Ich habe beide Diagnosen (ASS+AD(H)S) 44
The result is only visible to the participants.
Würde mich einfach mal interessieren wie das hier im Forum so ist.
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Würde mich einfach mal interessieren wie das hier im Forum so ist.
Finde ich schwierig. Viele Symptome überlagern sich teilweise, bei einigen die ich kennen gelernt habe, sehe ich deutlich auch Tendenz dahin, aber keine Diagnostik.
Mein persönlicher Eindruck ist, wenn es zusätzlich vorhanden ist, wird ASS mehr verdeckt. Je nach Ausprägung. Aber nur mein persönliches Gefühl.
Es kommt auch drauf an wann diagnostiziert wurde. Im ICD-10 sind ADHS und Autismus gegenseitige Ausschlussdiagnosen. Erst seit dem ICD-11 darf überhaupt beides diagnostiziert werden. Und selbst dann auch nur wenn wirklich für beides alle Kernsymptome zutreffen.
Heutzutage wird meiner Meinung nach nicht mehr so genau nachgeschaut und einfach beides gegeben. Spart halt Zeit...
Das stimmt.
Noch ist es ja so dass hier bisher die alten User eher sind also die ihre ASS Diagnose zu einer Zeit bekamen als noch nicht beides zugleich diagnostiziert werden durfte, aber ich gehe davon aus dass sich im Laufe der Zeit die Zusammensetzung wieder ändern wird, so wie es im alten Forum war (sehr viele mit frischer Diagnose und häufige Wechsel der User).
Aber der Punkt ist richtig.
Crispin das stimmt auch aber ich wollte nach der Diagnose fragen und nicht nur nach dem Verdacht, weil Verdacht haben viele aber ist es im Leben so relevant dass ein Psychiater aufgesucht wurde.
Aber klar können hier im Threads alle schreiben :)
Ich selbst bekam nie eine ADHS Diagnose noch wurde ein Verdacht ausgesprochen von Ärzten oder Psychologen. Hier im Forum hat man mich aber öfter mit ADS ohne H assoziiert wegen abgekapselt sein und Zerstreutheit.
Ich habe mal einen ausführlichen Test gemacht und da erfülle ich ein paar Punkte aber lange nicht genug für eine Diagnose.
Ich selbst bekam nie eine ADHS Diagnose noch wurde ein Verdacht ausgesprochen von Ärzten oder Psychologen.
Ich auch nie. Ich erfülle auch nur ein einziges Kernsymptom.
Hier im Forum hat man mich aber öfter mit ADS ohne H assoziiert wegen abgekapselt sein und Zerstreutheit.
Im alten Forum war es genau das was ich schrecklich fand. Anderen Leuten dauernd ADHS "anhängen". Ich hoffe sehr, dass das hier nicht mehr passiert. Weil eigentlich ist das ja gegen die Forenregeln :)
Die Leitlinie zur AS-Diagnostik sieht vor, dass bei einer bestehenden ADS-/ADHS-Symptomatik zunächst diese behandelt werden sollte. ADHS lässt sich oft gut medikamentös behandeln, weshalb dies auch ausdrücklich empfohlen wird. Anschließend soll die AS-Diagnostik nach Behandlung der ADHS-Symptome erneut überprüft bzw. wiederholt werden.
Theoretisch ist eine Doppeldiagnose also durchaus möglich, und die Leitlinie empfiehlt dieses Vorgehen auch, wenn sich nicht alle Symptome allein durch ADHS erklären lassen. Das war meines Wissens nach auch schon zu ICD-10-Zeiten so. Dass ADHS und ASS gleichzeitig vorliegen können, sieht auch die ältere AS-Leitlinie vor. Komorbiditäten sind dabei durchaus häufig.
ADHS und ASS können nach außen teilweise ähnlich wirken. Soziale Schwierigkeiten entstehen bei ADHS jedoch meist eher durch Unaufmerksamkeit und Impulsivität und nicht primär durch ein fehlendes intuitives soziales Verständnis, wie es bei AS häufig beschrieben wird.
Dass ADHS und ASS biologisch grundsätzlich nicht gleichzeitig vorliegen könnten, lässt sich meines Wissens nach nicht nachweisen. Laut meinem Psychiater, der gleichzeitig Neurologe ist, ist die Abgrenzung neurologisch ohnehin oft schwierig. Ich denke deshalb, dass der gegenseitige Ausschluss im ICD-10 eher eine formale Regelung war, die einen bestimmten diagnostischen Zweck erfüllen sollte.
