, so spannend ist dieses A, und auch das B ist sehr interessant. Eventuell mache ich dann eine Verbindung zu Q, das in einem Detail zu A passt und D hat eine ähnliche Farbe wie B und so finde ich auch meistens Zusammenhänge, bloss häufig andere als die anderen.

  • Was ich meinte war mehr die Sinnesverarbeitung.

    Zum Beispiel, häufig bei AS gelesen/gehört

    • Bestimmte Geräusche werden als unerträglich laut wahrgenommen (Zb Martinshorn, Motorrad)
    • Zu hell (Betroffene wohnen in abgedunkelten Wohnungen, tragen Sonnenbrille)
    • Geräusche können nicht gefiltert werden zb es kann kein Gespräch geführt werden wenn der Fernseher im Hintergrund läuft
    • Wahrnehmung von Details (Nummernschilder, ein Schneckenhaus auf dem Weg... In Foto Threads von Aspergern dominieren Nahaufnahmen winziger Gegenstände)

    Edited once, last by Neoni (May 30, 2026 at 4:45 PM).

  • Ich sehe die Welt oft etwas verschwommen, wenn ich reizüberflutet bin. Früher kannte ich den Begriff „Reizüberflutung“ gar nicht und habe das immer einfach als meine „komische Wahrnehmung“ bezeichnet. Dieses Phänomen begleitet mich schon sehr lange.

    Vor etwa sechs Jahren habe ich mir deshalb sogar solche Sorgen gemacht, dass ich mich neurologisch untersuchen ließ. Aus Angst vor einem Hirntumor wurde damals auch ein MRT gemacht (glücklicherweise ohne Befund).

    Die Wahrnehmung ist nicht ständig so, aber besonders häufig tritt sie an neuen Orten auf. Mit der Zeit kann ich mich an eine Umgebung gewöhnen, sodass das verschwommene Sehen wieder nachlässt. Wenn diese Wahrnehmungsveränderung auftritt, fühlt es sich für mich vor allem nach Kontrollverlust an.

    Eine Zeit lang habe ich mein Studium fast vollständig remote absolviert und mich von möglichst vielen Reizen isoliert. Mittlerweile kann ich wieder etwas häufiger in die Uni gehen. Ich habe nur an zwei Tagen pro Woche Präsenzveranstaltungen. Einer der Kurse ist mir zwar immer noch etwas zu „wuselig“, aber es ist zumindest aushaltbar.

    Alleine zu reisen fällt mir dagegen sehr schwer. In solchen Situationen läuft oft vieles schief, weil meine Wahrnehmung so stark beeinträchtigt ist. Ich verliere die Orientierung, finde Ausgänge nicht mehr, laufe gegen Gegenstände oder kann Schilder nicht mehr richtig lesen. Mein Partner muss mich in solchen Situationen häufig regelrecht durch die Umgebung lotsen.

    Während eines Praktikums musste ich für verschiedene Termine immer wieder zu anderen Instituten gehen. Jedes Mal ein neuer Ort und jedes Mal diese verschwommene Wahrnehmung. Bei einem Akustikversuch sollten wir Kopfhörer aufsetzen und verschiedene Töne anhören. Die Geräusche waren für mich so unangenehm, dass ich sofort merkte, wie sich mein Sichtfeld veränderte. Ich war kurz davor zu weinen und wollte den Versuch eigentlich abbrechen. Ich habe kaum noch etwas von meiner Umgebung mitbekommen und zuhause schließlich eine richtige Krise bekommen.

    Besonders in sozialen Situationen habe ich oft das Gefühl, gleichzeitig schlecht zu hören und verschwommen zu sehen. Obwohl ich mich sehr bemühe, Gesprächen zu folgen, gelingt mir das häufig nicht, weil die Umgebung zu laut ist. Die Geräusche tun mir regelrecht in den Ohren weh. Einen Hörtest habe ich bereits machen lassen, der völlig unauffällig war.

    Ähnlich ist es bei Gerüchen. Wenn etwas zu intensiv riecht, wird mir teilweise übel oder ich muss mich sogar übergeben – selbst dann, wenn der Geruch an sich gar nicht unangenehm ist. Das Problem ist nicht der Geruch selbst, sondern die Intensität des Reizes.

