Frage steht im Titel.
Was erlebt und fühlt ihr bei einem Meltdown, wie kündigt dieser sich an, was geht euch dabei durch den Kopf, wie schafft ihr, damit umzugehen, welche Konsequenzen kann das haben?
Frage steht im Titel.
Was erlebt und fühlt ihr bei einem Meltdown, wie kündigt dieser sich an, was geht euch dabei durch den Kopf, wie schafft ihr, damit umzugehen, welche Konsequenzen kann das haben?
Wenn das Gehirn Informationen nicht mehr filtern kann, staut sich der Stress an, bis das Fass überläuft. Ein Meltdown äußert sich bei jedem:r Autist:in anders. Kurzum: Ein Meltdown ist eine neurobiologische Überlastungsreaktion, mit psychischen und kognitiven Verhalten.
Ich habe ebenfalls verschiedene Arten, Formen und Verhalten in Meltdowns. Auslöser können Reizüberflutungen jeder Art sein. Das kann spontan geschehen, aber auch nach andauernder Reizüberflutung und nach andauernder Stimulation und Penetration der betroffeneren Bereiche (Bspw. auch Sensorik).
Ich persönlich bin eher der, welche nicht auf emotionale Faktoren reagiert, dafür aber bei neuronaler Auslastung. Ich kann mir vorstellen, dass Sympathikus und Parasympathikus eine Rolle spielen. Natürlich kann es psychische Ursachen geben, Stand 1999 war bei mir jedoch, dass dies weniger der Fall ist, sondern eher das Gehirn (also körperliche und auch motorische Faktoren).
Ein Meltdown kann bei mir Stunden oder auch Tage andauern. Die Erholung von einem Meltdown kann mit unter auch mal 2 Wochen dauern.
Ein Meltdown ist kein Wutanfall, es kann jedoch ein Wutanfall entstehen. Früher habe ich bspw. den Kopf gegen die Wand geschlagen, den Kopf gegen Tische geschlagen, mich mit Gegenständen geschlagen, mich gebissen. Ich habe mit biologischen Hinterlassenschaften "hantiert". Ich habe auch Wände bemalt. Ich hatte auch geschriehen, getreten, Objekte und Gegenstände geworfen. Die Verhalten habe ich jedoch auch mit weiteren Ursachen gehabt. Und nicht immer war von einem vorherigen Overload die Rede.
Heute kann ich das klar kommunizieren, was ich bereits umgesetzt habe. Bspw. bei Arbeitgeber:in: Ein bewusstes: Ich brauche gerade mal 5min für mich. Ich hatte mir vorbeugend die Zeit genommen, auch wenn ich meine "Auszeit" anders begründete.
Um auf die Frage einzugehen, welche der Überschrift zu entnehmen ist: Bewusst und unbewusst. Verhältnismäßig betrachtet: Eher unbewusst bis bewusst.
Was erlebt und fühlt ihr bei einem Meltdown
So wie M3_C2_A25_P0 es beschreibt, zumindest teilweise. In diesem Moment habe ich keine Selbstkontrolle.
Es entsteht meist aufgrund von Situationen, wo mir komplett die Kontrolle entglitten ist, und ich keine Möglichkeit mehr habe, sie wiederzubekommen und das ein Problem ist.
In der Regel mache ich damit noch mehr kaputt. Hinterher ist es mir natürlich äußerst unangenehm, dass es überhaupt passiert ist, sofern es denn jemand mitbekommen hat. Es passiert heutzutage aber zum Glück äußerst selten, vielleicht einmal im Jahr.
In diesem Moment habe ich keine Selbstkontrolle.
Es entsteht meist aufgrund von Situationen, wo mir komplett die Kontrolle entglitten ist, und ich keine Möglichkeit mehr habe, sie wiederzubekommen und das ein Problem ist.
In der Regel mache ich damit noch mehr kaputt. Hinterher ist es mir natürlich äußerst unangenehm, dass es überhaupt passiert ist, sofern es denn jemand mitbekommen hat. Es passiert heutzutage aber zum Glück äußerst selten, vielleicht einmal im Jahr.
Der Text hätte von mir geschreiben sein können. So empfinde ich das auch.