Ich glaube, es geht dabei vor allem darum – und so verstehe ich auch die Leitlinie –, dass man die AS-Diagnose nicht vorschnell vergibt, weil ADHS und ASS nach außen ähnlich erscheinen können, obwohl die Ursachen unterschiedlich sind. Gerade weil ADHS-Symptome häufig gut medikamentös behandelbar sind, kann das große Konsequenzen haben. Wenn jemand zusätzlich ADS-/ADHS-Symptome hat, aber vorschnell nur mit AS diagnostiziert wird, könnte ihm unter Umständen eine hilfreiche medikamentöse Behandlung vorenthalten werden.
Ich weiß allerdings nicht genau, wie der gegenseitige Ausschluss beider Diagnosen im ICD-10 ursprünglich gemeint war. Ich vermute aber, dass damit gemeint ist, dass bei einer gleichzeitigen Diagnosestellung formal nur eine der beiden Diagnosen vergeben werden durfte. Die Leitlinie zur AS-Diagnostik empfiehlt jedenfalls bei vorhandenen ADHS-Symptomen zunächst die ADHS-Diagnose und Behandlung und danach eine erneute AS-Diagnostik.
Mittlerweile ja. Ich bestreite ja auch gar nicht, dass es die Doppeldiagnose wirklich gibt. Nur halt nicht in dem Ausmaß. An Leitlinien halten ist wohl nicht jedermanns Ding :/
So wie ich das verstanden habe, lockert der ICD-11 das Ganze etwas auf, sodass ADHS und ASS auch direkt gleichzeitig diagnostiziert werden können. Im ICD-10 steht meines Wissens nach nämlich nicht ausdrücklich, dass es „verboten“ ist, beide Diagnosen zu haben, wenn sie nacheinander gestellt werden.
Allerdings wird dort auch nicht klar betont, ob sich der Ausschluss nur auf eine gleichzeitige Diagnosestellung bezieht oder ob beides grundsätzlich nicht gemeinsam vorliegen könne. Wenn Letzteres gemeint wäre, würde das aus meiner Sicht aber nicht wirklich zu den Leitlinien passen. Das ergibt eigentlich nur Sinn, wenn grundsätzlich die Möglichkeit besteht, dass beides gleichzeitig vorliegen kann.
Mittlerweile ja. Ich bestreite ja auch gar nicht, dass es die Doppeldiagnose wirklich gibt. Nur halt nicht in dem Ausmaß. An Leitlinien halten ist wohl nicht jedermanns Ding :/
Ja, definitiv! Das würde auch erklären, warum die Studienlage zu den Komorbiditäten von AS/ASS bei ADHS so stark schwankt und Angaben zwischen 30–80 % macht. Auf eine so große Diskrepanz kommt man doch eigentlich nur, wenn diagnostisch nicht immer sauber oder einheitlich gearbeitet wurde. 😄
Ich hatte eine ADS-Diagnose bekommen, obwohl ich bei den Grenzwerten („Cuts“) eigentlich darunter lag. Aufgrund meiner Symptome bestand allerdings schon vorher ein Verdacht auf ADS. Gleichzeitig ist es tatsächlich so, dass der unaufmerksame Subtyp früher häufig übersehen wurde. Mir wurde von der Diagnostikerin außerdem erklärt, dass die üblichen Screenings den unaufmerksamen Subtyp oft nicht ausreichend erfassen, da sie eher auf den hyperaktiven Typ zugeschnitten sind.
Da es viele Überschneidungen zwischen ASS und ADHS gibt, denke ich, dass auch Menschen mit „nur“ ASS bei ADHS-Screenings hohe Werte erzielen können.
Als ich mit der ADS-Diagnose zu meinem Psychiater ging, ordnete er meine Zerstreutheit eher der AS zu – so nach dem Motto „verpeilter Professor“. Das scheint wohl ebenfalls etwas zu sein, das bei AS häufiger vorkommt.
Auf ADxS.org gibt es übrigens viele interessante Informationen zu ADHS allgemein, inklusive Zusammenfassungen aus Fachliteratur, falls man sich etwas tiefer einlesen möchte – auch zu typischen Irrtümern über ADHS.