    Diese Wahrnehmungsprobleme waren letztlich auch einer der Hauptgründe, weshalb ich mit 21 Jahren wieder eine Therapie begonnen habe. Anfangs wurde das Ganze eher Trauma oder Dissoziation zugeordnet. Allerdings gibt es keinen spezifischen Trigger und auch keine belastenden Erinnerungen, die dadurch ausgelöst werden. Es scheint vielmehr der Reiz selbst zu sein, der diese Reaktion hervorruft.

    Mit Licht habe ich ebenfalls Schwierigkeiten. Oft empfinde ich Umgebungen als zu hell. Gleichzeitig mag ich Sonnenbrillen nicht besonders, weil dann wieder alles zu dunkel wirkt und ich das Gefühl habe, nicht mehr richtig sehen zu können.

    Noise-Cancelling-Kopfhörer trage ich inzwischen praktisch ständig. Anders komme ich mit meiner Hyperakusis kaum zurecht. Bestimmte Geräusche machen mich regelrecht wütend – besonders Autolärm oder Kaffeemaschinen gehören dazu.

    Das erste Bild erinnert mich tatsächlich ein wenig an diese „verschwommene“ Wahrnehmung. Es wirkt leicht überbelichtet, kontrastarm und irgendwie so, als würden verschiedene Sinneseindrücke ineinander verschwimmen. So ähnlich fühlt es sich für mich an, wenn alles zu hell wird und mein Gehirn die vielen Eindrücke nicht mehr richtig voneinander trennen kann.

    Das zweite Bild erinnert mich dagegen eher an einen Wald – wahrscheinlich wegen der Grün- und Blautöne zwischen den Blättern. Die Umrisse sind nicht klar erkennbar, aber genau das macht irgendwie den Eindruck aus. Viel mehr kann ich dazu gar nicht sagen, außer dass ich die Farben wirklich schön finde.

  • Ich habe ein Beispiel, ich war mit einer Bekannten spazieren und es war gerade wohl die Zeit für eine bestimmte Blüte, jedenfalls fielen die ganze Zeit von den Bäumen irgendwelche Blüten und flogen herum, es war fast, als würde es schneien.

    Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Gehen, weil ich wegen der ganzen Bewegungen durch die Blüten um mich herum Gleichgewichtsprobleme hatte. Meine Bekannte hingegen schien die Blüten nicht einmal sonderlich zu registrieren. Ich hatte das Gefühl, wenn ich dem noch lange ausgesetzt bin, kriege ich ein Problem (gerate in Panik).

    Mit Geräuschen und zuviel Bewegung gleichzeitig meinerseits und um mich herum ist es so, dass ich alles um mich herum (bzw. ich bin Teil davon) wie ein großes Chaos wahrnehme. Zum Beispiel wenn im Geschäft Musik läuft, Leute herum wuseln und an der Kasse die Kassiererin alles sehr schnell macht und ich dann auch schnell mache, um hinterher zu kommen - dabei fällt mir dann oft etwas herunter. Hier sind es wieder die vielen schnellen Bewegungen, und hinzu kommt die Geräuschkulisse.

    Vielleicht kann ich ein anderes Mal noch weitere Bereiche beschreiben.

    Edited once, last by Lefty (May 30, 2026 at 4:58 PM).

  • Das mit den Blüten kenne ich auch bzw ich kenne es wenn es dicke langsame Flocken schneit dann wird mir irgendwie "schwindlig".


    Und ich glaube auch dass mein Hirn Probleme haben könnte mit Bewegungssehen zb beim Treppensteigen verwirrt mich oft das Streifenmuster das die Stufen bilden, welches sich auch noch (scheinbar) bewegt weil man sich ja selbst bewegt. Besonders stark merke ich das in wuseligen lauten Umgebungen wie Bahnhöfen. Wenn das stark ist muss ich langsam und nah dem Geländer gehen. Gehen auf Rolltreppen ist jedesmal auch echt ne Herausforderung.

  • Achja und ich bin mal seekrank geworden beim Surfen.