Wenn es unter Menschen passiert, dann kommt es vor, dass ich mich wie ein in die Enge getriebenes Tier vorkomme, das instiktiv, ohne nachzudenken, oder ohne nachdenken zu können, verzeifelt versucht die Flucht zu ergreifen und wenn ihm das nicht gelingt, in eine Starre zu verfällt.
Ich finde das dann im Nachhinein furchtbar unangenehm, weil es auf Menschen, die das mitbekommen haben, extrem befremdlich oder ungehörig gewirkt haben muss. Aber wenn ich dann darüber nachdenke, was da mit mir passiert ist, wird mir klar, dass das in der Situation nicht mein eigentliches Ich sondern ich irgendwie fremdgesteuert war.
Als Kind, besonders in der Grundschule hatte ich sowas oft. In Phasen mit viel Stress mehrmals die Woche mitten im Unterricht. Inzwischen kommt ein Meltdown bei mir auch nur noch vielleicht einmal im Jahr vor. Und heute merke ich es zum Glück oft rechtzeitig, wenn sich so eine Situation anbahnt. Wenn es die Situation zulässt, entferne ich mich so schnell wie möglich und ziehe mich aus der Affäre, bevor der Meltdown zuschlägt.
Ich erinnere mich an einige Phasen, in denen ich die Kontrolle verloren habe und dann wütend gegen eine Wand oder ein Möbelstück geschlagen oder -getreten habe. Manchmal habe ich auch geschrien.
Aber normalerweise ziehe ich mich innerlich vollkommen zurück und werde nach außen ganz still. Ich merke dann, wie mein Gehirn versucht, die Eingangskanäle abzuschalten (also die Sinne), was natürlich nicht immer gelingt, vor allem bei den Ohren ist es schwierig. Ich erlebe die Welt dann anders, irgendwie distanzierter, von außen betrachtet. Ich bekomme zwar alles mit, verarbeite aber viel weniger Informationen und erlebe einfach nur.
Bis vor kurzem wusste ich ja gar nicht, dass so etwas Shut- oder Meltdowns sind, deshalb hatte ich auch keine Strategie, diese zu vermeiden oder damit umzugehen. Inzwischen kann ich besser einschätzen, was die Ursachen sind und versuche dann, mich aus den Situationen herauszunehmen, bzw. versuche die Situation so lange auszuhalten, bis ich die Möglichkeit habe, sie zu verarbeiten.
Alles in allem schwierig und ein Lernprozess. Zumindest bei mir.
Eine "unhändelbare" Situation mitzubekommen, aber weder handeln noch reagieren zu können, das kenne ich auch.
Ich nenne das bei mir: Verstummen, Erstarren. Es ist anfänglich rational, ich begreife, daß ich mich nicht mitteilen kann, weil das Drumrum nicht versteht.
Das daran gefährliche ist, daß das Umfeld das ganz falsch versteht. Es ist stets das Problem, wenn Leute etwas nicht verstehen, wird es jedoch sofort eingeordnet in deren Erklärvorstellungen. Diese meine Hilflosigkeit darin, ist ein großes Problem für mich.
Der Grund des Zusammenbruchs war bei mir ein bewußtes Erleben, es war das Unverständnis des darin handelnden Umfelds, mich in eine komplett hilflose Situation zu treiben, das hatte in meinem Erleben wirklich etwas von einer Treibjagd.
Ich kann mich nicht artikulieren, es wäre zuviel zu erklären (zu dolmetschen), eine Situation überwältigt mich.
Und irgendwann kann ich nicht mehr, alles schlägt wie über mich drüber und ich weine. Mein Zusammenbrechen war bisher Weinen.
Ohne Verlauf und "Beiwerk", es war kein emotionales Weinen und dauerte an. Es war ein stark körperliches Weinen, wie ein Baum, der nur Weinen ist.
Das fürchterliche daran war, daß das Weinen logischerweise nicht einzuordnen war von dem Umfeld und von dort aus gedeutet, als etwas Emotionales und das verhinderte, daß ich in Ruhe gelassen wurde und mein eigentliches Überfordungsproblem blieb unsichtbar und verstärkte sich dadurch.
Auch, daß ich das Weinen "einsetzte" als "Manipulation des Umfelds", gehört wohl mithinein in die Fehldeutungen und daß ich "weiterreichende Hilfe bräuchte". Das hatte 'soziale Brutalität' in der Situation und danach mir gegenüber zur Folge.