Die häufigsten Irrtümer über ADHS kann man hier nachlesen:
Nein, ich hatte zwar keine explizite ADHS-Diagnostik, meine ASS-Diagnostikerin sah aber einige ADHS-Traits, hat dann eine "diagnosewürdige ADHS" aber letztlich ausgeschlossen. Mein Bruder hatte (nicht nur nach meiner Ansicht) eine sehr ausgeprägte ADHS, die aber wohl nie korrekt diagnostiziert wurde, obwohl er als Kind sogar mal kurzzeitig in Therapie deshalb war.
Der "Wald-und-Wiesen-Psychiater" hielt meinen Bruder, der fremden Erwachsenen oft extrem eingeschüchtert gegenüber war, wohl für "zu ruhig" und dass mein Bruder im Fußballverein auf dem Spielfeld nur "in der Gegend herum träumte" wohl für einen Hinweis gegen ADHS.
Zur Ergänzung meines Beitrags, ich habe beide Diagnosen, unabhängig voneinander, beides von Fachmenschen mit Spezialisierung und im Abstand von knapp einem Jahr.
Allerdings sehe ich es tatsächlich auch inzwischen so, dass die Diagnostik zu ADHS vorher gemacht werden sollte. Denn erst wenn man da mit oder ohne Medikamente was dran "verbessert", das Umfeld verändern/anpassen kann, dann werden vorhandene autistische Symptome/Merkmale/Schwierigkeiten vermutlich mehr und deutlicher erkennbar.
Zumindest empfinde ich es so. Weiss nicht, wie es anderen geht.
Bei mir ist es tatsächlich so, dass man die AS nach außen wohl stärker „sieht“. Ich bekam bei meinem Psychiater letztlich eine AS-Diagnose, obwohl ich eigentlich wegen der ADHS-Medikation dort war und bereits eine ADS-Diagnose hatte. Er hat die ADS-Diagnose nicht übernommen und stattdessen AS diagnostiziert.
Auch meine Therapeutin scheint weiterhin vor allem AS zu „sehen“, obwohl ich mittlerweile seit etwa sechs Monaten medikamentös eingestellt bin. Letzte oder vorletzte Sitzung hat sie mich sogar gefragt, ob ich die ADHS-Medikamente überhaupt noch nehme. Wobei sie mich momentan auch nur per Video sieht, da ich gerade im Auslandssemester bin.
Innerlich merke ich durch die Medikation allerdings definitiv einen Unterschied. Da ich eher der unaufmerksame Typ bin, fällt mein ADS nach außen kaum auf.
Als ich mit der ADS-Diagnose zu meinem Psychiater ging, ordnete er meine Zerstreutheit eher der AS zu – so nach dem Motto „verpeilter Professor“. Das scheint wohl ebenfalls etwas zu sein, das bei AS häufiger vorkommt.
Und wie genau äußert sich das bei dir?
Also ich habe diesen Begriff ja auch schon gesagt bekommen.
Also bei mir ist es so, ich verliere eigentlich nur sehr selten was (zb habe ich immer noch den Schlüsselanhänger den mir mein Vater mit 8 Jahren schenkte am Schlüssel soll heißen ich habe in ca 35 Jahren nie meinen Schlüssel verloren toitoitoi).
Ich weiß auch meist wo mein Zeug ist (nur bei Papierkram muss ich suchen weil ich das alles nur ins Stapel lege und dann vergesse)
Ich bin auch nicht direkt unaufmerksam, sondern oft denke ich intensiv über etwas nach und dann blende ich die Umgebung aus. Aber es ist nicht "tagträumen". Das Nachdenken kann so intensiv sein dass ich irgendwie planlos wirke, also ich gehe dann über die Straße ohne zu schauen, beim Spülen hab ich mich mal geschnitten, das kurz angeschaut und einfach weiter gespült (und gedacht), bis mir das Blut im Wasser auffiel, ich habe mich auch schonmal am Dampf vom Wasserkocher übel verbrüht an der Hand und habe da so ganz gedankenverloren drübergewischt über die Stelle (als wollte ich das Heiße abstreifen) und mir dabei die ganze Haut von der Stelle abgewischt. Oder ich habe auch mal in meine halbvolle Kaffeetasse Pfefferminztee eingegossen (und das schmeckt sogar), oder ich koche Kaffee obwohl noch was in der Kanne ist und dann läufts über, steige in den falschen Bus, weiß nicht welcher Wochentag ist und lauter solche Sachen halt weil ich so am Denken bin.