    Bei Details kommt es drauf an. Ich weiß wann die Mutter meiner Klavierlehrerin Geburtstag hat (11.06), aber ich merke nicht, wenn mein Bruder im Familienauto fehlt.

  • Das erste Bild sind 4 Fotos auf einem Innenstadt-Platz, und dann übereinander belichtet. Das stammt sogar noch aus einer Zeit Jahre vor dem Autismus-Verdacht bei mir.


    Das zweite ist wirklich ein Wald. Viele mit AS finden Wald entspannend aber optisch ist er für mich genauso "dicht" wie ein Supermarkt-Regal. Wenn dann noch Wind ist und sich alles bewegt...


    ........

    Ich habe zwar G und B im Behindertenausweis (noch...) aber ich bin schon allein verreist und irgendwie habe ich das immer hinbekommen auch wenn ich mich verlaufen habe, gestolpert bin oder Leute angestoßen habe oder die Zuganzeige nicht mehr lesen konnte. Irgendwie bin ich da trotz dieser Probleme doch Recht lebensfähig.

  • Bei mir sind die untereinander dargestellt, du meinst die Stadt?

    Ja analog im Fotolabor. Ich musste das im Studium lernen. Beinah hätt ich damals deswegen abgebrochen, ich hab da große Orientierungsprobleme gehabt im Dunkeln mit diesem orangen Licht, und Panik. Erst als ich mir das Labor mal bei normalen Licht genau einprägen konnte ging's.


    Das zweite ist auch analog. Mit Pinsel.

  • Besonders stark merke ich das in wuseligen lauten Umgebungen wie Bahnhöfen. Wenn das stark ist muss ich langsam und nah dem Geländer gehen.

    So ist es bei mir auch, bzw. gehe ich bei einer Unterführung dann nah an der Wand entlang.

    Ich nehme, wenn ich darüber nachdenke, an, dass der Hauptfaktor meine eigene Bewegung ist, wenn ich statisch bin, sind die Bewegungen um mich herum nicht so schlimm, wie wenn ich selbst mich auch noch bewege. Ist es somit einfach ein Problem mit dem Gleichgewichtssinn?

    Tom Harrendorf hat mal gesagt, er dachte immer, er hätte keine Wahrnehmungsbesonderheiten, bis er erfuhr, dass der Gleichgewichtssinn auch darunter fällt, und da hat er Probleme.


    Das zweite ist wirklich ein Wald. Viele mit AS finden Wald entspannend aber optisch ist er für mich genauso "dicht" wie ein Supermarkt-Regal. Wenn dann noch Wind ist und sich alles bewegt...

    Das kann ich gut nachvollziehen, ich liebe es im Wald und bekomme da Energie, aber ich bin auch hinterher reizüberflutet. Ich schaue schon immer hauptsächlich auf den Boden beim Gehen, im Wald sind viele tolle Dinge auch auf dem Boden, sodass ich viele Glücksgefühlerlebnisse habe. Ich bekomme gerade nicht alles sortiert, was ich sagen will, ich kann das Erleben nicht in ein paar kurze Aussagen packen.

    Edited once, last by Lefty: Ein Beitrag von Lefty mit diesem Beitrag zusammengefügt. (May 30, 2026 at 6:04 PM).

  • Ich nehme, wenn ich darüber nachdenke, an, dass der Hauptfaktor meine eigene Bewegung ist, wenn ich statisch bin, sind die Bewegungen um mich herum nicht so schlimm, wie wenn ich selbst mich auch noch bewege. Ist es somit einfach ein Problem mit dem Gleichgewichtssinn?

    Kann ich dir auch nicht sagen. Wird kaum geforscht, die konzentrieren sich alle auf die sozialkommunikativen Aspekte...

    Bei Schizophrenie gibt es da viele Forschungen (zb entsteht das Gefühl fremdbestimmt zu werden durch ein Problem des HIrns, eigene Bewegungen wahrzunehmen) aber bei Autismus nur das übliche zu laut / zu hell.


    Ich habe auch große Probleme wenn sich um mich herum alles bewegt aber ich selbst still sitze, wobei es schlimmer ist wenn ich mich selbst auch bewege (die "Kamera" sich bewegt quasi).