Es gab drei dieser Erlebnisse in meiner erwachsenen Lebenszeit und haben jeweils extrem fatale Folgen vom Umfeld ausgehend, für mich gehabt. Ich habe die Folgen nicht erkannt als diese, weil das aus meiner Sicht ohne Zusammenhang stattfand.
Was ich dabei bloß "kopfschüttelnd" betrachten kann, weil mir war zu jeder Zeit bewußt, warum und woher dieses Weinen kam.
normalerweise ziehe ich mich innerlich vollkommen zurück und werde nach außen ganz still. Ich merke dann, wie mein Gehirn versucht, die Eingangskanäle abzuschalten (also die Sinne), was natürlich nicht immer gelingt, vor allem bei den Ohren ist es schwierig. Ich erlebe die Welt dann anders, irgendwie distanzierter, von außen betrachtet. Ich bekomme zwar alles mit, verarbeite aber viel weniger Informationen und erlebe einfach nur.
das beschreibt ganz gut, wie ich es auch erlebe.
Allerdings ist es bei mir ein passiver Zustand, den ich nicht aktiv herstelle. Die folgende Beschreibung bezieht sich ausschließlich auf Ereignisse in meinem Erwachsenenleben:
Ich verstumme. Es ist, als würde ich in ein inneres Loch fallen, ich empfinde es wie "in einen Brunnen fallen". Um mich ist es dunkel und still, nur hoch über mir ist die Außenwelt, weit weg und ich kann mich nicht mehr bemerkbar machen. Oft tropfen mir dabei stille Tränen aus den Augen.
Körperlich bin ich meist bewegungslos, wie erstarrt, ziehe mich manchmal zusammen, ziehe die Beine an, lege die Arme drum oder ziehe die Arme nah an den Körper. Manchmal mache ich kleine Bewegungen, um Tränen abzuwischen oder kann mir auch mal die Nase putzen, aber alles sehr verlangsamt, sehr kleinräumig und verhalten. Es ist eine Art Schockstarre.
Wenn ich meine Augen nicht schließe (vermutlich aus Schutz, damit Geschehen im Umfeld wahrnehmbar bleibt), dann lasse ich meinen Blick auf einem neutralen Punkt in meiner Umgebung liegen. Ich sehe die Tränen auf etwas tropfen. Manchmal sehe ich das zerknüllte Taschentuch, das ich in der Hand halte. Manchmal formen meine Finger dann das Taschentuch mit ganz kleinen Bewegungen. Ich habe so einmal eine kleine Blüte geformt, indem ich kleine Blütenblätter aus dem zerknüllten, tränenfeuchten Tuch herausgeformt habe. Der Anblick und die kleinen, langsamen Bewegungen beruhigen mich oder entsprechen dem "heruntergefahrenen, fast ausgeschalteten inneren Zustand". Ich erinnere mich, dass das Tuch ganz weich und glatt von meinen streichenden Bewegungen war. Dieses Taschentuch war hell und friedlich und nicht bedrohlich. Es hat mir Halt gegeben in der schlimmen Situation.
Ich denke nicht oder nur hin und wieder taucht von alleine ein gedanklicher Zustand auf, ich bin dann auch innerlich ganz verstummt und still.
Ich fühle auch nicht, alles ist wie betäubt. Das ist sicherlich ein Schutzmechanismus, weil die Gefühle gefährlich überflutend wären.
Ich spüre meinen Körper mindestens teilweise nicht.
Ich nehme wahr, was um mich vorgeht, aber reagiere nicht.
Ich kann in der Situation nicht sprechen, nicht nonverbal antworten oder nur sehr verlangsamt und sehr eingeschränkt. Mein Gehirn ist wie stumm und kann Fragen nicht beantworten.
Ich kann den Zustand nicht aktiv beenden. Irgendwann löst sich von alleine etwas, so dass ich wieder mehr oder weniger handlungsfähig werde und dann für mich sorgen, z.B. mich an einen anderen Ort begeben, kann.