Oft passiert es auch dass mein Partner mir etwas sagt, aber ich verarbeite es nicht (es ist dann mehr wie "Geräusch" statt Sprache und Inhalt. Und dann wirkt es nach außen so als hätte ich es vergessen. Er muss mir oft Dinge mehrmals sagen.
Ich bin auch immer so vertieft in das was ich tue (zb im Forum schreiben) dass ich alles darum herum vergesse. Ich stelle mir jetzt schon immer sklavisch den Wecker wenn ich irgendwas im Backofen mache weil sonst vergess ich das einfach über dem was ich grad tue. Soviele angebrannte Pizzas oder Kuchen...
Wie ist das bei dir denn innerlich, also das unaufmerksame?
Ich bin innerlich oft sehr stark konzentriert, schreibe quasi gedanklich Texte. Laufe dann eher so schlafwandlerisch durch die Welt. Aber ich glaube das nach-innen-konzentrieren hilft mir auch bei Reizüberflutung.
Wie es bei ADS ist weiß ich halt nicht, daher frage ich dich.
Solche Sachen aus dem letzten Beitrag von Neoni passieren mir auch öfter. Ich bin auch immer so auf die Sache, die ich gerade mache, konzentriert, dass ich aussenrum nichts mitbekomme und das nicht nur bei Tätigkeiten, die Konzentration brauchen, sondern auch wenn ich zum Beispiel den Herd abwische.
Wenn meine Frau mir etwas sagt, bekomme ich auch oft nur die Hälfte oder auch mal gar nichts mit (merke nicht, dass überhaupt jemand mit mir spricht) und sie muss mir alles mehrmals sagen.
Bei mir ist man sich nicht sicher, ob ich ADHS habe oder nicht.
Habe 2 Mal von Ärzten bei Spezialambulanzen eine Verdachtsdiagnose bekommen und einmal einen Ausschluss. Bei dem Ausschluss wurde mir gesagt, dass ich zwar aus allen Kategorien Kriterien erfüllen würde, aber diese dürften sich nicht durch etwas anderes besser erklären lassen und ich hätte schließlich auch MS und Konzentrationsstörungen könnten daher kommen, daraufhin habe ich gesagt, dass das aber nicht erklären würde, warum ich als Kind schon komisch war und er meinte, dass es auch noch andere Entwicklungsstörungen gibt und er bei mir eher an Autismus denken würde. Daraufhin bin ich zu meiner Therapeutin gegangen und die meinte, dass ich sicherlich keinen Autismus hätte und dass das für sie ganz klar ADHS wäre und auch mein Psychiater sah das so.
Dann bin ich 2 Jahre später selbst darauf gekommen, dass ich möglicherweise doch autistisch bin, was dann wieder ein paar Jahre später von einer Spezialambulanz bestätigt wurde und da sagten sie, dass sie bei mir eher keine Anzeichen für ADHS sehen würden und sich das auch alles mit Autismus erklären lassen würde.
Danach bin ich damit zu meinem Psychiater und er will die ADHS Diagnose trotzdem nicht streichen, weil er meint, dass man auch Läuse und Flöhe gleichzeitig haben kann und er bei mir auch ADHS sieht.
Weiß jetzt also immernoch nicht, ob ich ADHS habe oder nicht. Eine Zeit lang habe ich Medikinet Adult genommen, da hatte ich das Gefühl, dass ich dadurch etwas ruhiger geworden bin und weniger geredet habe und andere seltener unterbrochen habe, habe davon aber Haarausfall bekommen und habe es dann wieder abgesetzt. Seit einem Monat nehme ich jetzt Elvanse, die ersten paar Tage hatte ich das Gefühl, dass ich innerlich etwas ruhiger bin, aber seitdem merke ich eigentlich nichts von der Wirkung (auch keine Nebenwirkungen, nicht einmal, wenn ich Kaffee trinke). Dass Medikinet mich ruhiger gemacht hat, ist aber laut Arzt in der Spezialambulanz auch kein Beweis dafür, dass ich ADHS habe, weil das Medikament auch bei Menschen ohne ADHS so wirken könnte.
Finde ich schwierig. Viele Symptome überlagern sich teilweise, bei einigen die ich kennen gelernt habe, sehe ich deutlich auch Tendenz dahin, aber keine Diagnostik.
Ja, manchmal vermischen sich die Symptome. In der Grundschule war ich auch noch sehr verhaltensauffällig und konnte im Unterricht nicht ruhig sein. Das hat sich irgendwann dann aber komplett gedreht.