    Wir haben direkt vor dem Balkon einen großen Baum und wenn es windig ist, dann bekomme ich manchmal schon vom nur auf dem Balkon sitzen Nebel im Kopf. Kann aber auch von den Geräuschen kommen der Blätter im Wind.

    Aber ich kann mich gerade an eine Situation erinnern in der Psychiatrie, draußen im Garten ein windiger Tag im Frühling und dieses Schwanken der Pusteblumen im Wind hat mich komplett vernebelt. Konnte es echt damals nur an windstillen Tagen draußen aushalten.

    Tom Harrendorf hat mal gesagt, er dachte immer, er hätte keine Wahrnehmungsbesonderheiten, bis er erfuhr, dass der Gleichgewichtssinn auch darunter fällt, und da hat er Probleme.

    Bist du auch empfindlich bei Fahrgeschäften, Kettenkarussel usw? Bei mir ist das extrem, schon als Kind hat das bei mir Panikattacken ausgelöst. Auf einer Schaukel schaukeln finde ich auch meist unangenehm, dieser Moment der Schwerelosigkeit in der Kehre (wie im Aufzug).


    Bei mir ist das alles aber auch irgendwie verknüpft, zb ist es zu laut und der Klangteppich zu vielfältig kann es passieren dass ich motorisch ungeschickt werde (bin ich normalerweise nicht), Leute anrempele weil ich die Entfernung zu ihnen irgendwie nicht mehr richtig einschätzen kann.

    Edited once, last by Neoni (May 30, 2026 at 6:29 PM).

  • Ja, die Stadt. Ich habe selbst nur ein bisschen analog fotografiert. Irgendwann war ich dann aber zu faul, den Film entwickeln zu lassen. Tatsächlich liegen bei mir sogar noch ein paar unentwickelte Filme von vor fünf oder sechs Jahren herum, und ich habe inzwischen keine Ahnung mehr, was überhaupt darauf zu sehen ist.

    Das mit dem Labor klingt allerdings wirklich belastend. Hättest du die Bilder nicht auch zuhause entwickeln können? Mein Freund hat das einmal gemacht, allerdings nur mit Schwarz-Weiß-Film.

    Ich liebe den Wald. Ich mag den Geruch, die Stimmung und vor allem den Lichteinfall zwischen den Bäumen. Als Kind war ich nach der Schule oft stundenlang im Wald unterwegs. Ich bin viel gewandert und habe auch schon mehrfach draußen in der Natur bzw. im Wald übernachtet (siehe Bilder).

    Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man dort ein Gefühl von Enge oder Unruhe bekommt, wenn sich zu viel bewegt – besonders bei Wind. Für mich ist die Natur dagegen meistens deutlich weniger reizüberflutend als eine Stadt oder andere belebte Umgebungen.

    Das Schwierige ist eher, überhaupt erst dorthin zu kommen. Um in die Natur zu gelangen, muss ich mich meist zunächst vielen anderen Reizen aussetzen. Meine Therapeutin hat mir zum Beispiel geraten, jeden Tag spazieren zu gehen. Das Problem war allerdings, dass allein der Weg zum Park für mich schon so reizüberflutend war, dass ich zuhause angekommen erst einmal völlig fertig war und mich teilweise sogar fast übergeben musste.

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  • Wenn sich also Verdachtsautisten hier wiedererkennen: das beweist nichts.

    Ich erkenne mich nicht wieder und es beweist nicht. Ich wüsste nichtmal was.

    Was ich weiss, seitdem ich weniger dissoziiere, hab ich deutlich mehr Probleme draussen. Ich wohne ländlich. Die Vogelgezwitcher ist zu laut, die Umgebung zu hell usw. Das ist für mich in der Tragweite neu, weiss aber von Depersonalisation schon vor dem 7 Lebensjahr. Ohne Sonnenbrille wird mir nach 15 min übel und ich bekomme stechen im Kopf. Wenn ich es schaffe mich auf Musik zu konzentrieren oder Sonnebrille trage, ist es Inordnung. Nach kurzer Zeit gehts besser aber wirklich weg erst in einer Stunde.

    Ich hoffe das pendelt sich irgendwann wieder ein.
    Jetzt gehe ich mal ne Runde biken. Mit Sonnenbrille und Musik!