In diesen Zustand gerate ich vor allem dann, wenn ich emotional vollkommen überfordert bin. Es passierte bisher eigentlich nur durch das Handeln von Menschen, die mir etwas bedeuten. Wenn ich überhaupt nicht mehr weiter weiß und mich gar nicht mehr wahrgenommen fühle und einen für mich bedrohlichen und/oder schmerzhaften Prozess beobachte, den ich nicht beeinflussen kann, der meine mentalen und emotionalen Verarbeitungsmöglichkeiten aber vollkommen überfordert. Es ist eine Art furchtbares Entsetzen über das Beobachtete und eine unerträgliche Hilflosigkeit angesichts des Beobachteten, die dem Verstummen vorangehen. Davor kamen immer Versuche der Verständigung, der Mitteilung meines, Bitten um Erklärung des Handelns des Gegenübers, Bemühen um Einigung oder Einordnung, die aber keinen oder nicht genug Erfolg hatten und die für mich schlimme Situation nicht ausreichend mildern konnten. Ich sehe keinen Ausweg, fühle mich in etwas Schlimmem gefangen.
Meist besteht das Handeln des Gegenübers aus pausenlosem auf mich Einreden, laut, schnell und in zunehmend aggressivem Tonfall. Oder auch ruhig, aber gleichgültig, empathielos. Inhaltlich bestehend aus
Es wird in jedem Fall etwas, das für mich emotional sehr nah, wertvoll und tragend ist, bedroht. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich der gefühlten Bedrohung und dem daraus in mir wachsenden Schmerz, der Enttäuschung oder auch Angst nichts mehr entgegensetzen und innerlich nicht mehr standhalten kann.
Konsequenz: Das Umfeld missdeutet meinen Zustand dann auf tragische Weise. Ich werde durch mein stummes Nicht-Reagieren wahrgenommen als: ablehnend, abweisend, kalt, hart, verstockt, trotzig, usw. Meist wurde mir heftig, laut und aggressiv vorgeworfen, dass ich nicht reagiere, nicht erreicht werden kann, während mit dem weiter gemacht wurde, was mich in den unerreichbaren Zustand gebracht hat. Es wird als etwas wahrgenommen, was ich absichtlich und aktiv tue. Es wird als destruktiv und passive Aggression wahrgenommen.
Weitere Konsequenz war bisher daher häufig eine Verschlechterung der Beziehung
Helfen würde mir dann: Ruhe, Pause von dem, was stattfindet. Wahrgenommen werden, als das, was ich dann bin: in einem Ausnahmezustand, emotional völlig überfordert und rückzugs- weil schutzbedürftig. Mich alleine lassen. Oder, Empathie vorausgesetzt, ein stilles bei mir Sitzenbleiben ohne Forderungen und ohne Kommentare. Eventuell eine Decke (emotionaler Schutz) oder ein Glas Wasser (körperliche Versorgung), ANC-Kopfhörer/Gewichtsdecke in erreichbare Nähe legen. Alles, was man akut traumatisierten Menschen anbieten würde, denn so fühle ich mich dann: es ist eine traumatische Situation für mich. Ich weiß nicht ob es als Shutdown, Meltdown oder Trauma bezeichnet werden soll.
Es kam bisher in meinem Erwachsenenleben nur selten in dem Ausmaß vor. Einmal in einer Therapiesituation, als ich mich überhaupt nicht verständlich machen konnte und völlig verkehrt interpretiert wurde. Einmal in einer Situation in einer Gruppe von Menschen, die mir damals wichtig waren und ich Angst hatte, ausgeschlossen zu werden. Ansonsten vereinzelt in Problemsituationen mit einem Beziehungspartner, wenn ich mich vollkommen verkehrt wahrgenommen und die mir wertvolle Beziehung als gefährdet empfunden habe.
Ein paar Mal gab es Situationen, in denen es in diese Richtung ging, aber nicht so schlimm wurde und ich noch reagieren konnte.
Bei einem Meltdown fühle ich nichts mehr. Ich nehme mein Umfeld (fast) nicht mehr wahr. Dabei gibt es zwei Ausprägungen. In einer stelle ich dann einen Zustand her, den ich gerade brauche, weil es für mich im Prinzip um mein Überleben geht. Dabei können Sachen kaputt gehen und Menschen um mich herum sind völlig irritiert, weil ich in ihrer Beschreibung "austicke". Die zweite Variante ist sozialverträglicher und glücklicherweise wahrscheinlicher. Ich verstumme dann und werde völlig regungslos. Dabei geht wenigstens nichts kaputt.