Und wie genau äußert sich das bei dir?
Mein Psychiater fand meine ADS-Symptomatik eher atypisch, weil ich mich sehr gut konzentrieren kann. Ich war in der Schule immer sehr konzentriert, habe überdurchschnittlich gut abgeschnitten, interessiere mich stark für Mathe und Physik und studiere auch etwas Naturwissenschaftliches, worin ich ebenfalls überdurchschnittlich gut bin.
Mein eigentliches Problem ist eher der Hyperfokus, der mich gleichzeitig total verpeilt macht. Es äußert sich bei mir tatsächlich ähnlich, wie du es beschrieben hast. Ich hatte meinem Psychiater zum Beispiel erzählt, dass ich einmal mein Handy im Kühlschrank liegen gelassen habe, weil ich so in Gedanken versunken war. Das war dann auch das, was er mit dem „verpeilten Professor“ meinte und der AS zuordnete.
Meine Therapeutin ordnete diese Verpeiltheit anfangs eher einer Dissoziation im Rahmen von Trauma zu. Diese Hypothese verwarf sie später jedoch wieder.
Bei mir ist es meistens so, dass mich ein Gedanke so sehr einnimmt, dass ich meine Umgebung kaum noch wahrnehme. Viele der Dinge, die du beschrieben hast, kenne ich genauso. Meine Sachen verliere ich heute vor allem innerhalb der Wohnung. Ich bin eher chaotisch und schaffe es kaum, dauerhaft Ordnung zu halten. Wirklich wichtige Dinge verliere ich mittlerweile zwar selten, aber in der Kindheit war das extrem. Ich habe damals ständig Kleidung verloren – kein Scherz: Meine Mutter musste irgendwann mit einem Koffer in die Schule kommen, um meine Sachen wieder einzusammeln.
Witzigerweise konnte sie beim ADHS-Fragebogen die Frage „Sucht das Kind ständig verlorene Sachen?“ nicht ankreuzen, weil ich die Sachen zwar verloren habe, sie mir aber meistens egal waren und ich deshalb gar nicht danach gesucht habe. Flüchtigkeitsfehler habe ich ebenfalls oft gemacht – außer bei Dingen, die mich wirklich „eingenommen“ haben. Dort war ich dann wiederum extrem detailliert und genau.
Eigentlich bin ich ziemlich unordentlich, aber gleichzeitig gibt es bestimmte Bereiche, in denen ich extrem ordentlich, perfektionistisch oder fast schon zwanghaft bin – zum Beispiel bei meinen Zauberwürfeln oder Mitschriften. Ich kann außerdem Dinge mit Zahlen unglaublich gut merken – quasi wie ein „Kalender im Kopf“. Ich muss mir Termine oft gar nicht aufschreiben und nehme sie trotzdem zuverlässig wahr. Gleichzeitig gehe ich aber häufig erst Last Minute los, weil ich noch komplett in meinem Spezialinteresse versunken bin.
Ich kann Menschen außerdem schlecht zuhören, wenn mich das Thema nicht interessiert. Dann denke ich lieber über etwas nach, das mich gerade beschäftigt. Bei interessanten Themen funktioniert Aufmerksamkeit dagegen problemlos. Das wäre bei mir wahrscheinlich der „unaufmerksame“ Anteil.
Mein Freund muss mich manchmal sogar durch die Stadt führen, weil ich so gedankenversunken bin – meistens auf einen einzelnen Gedanken fixiert und nicht sprunghaft. Dinge, die ich dabei in der Hand halte, verschwinden dann plötzlich irgendwo, sodass ich nicht mehr weiß, wohin ich sie gelegt habe. Dann muss ich alles suchen und fühle mich teilweise wirklich „blind“. Er muss mich manchmal sogar festhalten, damit ich nicht irgendwo dagegenlaufe.
Deshalb weiß ich manchmal selbst nicht genau, ob das, was ich beschreibe, wirklich klassisches ADHS ist – vor allem, wenn andere hier ähnliche Erfahrungen schildern und ich ja auch eine AS Diagnose habe. Was bei mir vielleicht eher „klassisch ADHS“ wirkt, sind die vielen Wutanfälle in der Kindheit (hauptsächlich zuhause), mein sehr wildes Spielen, dass ich mich ständig verletzt habe, mein eher tomboyhaftes Verhalten, die starke Unordnung, schlechte Exekutivfunktionen, extremes Aufschieben und ständige Last-Minute-Aktionen. Dauerhaft wichtige Dinge verliere ich heute zwar kaum noch, aber innerhalb der Wohnung verschwinden Sachen bei mir trotzdem ständig.