    "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Mir fällt noch ein Beispiel ein. Vor einem Jahr wollte ich eigentlich nur in die Buchhandlung gehen, um mir ein Buch zu kaufen. Allein das Betrachten der vielen Bücher in den Regalen hat bei mir jedoch dieses typische „Nebelgefühl“ und einen starken Orientierungsverlust ausgelöst. Irgendwann war ich so überfordert, dass ich nicht einmal mehr den Weg nach Hause gefunden habe, obwohl ich mich in meiner eigenen Stadt eigentlich sehr gut auskenne. Am Ende musste ich sogar Google Maps benutzen, um zurückzufinden.


    Probleme mit dem Gleichgewichtssinn habe ich weniger beziehungsweise nicht so ausgeprägt. Die einzige Ausnahme war bisher der Surfkurs – da wurde mir ziemlich übel. 😅

    Autofahrten haben mir früher oft Probleme bereitet, sodass ich regelmäßig Reisetabletten nehmen musste. Ansonsten vertrage ich Bewegung aber eigentlich gut. Achterbahnen fahre ich sogar gerne und schaukeln mag ich bis heute.

    Wenn ich überfordert bin, gehe ich manchmal nachts auf einen Spielplatz, lege mich auf eine dieser großen Netzschaukeln zum schaukeln und höre Musik dabei. Das hat etwas Beruhigendes und hilft mir dabei, wieder runterzukommen.

    Edited 2 times, last by SecretDream: Ein Beitrag von SecretDream mit diesem Beitrag zusammengefügt. (May 30, 2026 at 6:51 PM).

  • Ohne Sonnenbrille wird mir nach 15 min übel und ich bekomme stechen im Kopf.

    Kann auch neurologisch sein (zb Migräne dabei ist man sehr licht- und geräusch empfindlich + Übelkeit).

    Ich erkenne mich nicht wieder und es beweist nicht. Ich wüsste nichtmal was.

    Dass man ASS hat. Das beweist es nicht. Weil viele dieser Phänomene habe ich auch schon berichtet gehört von anderen Psychiatriepatienten die keine Autisten waren.

    Die Gefahr besteht dass einer mit ASS-Verdacht hier liest, denkt: hey das habe ich auch ich muss Autist sein. Und dann ist die Diagnose trotzdem negativ.

    Nur ne Vorsichtsmaßnahme damit Leute sich nicht verennen.

    Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man dort ein Gefühl von Enge oder Unruhe bekommt, wenn sich zu viel bewegt – besonders bei Wind. Für mich ist die Natur dagegen meistens deutlich weniger reizüberflutend als eine Stadt oder andere belebte Umgebungen.

    Es ist bei mir keine Enge oder Unruhe sondern Nebel und Erschöpfung.

    Aber ich finde immer die meisten Pilze!

    e ist eher, überhaupt erst dorthin zu kommen. Um in die Natur zu gelangen, muss ich mich meist zunächst vielen anderen Reizen aussetzen. Meine Therapeutin hat mir zum Beispiel geraten, jeden Tag spazieren zu gehen. Das Problem war allerdings, dass allein der Weg zum Park für mich schon so reizüberflutend war, dass ich zuhause angekommen erst einmal völlig fertig war und mich teilweise sogar fast übergeben musste.

    Habe das nie verstanden was der Unterschied sein soll zwischen einem Stadt-Reiz und einem Natur-Reiz.

    Sind es die Menschen die dich so stressen?


    Ich liebe den Wald. Ich mag den Geruch, die Stimmung und vor allem den Lichteinfall zwischen den Bäumen. Als Kind war ich nach der Schule oft stundenlang im Wald unterwegs. Ich bin viel gewandert und habe auch schon mehrfach draußen in der Natur bzw. im Wald übernachtet (siehe Bilder).

    Habe eine Vorliebe für karge Landschaften und hatte Fotos von Chile oder der Mongolei an der Wand.

  • Es ist bei mir keine Enge oder Unruhe sondern Nebel und Erschöpfung.

    Aber ich finde immer die meisten Pilze!

    Okay. Weil du meintest der Wald ist so "dicht" wie ein Supermarktregal.