Ich habe gelernt die Fälle zu erkennen, wobei als Erwachsener auch mehr Möglichkeiten bestehen sich einer Situation zu entziehen. Sobald ich anfange Gegenstände zu drehen, gut zu beobachten bei einem Getränkeglas, dann ist es Zeit für mich die aktuelle Situation zu verlassen. Wenn ich weiß, dass es anstrengend wird, habe ich ein Stimmingtool dabei. Das Betasten, Bedienen, Quetschen bis es schmerzt des Karabinerhakens den ich dabei habe und der griffbereit an meiner Hose oder meinem Rucksack hängt, hilft mir länger durchzuhalten. Zumindest bis zu einem Moment wo ich mich unauffällig ausklinken kann.
Einen Meltdown merke ich zu 99,9% daran, dass ich die Geräusche um mich noch stärker wahrnehme als sonst. So ungefähr wie es in einem Spiderman-Film dargestellt wird. Das Atmen von anderen, das Rascheln von deren - oder auch meiner eigenen - Kleidung, Umblättern von Buchseiten, Schritte, Ablegen und Aufheben von Gegenständen, alles ist unglaublich laut und baut sich mit den anderen "normalen" Geräuschen, die noch dazu kommen, auf bis ich einfach schreien möchte "Seid alle leise".
Als Kind hatte ich keine Ahnung was mit mir passierte, und in den meisten Fällen endete meine Überforderung in einem Wutanfall mit Geschrei, Werfen von Gegenständen, Treten. Damit hatte ich mir damals den Spritznamen "Psychopathin" "verdient". Na ja, es sah besimmt nicht elegant aus und die anderen wussten auch nicht, was mit mir passierte.
Ich dachte früher, dass alle anderen auch alles hören wie ich es auch tue. Nur dachte ich auch, dass ich dann die einzige war, die damit nicht umgehen konnte. Also versuchte ich meine Wut zu kontrollieren. Klappte natürlich nicht immer. Wenn es aber nicht die Wut sein sollte, dann war es die Stille. Und es ist immer noch so. Ich verstumme dann auch. Es ist eine Art Implosion, denke ich. Wenn es nicht rauskommt, dann zerdrückt es mich innerlich, ich spreche dann nicht, oft gar nicht, ich nehme meine Umwelt kaum wahr, ich höre die Stimmen, verstehe aber die Worte nicht, ich wickele mich dann auch oft in eine Decke damit ich mich selbst noch spüren kann, weil ich das Gefühl habe, dass ich mich einfach in Luft auflösen könnte. So ein Zustand kann von paar Stunden bis zu ein paar Wochen dauern.
Die beste Lösung für mich ist die ANC-Kopfhörer auf und Musik an. Das beruhigt mich sehr. Leider ist es nicht immer möglich. Und es passiert immer noch, dass es zu einem Meltdown und dann einem Shutdown kommt. Viel seltener aber, seitdem ich weiß was die Ursache ist und worauf ich achten muss.
Ich kenne ein ähnliches Verhalten an mir, allerdings ist das schon über 27 Jahre her.
Meine Meltdowns nehmen in den letzten 12 Monaten wieder zu.
Bei mir entsteht ein Meltdown aus einem Zuviel. Zuviel Reize, zu viele Emotionen zu viel Neues, zu viel Veränderung, zu viel Input. Irgendwie wird dann plötzlich die ganze Welt intensiver; alles wird lauter, heller, greller. Ich werd dann erst ganz unruhig und versuch, diesem Zuviel irgendwie zu entkommen. Tja, und wenn das nicht geht, raste ich irgendwann aus. Als ob da so ein Schalter in mir rumklappt. Ich verlier die Kontrolle; fang an zu weinen, zu schreien, schlag und tret um mich, beiße auch schon mal zu und zerstör auch irgendwelche Sachen, die mir in die Quere kommen. Ich bin außer Kontrolle, kann das nicht mehr steuern und realisier das auch gar nicht so richtig. Wie ein Tier, dass in die Enge gedrängt wurde und dann um sein Leben kämpft. Irgendwann kommt dann sowas wie aufgeben. Ich werd ganz ruhig und mir ist einfach alles egal. Ich zieh mich in mein Innerstes zurück und das kann Stunden dauern, bis ich "wieder da" bin. Ich bin hinterher jedes mal total erschöpft und es ist mir auch total peinlich, dass ich so die Kontrolle verloren hab. Aber ich kann sowas einfach nicht verhindern. Wenns passiert, dann passierts.