Hellschwarz puh das ist ja wirklich ziemlich verwirrend. Wie hast du es denn jetzt für dich selbst entschieden?
Und wie gut vertraust Du dem behandelnden Psychiater?
Ich denke das liegt auch daran wie man im Gespräch wirkt. Ich habe mal meine damalige Psychiaterin gefragt ob ich ADHS haben könnte und sie meinte ich würde nicht so wirken. Da hab ich sie gefragt wie die mit ADHS im Gespräch denn wirken und die meinte, die Unterhaltung wäre schwierig weil die ständig abschweifen und würden auch ganz anders vor einem sitzen. Nagelt mich jetzt nicht fest das ist mindestens 10 Jahre her und mein Erinnerungsvermögen für Mündliches ist auch echt schlecht. Quintessenz jedenfalls man merkt das im Gespräch.
SecretDream Bis auf den letzten Absatz kenne ich das auch alles so. Aber als Kind war ich ganz anders als du. Sehr still, vorsichtig, zurück haltend. Habe häufig Lob bekommen weil ich so "brav" bin. Nicht impulsiv und an Wutanfälle kann ich mich nicht erinnern, es sei denn man zählt Streit mit meiner Schwester dazu.
Keine Flüchtigkeitsfehler sondern sehr genau (und anfangs dadurch auch zu langsam).
Ich denke es ist im Forum halt wirklich nicht festzustellen wer was hat. Man sieht nie den ganzen Menschen sondern immer nur kleine Details wie Spotlights.
Bis auf den letzten Absatz kenne ich das auch alles so. Aber als Kind war ich ganz anders als du. Sehr still, vorsichtig, zurück haltend. Habe häufig Lob bekommen weil ich so "brav" bin.
Nach außen hin war ich aber auch so. Ich war nach außen hin sehr ruhig und zurückhaltend und habe nicht geredet. Die Wutanfälle hatte ich dann zu Hause, aber wahrscheinlich meintest du damit, dass du zu Hause auch sehr brav warst oder?
Hab gerade nochmal in mein Zeugnis geschaut, widersprüchlich!
In dem einen Fach steht:
Bei schwierigen Aufgaben kann sie sich oft selbst helfen oder sich geeignete Hilfestellungen heranziehen. Sie sollte sich die Zeit nehmen, ihre Ergebnisse selbstständig sorgfältiger zu überprüfen.
und ein Fach darunter in demselben Zeugnis steht:
Bei schriftlichen Aufgabenstellungen gibt sie sich große Mühe um sorgfältige und richtige Ausführung, nahm sich dafür jedoch auch viel Zeit.
Display MoreMein Psychiater fand meine ADS-Symptomatik eher atypisch, weil ich mich sehr gut konzentrieren kann. Ich war in der Schule immer sehr konzentriert, habe überdurchschnittlich gut abgeschnitten, interessiere mich stark für Mathe und Physik und studiere auch etwas Naturwissenschaftliches, worin ich ebenfalls überdurchschnittlich gut bin.
Mein eigentliches Problem ist eher der Hyperfokus, der mich gleichzeitig total verpeilt macht. Es äußert sich bei mir tatsächlich ähnlich, wie du es beschrieben hast. Ich hatte meinem Psychiater zum Beispiel erzählt, dass ich einmal mein Handy im Kühlschrank liegen gelassen habe, weil ich so in Gedanken versunken war. Das war dann auch das, was er mit dem „verpeilten Professor“ meinte und der AS zuordnete.
Meine Therapeutin ordnete diese Verpeiltheit anfangs eher einer Dissoziation im Rahmen von Trauma zu. Diese Hypothese verwarf sie später jedoch wieder.
Bei mir ist es meistens so, dass mich ein Gedanke so sehr einnimmt, dass ich meine Umgebung kaum noch wahrnehme. Viele der Dinge, die du beschrieben hast, kenne ich genauso. Meine Sachen verliere ich heute vor allem innerhalb der Wohnung. Ich bin eher chaotisch und schaffe es kaum, dauerhaft Ordnung zu halten. Wirklich wichtige Dinge verliere ich mittlerweile zwar selten, aber in der Kindheit war das extrem. Ich habe damals ständig Kleidung verloren – kein Scherz: Meine Mutter musste irgendwann mit einem Koffer in die Schule kommen, um meine Sachen wieder einzusammeln.