    Habe das nie verstanden was der Unterschied sein soll zwischen einem Stadt-Reiz und einem Natur-Reiz.

    Sind es die Menschen die dich so stressen?

    Natur empfinde ich generell als deutlich weniger intensiv. Die Farben gefallen mir besser, weil sie harmonischer ineinander übergehen. Im Wald ist zum Beispiel vieles einfach „grün“, auf einem verschneiten Berg dominiert das Weiß und bei Sonnenuntergängen sind es eher warme Rot und Orangetöne. Die Eindrücke wirken auf mich weniger abrupt und insgesamt vorhersehbarer.

    Selbst Bewegungen in der Natur kann ich oft besser einordnen. Wellen bewegen sich wie Wellen, Wind bewegt Blätter und Äste – das wirkt für mich irgendwie logisch und erwartbar. In der Stadt ist das anders. Dort stören mich schon die Autos, der Lärm, die Gerüche und die vielen Bewegungen von außen. Visuell kann mich das alles schnell überfordern.

    Menschen an sich stören mich eigentlich nicht, außer sie reden. 😅 Spaß beiseite. Da kommt es wirklich sehr auf die Person und vor allem auf das Gesprächsthema an. Grundsätzlich bin ich sogar gerne unter Menschen. Wenn ich zu lange allein bin, fühle ich mich eher einsam.

    Interessanterweise lösen manche Menschen bei mir auch dieses „Nebelgefühl“ aus. Manchmal habe ich dann das Gefühl, nicht mehr richtig Deutsch sprechen zu können, obwohl ich die Sprache natürlich fließend beherrsche. Früher habe ich mir das immer mit meiner Zweisprachigkeit erklärt. Ich dachte, dieses Gefühl käme daher, dass ich mit zwei Sprachen aufgewachsen bin und deshalb manchmal das Gefühl habe, keine von beiden wirklich vollständig zu beherrschen und zu verstehen.

    Z.B Das Gespräch mit der Diagnostikerin hat bei mir diesen Nebel extrem ausgelöst. Ich hatte das Gefühl, kaum zu verstehen, was sie meinte. Ähnliche Situationen kenne ich auch aus anderen Gesprächen. Es hängt dabei aber stark vom Thema ab. Wenn das Gesprächsthema für mich schwer greifbar ist oder ich nicht richtig folgen kann, tritt dieses Nebelgefühl oft ebenfalls auf.

    Insgesamt würde ich sagen, dass es sehr von der jeweiligen Person, der Situation und dem Gesprächsthema abhängt. Manchmal kann ich mich problemlos unterhalten, und manchmal habe ich das Gefühl, als würde mein Gehirn plötzlich in Watte gepackt werden und das stresst mich dann ...


    Ja gut, und Menschenmengen finde ich ehrlich gesagt auch nicht besonders angenehm. 😅 Ich bin außerdem klein und habe in größeren Menschenansammlungen schnell das Gefühl, zerquetscht zu werden.

    Bars etc. halte ich meistens auch nur aus, wenn ich betrunken bin. Bedauerlicherweise hilft es auch, aber mache ich sowieso fast nie.

    Edited 2 times, last by SecretDream: Ein Beitrag von SecretDream mit diesem Beitrag zusammengefügt. (May 30, 2026 at 7:40 PM).

  • Neoni Es gibt Fahrgeschäfte, da wird mir extrem übel, z.B. Schiffschaukel, aber Kettenkarrussell bin ich zuletzt vor ein paar Jahren gefahren und das war kein Problem. Auch Achterbahn war kein Problem früher.

  • Kann auch neurologisch sein (zb Migräne dabei ist man sehr licht- und geräusch empfindlich + Übelkeit).

    Ja, so habe ich das auch empfunden. Mit Migräne habe ich normalerweise eigentlich nicht zu kämpfen, aber ich hatte einmal einen Migräneanfall und musste mehrere Tage in einer komplett abgedunkelten Umgebung verbringen. Ich konnte nicht einmal auf mein Handy schauen, weil selbst das Licht des Bildschirms unerträglich war.

    Wenn man chronisch unter Migräne leidet und solche Zustände regelmäßig erlebt, stelle ich mir das schrecklich vor.

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