Als ich ein Kind war, dachten immer alle, ich wär nur bockig, trotzig und hätte einen Wutanfall, um meinen Willen durchzusetzen, aber Wutanfälle waren das nicht. Meine Eltern wussten das und haben mich dann auch in Ruhe gelassen, aber andere Erwachsene wussten das nicht. Als ich mal bei meiner Tante übernachten sollte und ich einen Meltdown bekommen hab, hab ich von ihr welche auf den Hintern bekommen, was damit endete, dass ich ihr ordentlich ins Bein gebissen hab und meine Eltern mich abholen mussten. Danach war ich für sie nur noch das "verzogene und gemeingefährliche Gör". Dabei war ich doch ein sehr ruhiges und artiges Kind, dass nie auf die Idee gekommen wär, Regeln zu brechen. Dass sie danach so von mir geredet hat, hat mir viel mehr wehgetan, als der Arschvoll (den hab ich im Meltdown nämlich eh nicht gespürt).
Ich habe die Schläge während meinen Meltdowns auch nicht gespührt.
aber Wutanfälle waren das nicht.
Es sind auch keine Wutanfälle. Nur wird solches Verhalten von Außenstehenden oft als ein Wutanfall empfunden. Es ist sehr traurig, dass Kinder deswegen auch noch geschlagen werden.
Im dem Autismusmagazin Kompakt wird es in dem Artikel "Wenn nichts mehr geht" beschrieben. "Wichtig ist, dabei handelt es sich jedoch nicht um Aggression oder gezielte Wut. ... Das sieht man insbesondere in den Situationen, in denen instinktive Flucht verhindert wird. Dann reduzieren sich die Optionen für unser Gehirn, was den Übergang in einen Shutdown zur Folge haben kann, weil die Situation aussichtslos erscheint. Wenn Menschen aber schon im Modus "Flucht oder Kampf" sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie in den Kampf gehen. Aber nicht um des Kampfes Willen, sondern um das höhere ursprüngliche Ziel - die Flucht - wieder möglich zu machen. ... Menschen in diesem Zustand bekommen durchaus mit, was um sie herum passiert und auch, was sie selbst gerade tun. Sie haben aber keinen Einfluss darauf. Sie können ihr Handeln nicht mehr wirklich steuern, stoppen oder ändern. Das kann per Definition kein geplantes Handeln in Form gezielter Aggression sein. "
Wie unterscheidet ihr denn dann (gerade bei Kindern) Wutanfälle und Meltdowns? Also bei uns bestand immer Fluchtmöglichkeit, trotzdem kamen die Wutanfälle. Wenn sich dann rausstellt, dass das Kind Aspie ist, heißt es, es wären keine Wutanfälle.
Quote from Alena2026Sie können ihr Handeln nicht mehr wirklich steuern, stoppen oder ändern.
Ist das nicht das, was bei Wutanfällen passiert? Ich habe ehrlich auch noch nicht erlebt, dass ein Wutanfall "geplant" worden wäre. Das übersteigt meine Vorstellungskraft. So ein Anfall ist ja eben, dass derjenige seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert ist und sein Verhalten in dem Moment nicht mehr bewusst steuern kann. Habt ihr schonmal jemandem, der einen Wutanfall hat, gesagt "hör doch einfach auf" oder "geh weg"? Hat es geholfen?
Meiner persönlichen Erfahrung nach hat das wenig mit "es war ja kein Fluchtweg da" zu tun. Ich habe beobachtet, dass gar nicht nach einem Fluchtweg gesucht wird, weil das System schon völlig im Overload gelandet ist. Ich vermute deshalb, dass es etwas sehr individuelles ist, wie jemand da reagiert. Bei manchen schaltet sich der Fluchtmodus ein, bei anderen nicht mal das. Es deshalb nicht "Wutanfall" nennen zu dürfen, finde ich seltsam. Die Gründe für den Anfall sind genauso verschieden, wie die Menschen selbst. Ob mit oder ohne Diagnose.