Witzigerweise konnte sie beim ADHS-Fragebogen die Frage „Sucht das Kind ständig verlorene Sachen?“ nicht ankreuzen, weil ich die Sachen zwar verloren habe, sie mir aber meistens egal waren und ich deshalb gar nicht danach gesucht habe. Flüchtigkeitsfehler habe ich ebenfalls oft gemacht – außer bei Dingen, die mich wirklich „eingenommen“ haben. Dort war ich dann wiederum extrem detailliert und genau.
Eigentlich bin ich ziemlich unordentlich, aber gleichzeitig gibt es bestimmte Bereiche, in denen ich extrem ordentlich, perfektionistisch oder fast schon zwanghaft bin – zum Beispiel bei meinen Zauberwürfeln oder Mitschriften. Ich kann außerdem Dinge mit Zahlen unglaublich gut merken – quasi wie ein „Kalender im Kopf“. Ich muss mir Termine oft gar nicht aufschreiben und nehme sie trotzdem zuverlässig wahr. Gleichzeitig gehe ich aber häufig erst Last Minute los, weil ich noch komplett in meinem Spezialinteresse versunken bin.
Ich kann Menschen außerdem schlecht zuhören, wenn mich das Thema nicht interessiert. Dann denke ich lieber über etwas nach, das mich gerade beschäftigt. Bei interessanten Themen funktioniert Aufmerksamkeit dagegen problemlos. Das wäre bei mir wahrscheinlich der „unaufmerksame“ Anteil.
Mein Freund muss mich manchmal sogar durch die Stadt führen, weil ich so gedankenversunken bin – meistens auf einen einzelnen Gedanken fixiert und nicht sprunghaft. Dinge, die ich dabei in der Hand halte, verschwinden dann plötzlich irgendwo, sodass ich nicht mehr weiß, wohin ich sie gelegt habe. Dann muss ich alles suchen und fühle mich teilweise wirklich „blind“. Er muss mich manchmal sogar festhalten, damit ich nicht irgendwo dagegenlaufe.
Deshalb weiß ich manchmal selbst nicht genau, ob das, was ich beschreibe, wirklich klassisches ADHS ist – vor allem, wenn andere hier ähnliche Erfahrungen schildern und ich ja auch eine AS Diagnose habe. Was bei mir vielleicht eher „klassisch ADHS“ wirkt, sind die vielen Wutanfälle in der Kindheit (hauptsächlich zuhause), mein sehr wildes Spielen, dass ich mich ständig verletzt habe, mein eher tomboyhaftes Verhalten, die starke Unordnung, schlechte Exekutivfunktionen, extremes Aufschieben und ständige Last-Minute-Aktionen. Dauerhaft wichtige Dinge verliere ich heute zwar kaum noch, aber innerhalb der Wohnung verschwinden Sachen bei mir trotzdem ständig.
Da klingt irgendwie gar nichts wie ADHS. Und das Kernsymptom Konzentrationsprobleme ist auch nicht erfüllt.
SecretDream Ja.
Da klingt irgendwie gar nichts wie ADHS. Und das Kernsymptom Konzentrationsprobleme ist auch nicht erfüllt.
Naja finde doch. Flüchtigkeitsfehler, chaotisch/unordentlich, unruhig/wild/unvorsichtig.
Und das ist ein Irrtum dass man sich mit ADHS nicht konzentrieren kann, bei Interesse kann man sich sehr gut konzentrieren. Nur fehlt das Interesse schweifen die Gedanken ab (wie Secret Dreams von Gesprächen schreibt die sie nicht interessieren)
Aber wie gesagt ich glaube das funktioniert nicht jemanden im Forum einzuordnen.
Habt ihr das eigentlich auch dass wenn ihr geht und dabei mit jemandem redet, komplett die Umgebung ausblendet? Also ich geh dann auf die Straße auch wenn ein Auto kommt (kam schon vor dass der andere mich dann gepackt und zurück gehalten hat) oder ich kriege überhaupt nicht mehr mit wo wir entlang gehen. Ich wirke dadurch orientierungslos aber eigentlich bin ich das nicht. Nur zuhören/reden beansprucht mich so sehr.
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