Zum eigentlichen Thema: Meltdowns kenne ich so nicht bei mir. Wenn, dann kam gleich ein Shutdown. Alle Systeme schalten sich ab, ich kippe dann einfach um. Das einzige, was funktioniert, ist das Gehör, aber denken geht nicht mehr. Ich kann das Gehörte dann auch nicht mehr verarbeiten. Ich registriere es nur und wenn alles vorbei ist, habe ich dann sehr viel zum nachdenken.
Wenn sich dann rausstellt, dass das Kind Aspie ist, heißt es, es wären keine Wutanfälle.
Das seh ich anders. Auch autistische Kinder können Wutanfälle kriegen. Aber Wutanfälle und Meltdowns haben unterschiedliche Ursachen und wirken sich auch anders aus. Einen Meltdown lösen nicht unbedingt zuviele Gefühle aus, den kann auch zuviel anderer Input wie Geräusche, Gerüche oder so auslösen. Im Moment des Meltdowns sind dann auch gar keine Gefühle mehr da. Da übernimmt einfach dieses "flight, fright or fight"-Ding (oder wie auch immer das genau heißt). Da hilft kein Trösten oder so. Im Gegenteil, das macht alles nur noch schlimmer, weil das ja noch mehr Input ist, der nicht verarbeitet werden kann. Da hilft nur, gegen noch mehr Input abgeschirmt zu werden, damit man dann wieder "runterfahren" kann und sich dieses "flight, fright or fight"-Ding sich wieder abschaltet. Nach einem Wutanfall ist man auch viel schneller wieder okay, als nach einem Meltdown, wo man viel länger (manchmal sogar mehrere Tage!) braucht, um sich davon zu erholen. Zumindest war, bzw. ist das bei mir so.
Ich habe ehrlich auch noch nicht erlebt, dass ein Wutanfall "geplant" worden wäre.
Doch, das gibts. In der Grundschule hab ich eine Klassenkameradin gehabt, die sowas ganz gezielt eingesetzt hat, um ihren Willen zu kriegen. Die konnte auf Kommando kreischen wie eine Feuerwehrsirene und heulen wie die Alsterfontäne. Die war ein richtig hinterhältiges und widerwärtiges Biest. Mit der wollte niemand was zu tun haben, weil immer alles nach ihrem Willen gehen musste.
Ich kenne die unterschiedlichen Definitionen bzw. Erklärungsansätze bzgl. Wutanfall und Meltdown. In meiner Wahrnehmung und Interpretation ist es aber dasselbe. Im Kern liegt eine Überforderung (kann auch eine sensorische Reizüberflutung sein) zu Grunde.
Ich finde die Eingangsfrage schwierig. Manche von uns haben die Fähigkeit auf Warnzeichen zu achten und darauf zu reagieren. Diese Warnzeichen können sehr individuell sein. D.h. sie beschreiben dann ggf. mehr ihre Warnzeichen. Oder sie beschreiben Kompensationstrategien bzw. spezielle Verhaltensmuster, welche sie anwenden, um sich wieder zu regulieren. Anderen Betroffenen gelingt das nicht, und sie landen in dem Kontrollverlust (Wutanfall), welcher mit einer nachgelagerten erheblichen Erschöpfung einhergehen kann.
Ich kenne die unterschiedlichen Definitionen bzw. Erklärungsansätze bzgl. Wutanfall und Meltdown. In meiner Wahrnehmung und Interpretation ist es aber dasselbe. Im Kern liegt eine Überforderung (kann auch eine sensorische Reizüberflutung sein) zu Grunde. (..)
Bei einem Shutdown auch. Ergänzung: Nicht jeder Autist erlebt Meltdowns.
Ich habe mittlerweile fast keine Meltdowns mehr, sondern eher Shutdowns. Als Kind war das allerdings anders. Damals hatte ich teilweise sehr heftige Meltdowns und war in solchen Situationen kaum oder gar nicht zu beruhigen.
Wie unterscheidet ihr denn dann (gerade bei Kindern) Wutanfälle und Meltdowns?
Es mag gleich aussehen, die Ursachen sind aber anderen. Die zu unterscheiden ist nicht einfach. Ich nehme an, man muss lernen, worauf zu achten wäre. Wut ist eine Reaktion auf Frustration oder Unzufriedenheit.
Ein Meltdown ist ein Overload. Bei mir war es so, dass ich als Kind oft gar nicht gemerkt hatte, dass es langsam zu viel wurde, und so den Moment verpasst hatte in dem die Kontrolle verloren ging und es zu einem Meltdown in Form von einem Wutanfall gekommen war. Die Anfälle waren nicht gegen bestimmte Personen oder Sachen gerichtet. Eine meiner Schwestern z.B. hatte auch oft Wutanfälle. Sie hatte dann gezielt gegen bestimmte Personen gehandelt und mit voller Absicht deren Sachen kaputt gemacht. Auch war sie nach einem Wutanfall oft ganz schnell wieder OK, als wäre nicht gewesen. Ich brauchte nach einem Meltdown immer lange um wieder zu funktionieren.
Ich hatte später gelernt, dass Flucht eine Option war und dass ich Ruhe brauchte.
Und als Erwachsene habe ich noch nie jemanden, eine andere erwachsene Person getroffen, die solche "Wutanfälle" wie ich hat.
Ich habe ehrlich auch noch nicht erlebt, dass ein Wutanfall "geplant" worden wäre. Das übersteigt meine Vorstellungskraft. So ein Anfall ist ja eben, dass derjenige seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert ist und sein Verhalten in dem Moment nicht mehr bewusst steuern kann. Habt ihr schonmal jemandem, der einen Wutanfall hat, gesagt "hör doch einfach auf" oder "geh weg"? Hat es geholfen?
Geplant können Wutanfälle sehr wohl sein. Sogar kleine Kinder können gerade so schlau sein und manipulative Wutanfälle einsetzen, wenn sie einmal merken, dass es bei den Eltern funktioniert und das Kind dadurch das bekommt was es will. Und bei meiner Tochter hat es wirklich geholfen, wenn man ihr ruhig zu erklären versucht hat, dass sie aufhören sollte.
Bei mir ist es so, dass ich schon im Vorfeld von einem Meltdown merke, dass meine Gesichtszüge ganz starr werden und ich kaum noch per Mimik auf die Kommunikation anderer Menschen mir gegenüber eingehen kann. Früher war ich in einer etwas größeren Freundes/Bekanntengruppe unterwegs, und wir sind zusammen auch noch in ein überfülltes Partyviertel gegangen, und da war das mein Dauerzustand.
Wenn ich mich dann in der nächsten Zeit nicht irgendwie entziehen kann, weil ich z.B. mitten in einer Menschenmenge oder in einer U-Bahn bin, merke ich, dass sich mein Gesichtsfeld immer mehr einengt, ich immer weniger wahrnehme (wahrscheinlich versucht mein System, den sensorischen Input zu regulieren). Dann kann es schon vorkommen, dass ich andere Leute anrempele, weil ich wenig Kontrolle über meinen Körper habe und ich alles nur noch begrenzt wahrnehme.
In diesen Situationen bemerke ich auch eine Wut gegenüber Menschen, die mich aus irgendeinem Grund in diesen Situationen "festhalten" wollen (nicht wortwörtlich, sondern verbal "ach, bleib doch noch, du gewöhnst dich schon noch dran, da musst du dich durchbeißen, das ist "nur" deine Angst"), aber bevor sich meine Gefühle in einem echten Wutanfall entladen können, habe ich die Situation meistens schon verlassen.
Wenn der Meltdown dann wirklich da ist, weil es für mich nicht möglich war, die Situation zu verlassen, z.B. auf der Arbeit, weine ich meistens und zittere, wenn es ganz schlimm ist. Danach ist mit mir den ganzen Tag über nicht mehr viel anzufangen und eigentlich muss ich dann in meine eigene Wohnung, in ein dunkles Zimmer, oder mich zumindest reizarm beschäftigen (am besten lesen).
Die Auslöser können sowohl sensorische als auch emotionale Überforderung sein, oder, auf der Arbeit, häufiger Kundenkontakt/ Kontakt mit Menschen, die ich nicht gut kenne (wahrscheinlich, weil da mehr Masking nötig ist, und das zieht deutlich mehr Energie als bei Leuten, die mir bereits bekannt sind).
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